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Samstag, 28.01.2017

Mit Hansi und Bello ins Grab

Der Städtische Friedhof erlaubt jetzt, sich gemeinsam mit dem geliebten Haustier bestatten zu lassen.

Von Daniela Pfeiffer

Mensch und Haustier – bei vielen ist die Bindung zum oft jahrelangen treuen Begleiter so stark, dass sie das Tier gern würdig bestattet wissen möchten. Auf dem Görlitzer Friedhof gibt es dafür nun ganz neue Möglichkeiten.
Mensch und Haustier – bei vielen ist die Bindung zum oft jahrelangen treuen Begleiter so stark, dass sie das Tier gern würdig bestattet wissen möchten. Auf dem Görlitzer Friedhof gibt es dafür nun ganz neue Möglichkeiten.

© Städtischer Friedhof

Görlitz. Vor Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. „Das hätten wir nicht mal aussprechen dürfen“, sagt Evelin Mühle, Leiterin des Städtischen Friedhofs. Doch Zeiten ändern sich. Auf dem neuen Teil des Städtischen Friedhofs sind in Kürze gemeinsame Bestattungen von Mensch und Tier möglich. In der neuen Friedhofssatzung, der der Stadtrat am Donnerstag zustimmte, ist diese Möglichkeit geregelt.

Hat Wellensittich Bubi jahrelang die Familie erheitert, war Hund Bello wie ein Kind? Der Gedanke, die treuen Begleiter im Müll zu entsorgen oder beim Tierarzt lassen zu müssen, damit er die Entsorgung übernimmt, bricht vielen Tierbesitzern das Herz. Weil es immer mal Anfragen zu diesem Thema gegeben hat, haben sich Evelin Mühle und ihre Kollegen nun entschlossen, mutig zu sein und sich darauf einzulassen. Mit einigen Einschränkungen allerdings. So darf das Haustier nicht einfach mit in den menschlichen Sarg gegeben werden. Lediglich die Asche des Tieres darf bestattet werden – und auch nur in einer speziellen Tierurne. Dafür werden Herrchen oder Frauchen längere Wege oder einen Abholservice auf sich nehmen müssen. Denn Tierkrematorien, wo man die Überreste in einer kleinen Urne mitnehmen kann, gibt es in der Lausitz nicht.

Ist die Urne samt Haustierasche dann da, gibt es zwei Möglichkeiten: gleich bestatten oder erst mit Frauchen oder Herrchen zusammen. Evelin Mühle würde immer den Friedhof bevorzugen. „Manche lassen die Urne ja im Wohnzimmer in der Schrankwand stehen, aber ist das gut, sie ständig zu sehen? Der Friedhof ist dafür ein wunderbarer Ort. Er ist für die Beherbergung der Toten ja da.“ Möglich ist das Zurückhalten der Urne aber, schließlich gibt es in dieser Richtung keine gesetzlichen Regelungen.

Wer gemeinsam mit seinem Tier in einer Grabstätte beigesetzt werden möchte, kann sich bei der Friedhofsverwaltung informieren. In einem separaten Grabfeld auf dem Neuen Friedhof wird es künftig Grabstätten geben mit dem Recht zur Beisetzung von zwei Urnen und zwei Grabbeigaben - und das können eben auch Tieraschen sein. Das ausgesuchte Grabfeld sei „eine schöne Fläche mit Gehölzgruppen, sodass es auch ein bisschen kuschelig wirkt.“ Ein Tierfriedhof mit bunt gestalteten Grabsteinen und Kuscheltieren auf dem Grab wird das aber nicht – im Gegenteil. Es sind schließlich ganz normale Urnengräber für Menschen. Frau Mühle hat auch wenig Sorge, dass es sich mancher anders überlegt, sein Tier bestattet und es schließlich ein reines Tiergrab bleibt. Denn die Kosten sind nicht unerheblich. Für eine Grabstelle, die zwei Humanurnen und zwei Grabbeigaben beinhalten kann, sind Gebühren für eine 25-jährige Nutzungszeit zu zahlen. Dazu kommen noch Friedhofsunterhaltungsgebühren. „Alles genauso wie beim bisher üblichen Wahlgrab. Für Tierurnen gibt es keine Ruhezeit. Tierurnen werden wie Gegenstände behandelt.

In der Praxis stellt sich Evelin Mühle eine separate Tierbestattung schlicht vor. Sie darf der eines Menschen nicht gleichgesetzt werden. „Wir vereinbaren mit der Familie einen Termin, aber es gibt keine offizielle Rede oder Trauerfeier.“ Stattdessen soll es in dem vorgesehenen Grabfeld einen Steintisch geben, auf dem die Urne stehen kann, Blumen dazu, das sei passend.

Wie die Görlitzer das neue Angebot nun annehmen, darauf sind die Friedhofsmitarbeiter selbst sehr gespannt. „Ich weiß aus Gesprächen mit Tierärzten, dass es oft Anfragen zur Kremierung von Haustieren, vor allem Hunden, gibt, und was man dann mit der Urne machen könnte“, so Evelin Mühle. Auch deshalb hat sie sich getraut, das ungewöhnliche Angebot zu machen, weil andere sie dazu ermutigten. In Essen ist das bereits möglich, genau wie seit 1. Januar in Aschersleben. „In Sachsen sind wir wohl die Ersten.“Auf ein Wort