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Donnerstag, 04.01.2018

Mit Walnüssen und Glasgranulat gegen Graffiti

Die Dresdner Graffiti Stop GmbH rückt den Schmierereien ohne Wasser und Chemie zu Leibe. Diese Idee begeistert sogar das Investorenteam der Sparkasse.

Von Ines Mallek-Klein

Der Chef von Graffiti Stop, Lars Kühnel, zeigt an der Klinkermauer des Kraftwerks Mitte in Dresden, wie die Farbschicht von Glasgranulat gelöst wird.
Der Chef von Graffiti Stop, Lars Kühnel, zeigt an der Klinkermauer des Kraftwerks Mitte in Dresden, wie die Farbschicht von Glasgranulat gelöst wird.

© Ronald Bonß

Dresden. Das blau-silberne Monster sieht aus wie ein etwas zu groß geratener Staubsauger. Und genauso surrt es auch, sind erst einmal alle drei Motoren angeschaltet. Lars Kühnel, Geschäftsführer der Graffiti Stop Dresden GmbH greift zu dem schwarzen Rohr und lässt den rechteckigen Sauger langsam über die Klinkerwand gleiten. Sie begrenzt das Gelände des Kraftwerks Mitte in Dresden und ist mit einem unschönen grau-schwarzen Farbmix überzogen. Der Sauger gleitet über den ersten Klinker, feine Glassplitter jagen wie ein Minitornado über die Mauer und lösen so die Farbpartikel ab. Unterdruck sorgt dafür, dass das Gemisch schon während des Lösungsprozesses abgesaugt werden kann. Sekunden später erstrahlt der Klinker in seiner ursprünglichen Farbe.

Reihe für Reihe könnte sich Lars Kühnel nun an der Mauer entlangarbeiten. Das Motiv ist nicht hübsch, dafür aber groß und es soll, geht es nach der Drewag als Eigentümerin der Kraftwerks-Immobilie, in nächster Zeit komplett verschwinden. „Wir haben unser Angebot für den Auftrag abgegeben. Mal sehen, ob wir auch den Zuschlag bekommen“, sagt Lars Kühnel.

Der 40-Jährige hat die Graffiti Stop Dresden GmbH erst im Juli vorigen Jahres gegründet. Ich war auf der Autobahn unterwegs , ärgerte mich über die vielen Graffiti an den Lärmschutzwänden und dachte, dagegen müsse man was tun, erinnert sich der Unternehmer, der sein Geld zuvor in der Immobilienbranche verdient hatte. Kühnel nahm Kontakt zum Autobahnamt auf, recherchierte Techniken zur Graffiti-Entfernung und hatte Tage später einen Termin, um seine Idee zu präsentieren. Mittlerweile zählt sein Unternehmen 17 Beschäftigte. Es gibt eine Zweigstelle im baden-württembergischen Heilbronn und eine weitere soll demnächst in München eröffnet werden.

Graffiti sind ein deutschlandweites Problem. Deshalb plant Lars Kühnel die Expansion. Als Investor konnte er die SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft mbH gewinnen. Die Tochter der Ostsächsischen Sparkasse ist derzeit an 58 Firmen mit insgesamt 32,4 Millionen Euro beteiligt. 350 000 Euro davon sind bei der Graffiti Stop GmbH gut angelegt, ist Christian Müller als Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft sicher. Überzeugt habe ihn vor allem das umweltfreundliche Konzept des Unternehmens.

Während Konkurrenten die Farben mehrheitlich mit viel Chemie ablösen und dabei auch bleibende Schäden an den Fassaden riskiert würden, setzt das Unternehmen von Lars Kühnel auf Glas für Klinker-, Holz- oder Metallflächen. Walnusssplitter sind dagegen geeignet, um Glasflächen oder Natursteinmauern zu reinigen. „Und zwar rückstandsfrei und ohne Schattenbildung“, versichert Lars Kühnel. „Wir nehmen einzelne Farbschichten herunter, ohne die Patina zu zerstören. Das ist vor allem bei historischen Gebäuden interessant“, so Kühnel. Das Granulat wird übrigens von den Farbresten gereinigt und kann dann erneut eingesetzt werden. Bis zu 40 Reinigungsdurchgänge sind so möglich. Das Verfahren eignet sich auch, um Moos von Dachflächen zu entfernen oder Fliesen wieder wie neu aussehen zu lassen.

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