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Mit der Bahn ins Hotel

Der Bahnausbau wird für die Anwohner der Strecke in Niesky und Horka eine Belastung. Dafür will die Bahn entschädigen.

07.10.2017
Von Alexander Buchmann

ahn ins Hotel
Ins Kulturhotel am Markt in Bad Muskau sind schon einige Familien auf Kosten der Deutschen Bahn eingezogen, weil sie dem Baustellenlärm entfliehen wollten.

© Archivfoto: Sabine Larbig

Schotter, Gleise, Oberleitung, sogar neue Brücken – beim Ausbau der Bahntrasse zwischen Niesky und Horka muss vieles gebaut werden. Und die meisten Arbeiten werden wohl alles andere als leise. Für die Anwohner der Strecke wird es in den nächsten Monaten deshalb laut. Wenn es zu laut wird oder wenn nachts gearbeitet werden muss, bietet die Deutsche Bahn finanzielle Entschädigungen oder Hotelaufenthalte an.

Davon haben Betroffene an den anderen Streckenabschnitten schon Gebrauch gemacht – auch hier in der Region. Das bestätigt der Projektleiter der Deutschen Bahn für den Ausbau Ulrich Mölke auf Nachfrage der SZ. Bisher hätten drei Familien aus Klitten, zwei davon mit vier und eine mit fünf Personen, im Juli 2017 das Angebot der Hotelübernachtung angenommen, erklärt Ulrich Mölke. Darunter auch Kinder und Rentner. Diese haben, je nachdem wie stark und lang anhaltend die konkrete Lärmbelastung war, drei oder vier Nächte im Kulturhotel Fürst Pückler Park in Bad Muskau übernachtet. Der Hauptgrund seien Nachtbauarbeiten wie Materialtransporte, Schweißarbeiten und durchgehender Straßenbau an einem Bahnübergang gewesen, sagt Ulrich Mölke. „Hinzu kommt eine Sondervereinbarung zur Übernahme der Kurzzeitpflege als Alternative zur Hotelübernachtung für eine Person in See“, so der Projektleiter.

Dass betroffene Anwohner, die das Angebot von Hotelübernachtungen annehmen, bis nach Bad Muskau fahren müssen, hat einen ganz einfachen Grund. Es gibt schlicht und einfach kaum Hotels in der Region, die den Standard erfüllen, der verlangt wird, erklärte Ulrich Mölke unlängst bei einer Informationsveranstaltung in Horka. Und das Nieskyer Bürgerhaus falle beispielsweise aus, weil in dessen Nähe die Bahnstrecke verläuft, an der gebaut wird.

Wer nicht in ein Hotel ziehen kann oder will, kann von der Bahn auch finanziell entschädigt werden. Diese sogenannte Wohnwertminderung, die sich nach der Kaltmiete berechnet, ist in der Region bisher aber noch nicht gezahlt worden. Weil der Aufwand für die Erfassung des Baulärms, die Berechnung des Betrages, der Kontakt mit den Betroffenen und die letztendliche Vergütung sehr groß sei, sollen die Entschädigungen für jeden Bauabschnitt im Block erledigt werden, sagt Ulrich Mölke. Nach Möglichkeit soll das auch zu einem Zeitpunkt passieren, wenn kein neuer Baulärm mehr entsteht und alle Ansprüche abgegolten und geregelt werden können. Das reduziert auch den Aufwand für die Betroffenen, die sich damit nur einmal mit der Bahn auseinandersetzen müssen.

Auf die Entschädigung hat die spätere Berechnung keinen negativen Einfluss. „Aufgrund der Implementierung im Planfeststellungsbeschluss, gehen keinem Berechtigten die Ansprüche verloren“, versichert Ulrich Mölke. In Niesky wird es lauter mit den Bauarbeiten am Bahnübergang Neuhofer Straße. Dieser wird vollgesperrt, weil dort statt dem bisherigen Bahnübergang eine Eisenbahnüberführung gebaut wird. Bis zu deren Fertigstellung soll es zwischen Bahnhof- und Neuhofer Straße einen Behelfsübergang für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen geben, um die Verkehrssituation zu entlasten.

Das ist unter anderem deshalb wichtig, weil der Bahnübergang Muskauer Straße von Januar bis Mai 2018 gesperrt wird.