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Montag, 02.10.2017

Mit einem kranken Mäusebussard fing alles an

Auf Mildenstein zeigen Falkner ihre Tiere. DA-Mitarbeiterin Helene Krause lässt sich auf ein Abenteuer ein.

Von Helene Krause

Heike Theresia Jäkel (rechts) setzt der noch etwas skeptischen DA-Mitarbeiterin Helene Krause einen Wüstenbussard auf die Hand. Auf Tuchfühlung mit den Greifvögeln gingen die Besucher von Burg Mildenstein am Sonntag.
Heike Theresia Jäkel (rechts) setzt der noch etwas skeptischen DA-Mitarbeiterin Helene Krause einen Wüstenbussard auf die Hand. Auf Tuchfühlung mit den Greifvögeln gingen die Besucher von Burg Mildenstein am Sonntag.

© Dietmar Thomas

Leisnig. Ich muss zugeben, mir ist etwas mulmig zumute, als ich mit der linken Hand in den dicken Lederhandschuh fahre, den Falknerin Heike Theresia Jäkel zuvor ausgezogen hatte. Auf dem Handschuh sitzt ein Wüstenbussard. Seine scharfen Krallen haben schon einige Spuren in dem Leder hinterlassen. Auch der spitze Schnabel des Greifvogels signalisiert mir, dass er verletzen und töten kann. Ehe ich ihn halten darf, hat Falknerin Jäkel ihm eine Lederhaube aufgesetzt. Die täuscht dem Tier vor, dass es Nacht ist. Dadurch bleibt der Vogel ruhig. Heike Theresia Jäkel und ihr Mann Peter zeigen auf der Burg Mildenstein bei der Veranstaltung „Vom fuernehmsten und froehlichsten Jagdwerk“ einige ihrer Greifvögel.

Das Ehepaar betreibt in Langenau, einem Ortsteil von Brand-Erbisdorf, eine Station zur Wildvogelpflege. Das bedeutet, sie nehmen kranke und junge Tiere auf, pflegen sie gesund oder ziehen sie groß und wildern sie dann wieder aus. Ein Urlaub ist da kaum drin.

Wie Heike Theresia Jäkel sagt, heißt der Wüstenbussard auf meinem Arm Kischa. Der Name kommt aus dem Indianischen und bedeutet „Die Nacht“. Die Falknerin nannte ihn so, weil sie meist nachts mit ihm arbeitet. Um ihn im dichten Wald schneller wiederzufinden, hat er an den Beinen Schellen. Die Greifvögel können aber auch mittels eines Senders wiedergefunden werden.

Zu der Wildvogelpflegestation kamen die Jäkels durch Zufall. Ein Mäusebussard war bei ihnen im Bach verunglückt. Laut Jagdgesetz muss ein Jäger gefragt werden, ob man einen Greifvogel aufnehmen kann. Frau Jäkel machte den Falknerschein. Dadurch und durch ein Gespräch mit dem Landratsamt kamen die Jäkels auf die Idee, eine Station zur Wildvogelpflege zu gründen. Gemeinsam mit dem Landratsamt bauten sie diese auf. Um sie zu finanzieren, sind sie auf Spenden angewiesen und vermitteln Tierpatenschaften. Außerdem fahren Jäkels zu Veranstaltungen oder in Schulen. Auch Kindergeburtstage finden in der Station statt. Vogelvorführungen machen sie nicht. Die Gäste können die Tiere füttern und anschauen. Deshalb haben sie auf die Burg außer zwei Wüstenbussarden auch einen großen Uhu mitgebracht. Doch nicht nur die Vögel sind zu bewundern. Besucher können auch herrschaftliche mittelalterliche Gewänder anlegen oder auf einem Pferd reiten, das Peter Jäkel durch den Burghof führt.

Die achtjährige Fibi Georgi aus Deutzen ist zu Besuch bei ihrer Oma Steffi Georgi in Hartha. Die Vögel findet Fibi schön. Extra wegen der Greifvögel sind Falk Werner und sein fünfjähriger Sohn Pit nach Leisnig gekommen. Die Vögel gefallen ihnen. Besonders der große Uhu hat es ihnen angetan.

Mit der Zeit wird der Wüstenbussard auf meinem Arm ganz schön schwer. Deshalb bin ich froh, als mir Heike Theresia Jäkel das Tier wieder abnimmt.

Veranstaltungstipp: Harnisch, Brustpanzer und Hundshelm – eine Rüstungs- und Ritterkunde für die gesamte Familie am 3. Oktober, 11 Uhr, auf Burg Mildenstein. Anmeldungen unter Telefon 034321 625636 erwünscht.