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Mittwoch, 14.06.2017

Mit dem Tablet auf Schatzsuche

Kindern und Jugendlichen bietet die Porzellan-Manufaktur Meißen einen modernen Zugang zum Weißen Gold. Eine Schülerin hat das getestet.

Von Dominique Bielmeier

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Rauf auf den TurmDrei Türme hat Weinböhla und alle können erstiegen werden. Vom König-Albert Turm aus kann man bis ins Erzgebirge sehen. Wer ihn unter der Woche besuchen möchte, kann sich den Schlüssel bei der Touristinfo ausleihen.Foto: Rene Plaul

Rauf auf den Turm

Drei Türme hat Weinböhla und alle können erstiegen werden. Vom König-Albert Turm aus kann man bis ins Erzgebirge sehen. Wer ihn unter der Woche besuchen möchte, kann sich den Schlüssel bei der Touristinfo ausleihen.Foto: Rene Plaul
  • Rauf auf den TurmDrei Türme hat Weinböhla und alle können erstiegen werden. Vom König-Albert Turm aus kann man bis ins Erzgebirge sehen. Wer ihn unter der Woche besuchen möchte, kann sich den Schlüssel bei der Touristinfo ausleihen.Foto: Rene Plaul

    Rauf auf den Turm

    Drei Türme hat Weinböhla und alle können erstiegen werden. Vom König-Albert Turm aus kann man bis ins Erzgebirge sehen. Wer ihn unter der Woche besuchen möchte, kann sich den Schlüssel bei der Touristinfo ausleihen.Foto: Rene Plaul
  • Rein in den Besen20 Besenwirtschaften listet der Tourismusverband Sächsisches Elbland auf seiner Webseite. Sie liegen meist malerisch in den Weinbergen von Meißen oder Radebeul. So kann man den Wein direkt dort trinken, wo er wächst.Foto: C. Hübschmann

    Rein in den Besen

    20 Besenwirtschaften listet der Tourismusverband Sächsisches Elbland auf seiner Webseite. Sie liegen meist malerisch in den Weinbergen von Meißen oder Radebeul. So kann man den Wein direkt dort trinken, wo er wächst.Foto: C. Hübschmann
  • Was aussieht wie Porzellankunst mit Blumen- oder Muschelmotiv, erfüllt in Wahrheit einen profanen Zweck: Die bunten Fliesen aus echtem Meissener sind Brennproben für verschiedene Farbtöne. Das und mehr lernte die Schülerin Lara Schneider bei einem besonderen Rundgang durch die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen.Foto: Andreas Weihs
    Was aussieht wie Porzellankunst mit Blumen- oder Muschelmotiv, erfüllt in Wahrheit einen profanen Zweck: Die bunten Fliesen aus echtem Meissener sind Brennproben für verschiedene Farbtöne. Das und mehr lernte die Schülerin Lara Schneider bei einem besonderen Rundgang durch die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen. Foto: Andreas Weihs

Porzellan – für Lara Schneider und viele andere Jugendliche sind das nur diese verzierten Tässchen und Figürchen, die die Oma in der Vitrine stehen hat und die allenfalls an Festtagen einmal herausgeholt und benutzt werden. In der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen weiß man um dieses verstaubte Image des Weißen Goldes. Um es etwas aufzupolieren und endlich auch bei der Jugend zu punkten, hat man sich nun etwas einfallen lassen.

Das will SZ-Praktikantin Lara Schneider sich für die Sommer-Serie einmal ansehen. Die 15-jährige Schülerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Nossen war das letzte Mal vor rund vier Jahren hier in der berühmten Porzellan-Manufaktur im Meißner Triebischtal. Damals bekam sie an der Kasse ein Stück dickeres Papier, mit dem sie durch das Museum gehen konnte: eine Schatzkarte, auf der verschiedene Stationen im Haus markiert sind, die nacheinander abgegangen werden müssen. Diese Karte gibt es noch immer, aber heute lässt Lara Schneider sie links liegen. Sie ist für etwas anderes, viel Moderneres gekommen.

Das wird ihr an der Garderobe überreicht: ein flaches, viereckiges Gerät mit Touchscreen – ein Tablet-Computer. Auf diesem ist ein Programm installiert, das Kinder und Jugendliche, ähnlich wie die Schatzkarte, auf spielerische Art durch die Porzellanausstellung führen soll. „Wie heißt du?“, wird Lara gleich von diesem Gerät gefragt und sie tippt sofort ihren Namen ein.

Nun stellt sich auch der kleine Computer vor, beziehungsweise derjenige, der Lara durch das Museum führen wird. Dafür muss sie aber erst wieder ein paar Schritte zurückgehen, in Richtung Eingang. Vor der Büste des Porzellanerfinders Johann Friedrich Böttger bleibt sie stehen. „Böttger“ lautet dann auch die Antwort auf die erste Frage. Lara tippt den Namen ein und wird sofort mit 100 virtuellen Punkten belohnt. Ab jetzt ist sie auf Du und Du mit dem kleinen Computer.

