Samstag, 19.01.2013

Mit Tunnel-Blick auf Räuberjagd

Die Schlinge um die Tunnel-Diebe von Berlin-Steglitz zieht sich langsam zu. Doch ihr spektakulärer Bankraub sorgt für Staunen.

Von Torsten Hilscher

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Wie in einen Bergwerksstollen führt der 45 Meter lange Tunnel von der Tiefgarage bis in die Bankfiliale.Fotos: dpa (2)
Wie in einen Bergwerksstollen führt der 45 Meter lange Tunnel von der Tiefgarage bis in die Bankfiliale.Fotos: dpa (2)

  • Wie in einen Bergwerksstollen führt der 45 Meter lange Tunnel von der Tiefgarage bis in die Bankfiliale.Fotos: dpa (2)
    Wie in einen Bergwerksstollen führt der 45 Meter lange Tunnel von der Tiefgarage bis in die Bankfiliale.Fotos: dpa (2)
  • Mit diesem Phantombild sucht die Polizei nach einem Verdächtigen.
    Mit diesem Phantombild sucht die Polizei nach einem Verdächtigen.

Ein bisschen Bewunderung klingt schon mit, wenn die Polizisten von den Details zum Bankraub von Berlin-Steglitz berichten. „Absolute Profis“ seien die Unbekannten gewesen, die sich durch einen selbst gegrabenen Tunnel unbemerkt Zugang zu den Bankschließfächern einer Volksbank-Filiale verschafft hatten. Der Coup war am Montag aufgeflogen.

Es riecht noch immer verbrannt in der Tiefgarage an der Steglitzer Wrangelstraße. Wohl um ihre Spuren zu verwischen, hatten die Täter dort nach dem Einbruch Feuer gelegt. Die unterirdische Anlage ist nur über den Hinterhof eines typischen Betonklotzes aus West-Berliner Zeiten zu betreten.

Die Tiefgaragenzufahrt am Tatort nimmt eine scharfe Kurve. Gleich das erste Abteil muss den Gangstern über Wochen oder Monate als „Arbeitsstelle“ gedient haben, vermutet ein Polizeisprecher. Das Garagentor aus Kunststoff ist angekohlt. Ebenso das gesamte Garagenabteil. Gerümpel liegt herum, darunter eine Baustellenwanne aus Kunststoff, wie sie auch zum Mischen von Beton genutzt wird. Laut Polizei ist es durchaus möglich, dass die Täter damit einen Teil der Sandmengen transportierten. Aktuellen Schätzungen zufolge gruben die Täter vier Laster-Ladungen Sand aus dem Boden. Der Rest davon, ein etwa mannshoher Haufen, liegt noch im Garagenabteil.

In der linken Wand klafft ein Loch. Die Täter haben mit gewaltigen Fräsen vier Löcher hineingeschnitten. Das Ergebnis sieht aus wie eine große Blume. Ein Meisterwerk. Etwa 25 Zentimeter dick war der Stahlbeton.

Dahinter beginnt ein Schacht, der jedem Bergmann zur Ehre gereichen würde. Kurz hinter dem Durchstieg sind alle Wände rundherum mit massiven Holzbohlen abgestützt. Hunderte Nägel halten die Konstruktion. Der etwa 1,50Meter hohe Tunnel ist sanft abfallend.

Tresorraum bleibt geschlossen

In den nächsten Tagen soll der Durchgang komplett freigelegt werden, damit er anschließend wieder verfüllt werden kann. Bereits jetzt steht ein kleiner Bagger neben der noch immer geschlossenen Bankfiliale. Bis zur Wiedereröffnung am Montag können Kunden draußen nur an einem mobilen Bankautomaten, dem „Zaster Laster“, Geld abgeben. Drinnen soll nun eine Anlaufstelle eingerichtet werden, um den vom Raub betroffenen Schließfachbesitzern bei Versicherungsfragen und Schadensmeldungen zu helfen.

Die Bank hat inzwischen mit der Reinigung und einer Bestandsaufnahme begonnen. „Wir gehen davon aus, dass es mehrere Monate dauern wird, bis wir jeden Gegenstand einzeln aufgenommen und zugeordnet haben“, sagte die Sprecherin. Der Tresorraum bleibt vorerst dicht. Vom 28. Januar an sollen Kunden, die von dem Überfall nicht betroffen sind, wieder Zugang zu ihren Schließfächern bekommen.

Auch wenn klar ist, dass der Raub das Werk von Profis war, die nicht nur exakt arbeiteten, sondern die Gegend auch ausgekundschaftet hatten, bleiben Rätsel. Laut Polizei sind die Umstände der Flucht weiter unklar. Warum wurden nur 300 der insgesamt 900 Schließfächer im unterirdischen Tresorraum geknackt? Warum bemerkte niemand die offensichtlich zeitraubenden Arbeiten? Inzwischen gingen 90 Zeugenhinweise ein.

So gibt es etwa die Beschreibungen zweier Autos, die am Tatort gesehen wurden. Außerdem wurde das Phantombild eines möglichen Täters veröffentlicht. Es entstand nach Aussage von Zeugen, die den Mann in der Tiefgarage sahen. Der Mann ist etwa 30 bis 40 Jahre alt. Auf einer Wange hat er ein auffälliges Muttermal. (dapd mit dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

  1. Siggi

    Alle Achtung! hoffentlich hats die Richtigen getroffen!

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