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Donnerstag, 22.01.2015

Mitbewohner soll Khaled B. erstochen haben

Ein 26-jähriger Asylbewerber in Dresden hat die Tat an seinem Landsmann gestanden. Er sitzt nun in Untersuchungshaft.

Von Alexander Schneider

Kerzen, Blumen und Gedenkbriefe liegen Im Hof eines Plattenbaus in Leubnitz-Neuostra. Hier wurde der junge Mann aus Eritrea tot aufgefunden.
Kerzen, Blumen und Gedenkbriefe liegen Im Hof eines Plattenbaus in Leubnitz-Neuostra. Hier wurde der junge Mann aus Eritrea tot aufgefunden.

© dpa

Dresden. Die Tötung des 20-jährigen Asylbewerbers Khaled B. ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft aufgeklärt. Ein 26-jähriger Mitbewohner habe am Donnerstag gestanden, den jungen Mann aus Eritrea erstochen zu haben, teilte die Behörde mit. Ein Ermittlungsrichter hat den Haftbefehl wegen Totschlags gegen den Verdächtigen erlassen. Der Afrikaner, der wie Khaled B. aus Eritrea stammt, sitzt in Untersuchungshaft. Ein Streit um die Haushaltsführung soll der Messerattacke vorausgegangen sein.

Der Tote wurde am Dienstag vergangener Woche im Hinterhof eines Plattenbaus in der Johannes-Paul-Thilman-Straße im Dresdner Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden. Die Leiche lag unterhalb der Wohnung, nur wenige Meter versetzt in der Nähe eines Hauseingangs. Dort hatte eine Frau sie gegen 7.40 Uhr entdeckt.

Der 26-jährige Mitbewohner habe ausgesagt, dass er dort am Vorabend zwischen 20 und 21 Uhr mit Khaled B. gestritten habe – es sei um die Zuständigkeiten in der Wohngemeinschaft gegangen. Zum Durchbruch der Ermittlungen habe die Analyse der mutmaßlichen Tatwaffe geführt, sagte Jan Hille, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Auf dem Messer befanden sich DNA-Spuren. Der Verdächtige sei daraufhin am Vormittag festgenommen worden und habe ein Geständnis abgelegt.

Khaled hatte erst seit wenigen Monaten in dem Haus gewohnt. Er teilte sich eine Vier-Raum-Wohnung mit sieben Männern, ebenfalls Flüchtlinge aus Afrika.

Es war zunächst ein rätselhafter Fall. Nach erstem Eindruck der Kriminalbeamten bei der Leichenschau vor Ort habe nichts auf ein Gewaltverbrechen hingedeutet. Als einzige Wunde hätten sie eine offene Schlüsselbeinfraktur festgestellt. Erst am nächsten Tag seien bei der Obduktion Stichverletzungen in Hals und Brust gefunden worden.

Auf Unverständnis stieß, dass die Ermittler nicht bereits am Fundort die Messerstiche festgestellt hatten. Der innenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Volker Beck, hatte die Ermittlungsbehörden wegen Strafvereitelung angezeigt. Es seien wertvolle Spuren vernichtet worden. Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Stiche seien nicht zu erkennen gewesen.

Die Ermittlungen fanden unter hohem Druck statt. Flüchtlingsverbände kritisierten eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Dresden und machten dafür auch die Pegida-Demonstrationen verantwortlich. Medien berichteten bundesweit über das Verbrechen. 3000 Menschen demonstrierten am Sonnabend in der Stadt, darunter Hunderte Afrikaner. Viele gingen von einem rassistischen Tatmotiv aus. Die schnelle Klärung der Tat könnte die spürbare Anspannung in der Stadt lösen.