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Donnerstag, 27.08.2015

Mit Rhythmus im Blut

Beim Ten-Sing-Schulprojekt in der 1. Kamenzer Oberschule brannte am Mittwoch die Luft. Vor lauter Begeisterung.

Leonie am Schlagzeug der modernen Art – einem E-Drum. Hier werden die Geräusche digital erzeugt. Das macht aber genau so viel Laune ...
Leonie am Schlagzeug der modernen Art – einem E-Drum. Hier werden die Geräusche digital erzeugt. Das macht aber genau so viel Laune ...

© René Plaul

Kamenz. Ein Hoch auf den Männerchor. „Huh, huh“, hallte es am Mittwoch in der Aula der 1. Oberschule in Kamenz. Auch Alt und Sopran haben ihren Schlachtruf. Sekunden später klatschen fast vierzig junge Leute und wippen mit den Füßen im Takt. „Lass die Musik an“, heißt ihr Lied. Trotz der gefühlten Sahara-Temperaturen in der Aula geht mit einigen Sängern ihr Temperament durch. Die Stimmung ist grandios. Erst recht für einen Mittwochmorgen. Es ist der zweite von drei Tagen des „Ten Sing Sachsen School Projects“. Mit dabei sind 22 Kamenzer Oberschüler, die dafür vom Unterricht freigestellt wurden, sowie ältere Ten Singer aus ganz Sachsen, die in der Lessingstadt Erfahrungen und Tipps weitergeben wollen. Die Kamenzer Schule ist für das Schulprojekt ein gutes Pflaster, musikalisch und kreativ interessierte Schüler gibt es hier viele, sogar eine Schülerband.

Soviel Spaß haben junge Kamenzer bei Ten Sing

Die Ten-Sing-Bewegung – der Name steht als Kurzform für Teenager singen – entstand Ende der 1960er-Jahre in Norwegen, seit 1986 findet sie auch in Deutschland immer mehr Anhänger unter Regie des Christlichen Vereins junger Menschen (CVJM). Zunächst als christliche Jugendarbeit im musikalischen, kulturellen und kreativen Bereich gedacht, um damit jungen Menschen ein neues Lebensgefühl zu vermitteln und dem christlichen Glauben auf andere als die herkömmliche Weise begegnen zu können. Inzwischen wirken deutschlandweit Tausende Jugendliche in Ten-Sing-Projekten mit, das Bekenntnis zum evangelischen Glauben wird dabei nicht vorausgesetzt. Und auch sonst muss man keine besonderen Talente vorweisen. Gut, wer singen oder ein Instrument spielen kann, Bedingung ist das aber nicht. „Jugendliche sollen sich ausprobieren, sich einbringen, Aufgaben übernehmen und auf spezielle Weise auch Verantwortung“, erklärt die Kamenzer Pfarrerin Claudia Wolf. Sie möchte Ten Sing in Kamenz anschieben. Zwölf Projekte gibt es in Sachsen. In Radeberg und Bautzen zum Beispiel, in der Lessingstadt aber bisher noch nicht.

Konzentrierte Arbeit

Es geht um den Spaß an der künstlerischen Betätigung. Und der ist den Teilnehmern in jeder Faser ihres Körpers anzumerken. Die Chorprobe mit Michael Nischik aus Berlin ist alles andere als langweilig. Gekonnt kitzelt der musikalische Leiter die Begeisterung aus den Sängern heraus. Da gibt es keinen, den der Rhythmus nicht mitreißen würde. Auf Instrumenten begleitet wird der Chor von älteren Ten Singern. Am Wochenende sollen Kamenzer Jugendliche die Band ersetzen. Dementsprechend konzentriert läuft die Arbeit in den Workshops wie bei den Bandproben im Kirchgemeindehaus. Die Schlagzeuger leitet Edwin Scharfe aus Dresden an. Der 20-Jährige hatte anfangs befürchtet, dass er erst erklären müsse, was ein Stick ist. Dem ist ganz und gar nicht so. Leonie, die in einer Musikschule Schlagzeug übt, weiß das längst. Wie sich die 13-Jährige am E-Drum bewegt, sieht schon ziemlich professionell aus. Im Schulprojekt macht sie mit, weil sie „gern Schlagzeug spielt und mit anderen zusammen ist“. Die Lieder kannte sie vorher nicht. Das sei schon eine Herausforderung, sagt sie. Ihr Workshopleiter aber ist zuversichtlich, dass alle Schlagzeuger das bis Freitag hinkriegen. Davon sind auch Mara (13/Kamenz) und Laura (16/Radeberg) überzeugt, die am Keyboard üben.

In der Aula der Oberschule erklärt Markus Hinkel derweil Florian (13) und Oscar (14), wie der Ton aus dem Mikro in die Box kommt, die Gitarre verstärkt wird oder welche Hebel an dem riesigen Mischpult wann zu bedienen sind. Der 25-Jährige aus Coswig ist deutschlandweit bei Projekten unterwegs. „Als Ten Singer hört man erst auf, wenn man sich selber zu alt dafür fühlt“, erklärt er. Pfarrerin Claudia Wolf bedauert ein bisschen, dass es eine solche künstlerisch-kreative Bewegung nicht für Erwachsene gibt. Eine Etage tiefer legt Anika Weber eine CD in den Rekorder. Die 19-jährige Abiturientin aus Pirna ist seit fünf Jahren bei Ten Sing. Als Leiterin des Tanz-Workshops erklärt sie fünf Mädchen die nächste Schrittfolge. Franziska und Vivian, 14-jährige Schülerinnen der Oberschule, sind mit Eifer dabei. Vorher haben sie im Ganztagsangebot Zumba getanzt. Nun sind sie neugierig auf das Tanzen bei Ten Sing. Beide könnten sich vorstellen, auch nach der Projektwoche dabei zu bleiben.

Öffentlicher Workshop

Seit Oktober war das Schulprojekt vorbereitet worden. Sebastian Gerhardt, beim CVJM-Landesverband für die Ten-Sing-Arbeit zuständig, freut sich über die tolle Atmosphäre in der 1. Kamenzer Oberschule. Das sei nicht überall so. Das Ergebnis der dreitägigen Probenarbeit wird morgen 18 Uhr den anderen Schülern vorgestellt. Wer mehr darüber wissen will und für all jene, die nicht in dieser Schule lernen, beginnt am Sonnabend 10 Uhr ein öffentlicher Workshoptag im evangelischen Kirchgemeindehaus an der Pulsnitzer Straße/Ecke Anger in Kamenz. Da können sich Jugendliche von 13 bis 20 Jahre nach Herzenslust ausprobieren in Gesang, Schauspiel, Tanz, in einer Band oder im Umgang mit Technik. Eine Woche später soll das Ten-Sing-Projekt als regelmäßiges Angebot fortgesetzt werden. Dazu treffen sich interessierte junge Leute ab 4. September jeden Freitag 16 Uhr im Kirchgemeindehaus.