Und der schickt sie nun auf direktem Weg ins Obergeschoss. Die „Freiheitsstatue“ aus Meissener Porzellan in ihrem blütenübersäten Kleid und der extravagant toupierten Frisur muss auf andere Bewunderer hoffen. Im Obergeschoss wirft Lara einen kurzen Blick auf eine mit bunten Fliesen verzierte Wand, aber das Tablet schickt sie in ein anderes Zimmer.

Alle Räume werden nach Farben unterschieden. Rot, grün, sogar pink sind die stoffbespannten Wände im Museum. So hebt sich das meist weiße Porzellan am besten ab. Positiver Nebeneffekt für Kinder: Das Programm kann sie so ganz einfach anhand der Farben von Raum zu Raum navigieren.

In jedem gibt es dann ein oder mehrere Rätsel zu lösen, für welche die jungen Besucher sich die Ausstellungsstücke genau ansehen müssen. Mal werden Figuren in einem Schaukasten gezählt, mal die Frage beantwortet, welche Frucht eine Tierfigur in der Hand hält. Dabei lernen die kleinen Schatzsucher spielerisch das Porzellan, seine Verarbeitung und Geschichte kennen. Aus welchen Materialien wird Porzellan gefertigt? Was sind typische Berufe rund um das Weiße Gold? Nach dem Rundgang wissen das die Kinder, ohne dass sie die Antworten pauken mussten.

Für Kinder ab acht Jahren

Für die 15-jährige Lara sind die Fragen kein Problem. Sie hat sie schnell beantwortet und so bleibt Zeit, sich weiter im Museum umzusehen. Durch den genauen Blick auf die Ausstellungsstücke, den das Tablet anregt, fallen ihr weitere Details auf. Zum Beispiel, dass eine Pfauenfigur ein beschädigtes Rad hat, das geklebt werden musste.

Die elektronische Schatzsuche ist für Kinder ab acht Jahren gedacht, erklärt Kuratorin Anja Hell. „Sie sollten also schon lesen können.“ Leseanfänger können den Rundgang natürlich auch mit Unterstützung der Eltern machen. Das Wischen und Tippen auf dem Tablet haben die Kleinen aber blitzschnell raus. Mitunter sind sie sogar schlauer als die Erwachsenen. Sie erkennen nämlich, dass der Welpe in einer kleinen Figurengruppe nicht etwa Wasser trinkt, wie man vermuten könnte, sondern Milch. Das ist auch die richtige Antwort für das Tablet – noch einmal 100 Punkte.

Lara hat mittlerweile fast alle Räume einmal durchschritten, nun schickt Böttger sie wieder in das Treppenhaus, dorthin, wo die bunten Fliesen an der Wand hängen. Die sind zwar dekorativ, hauptsächlich aber nützlich: Sie zeigen, wie sich verschiedene Farbtöne beim Brennen verändern können. Hier stellt Böttger seine letzte Frage, ein Zahlenrätsel. Lara muss rechnen und sich das Ergebnis merken, die Zahl wird noch eine Rolle spielen. Jetzt wird die Schülerin erst einmal in den allerletzten Raum geführt. Er ist den Kindern gewidmet, auf niedrigen Tischen liegen Bilder zum Ausmalen, die Porzellanmotive zeigen, rundherum stehen kleine Stühle.

Viel interessanter ist aber eine hölzerne Truhe, die an einer Wand auf dem Boden steht. Sie ist verschlossen mit einem kleinen Vorhängeschloss aus Metall. Öffnen kann man dieses nur mit einem Zahlencode – der zuvor errechneten Zahl. Lara kniet sich neben die Kiste, dreht am Schloss herum und bald macht es „klick“ und sie kann die Truhe öffnen.

Ein Schatz für 900 Punkte

Darin erwartet die Kinder und Jugendlichen, die sich auf Schatzsuche begeben haben, ein Lohn für ihre Ausdauer. Das kleine Geschenk dürfen sie mit nach Hause nehmen. „Geschafft!“, sagt Böttger auf dem kleinen Computer und stellt Lara ihr Ergebnis vor: 900 Punkte hat sie erreicht, 100 Prozent aller Fragen richtig beantwortet. Damit ist sie auf Platz 115 von 121 gelandet. Die ganze Schatzsuche hat nur knapp 30 Minuten gedauert, kurz genug, um die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern nicht überzustrapazieren. „Das Feedback war bisher durchweg positiv“, sagt Kuratorin Anja Hell. Am Ende des Rundgangs mit Tablet können die Kinder und Jugendlichen direkt auf dem Gerät eine Beurteilung abgeben.

Und sogar das Hinweisschild in der Truhe, das dazu auffordert, den Schatz wieder für die nächsten Sucher zu verschließen und das Tablet abzugeben, sei bisher immer beachtet worden. „Ganz cool gemacht“, lautet das Urteil von SZ-Praktikantin Lara Schneider. Die Kombination aus Rätsel und Hintergrundinformation hat ihr gut gefallen. Obwohl sie schon einmal mit der Karte aus Papier nach dem Schatz gesucht hat, war vieles für sie neu.