Donnerstag, 29.11.2012

Mit dem Busshuttle zum Weihnachtsbaumschlagen

Von Anna Ringle-Brändli

Eine Familie geht mit einem selbst geschlagenen Weihnachtsbaum durch den Grunewald in Berlin. Foto: Theo Heimann/dapd
Eine Familie geht mit einem selbst geschlagenen Weihnachtsbaum durch den Grunewald in Berlin. Foto: Theo Heimann/dapd

Berlin. Vor dem Weihnachtsfest mit der Axt in den Wald: Selbst geschlagene Tannenbäume schmücken an Weihnachten nach Aussagen von Waldbesitzern immer häufiger Deutschlands Wohnzimmer. Der Deutsche Forstverein spricht sogar von einem Trend, der sich seit Jahren abzeichne. In immer mehr Waldgebieten gebe es in der Vorweihnachtszeit das Angebot, sich einen Tannenbaum auszusuchen und selbst zu schlagen, sagte der Vereinsgeschäftsführer Marcus Kühling. Neuerdings sei es auch bei Firmen in, das Baumschlagen als Event für Weihnachtsfeiern zu buchen.

„Die Mitarbeiter können auf der Betriebsfeier dann ihren eigenen Tannenbaum sägen oder schlagen und anschließend mit nach Hause nehmen. Dazu gibt es Glühwein", fügte Kühling hinzu, der sich auf die Aussagen zahlreicher Waldbesitzer beruft. „Das wird immer beliebter."

Kunden wollen wissen, woher ein Tannenbaum stammt

Kühling führt den Faible für den eigens geschlagenen Baum darauf zurück, dass Kunden zunehmend wissen wollen, woher Produkte stammen und dabei auf Regionalität setzen. „Das schlägt sich nicht nur bei Lebensmittel nieder, sondern eben auch bei Tannenbäumen. Viele wissen nicht, woher der Weihnachtsbaum stammt, der auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt verkauft wird", sagte Kühling.

Auch das Naturerlebnis sei für viele ein wichtiger Faktor. Familien etwa würden einen Ausflug in die Umgebung machen und auf dem Schlitten mit dem Baum im Schlepptau zurückkehren, ergänzte er.

Im vergangenen Jahr wurden dem Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger zufolge 21 Millionen natürliche Weihnachtsbäume gekauft. Wie viele davon in Wäldern von Kunden selbst geschlagen worden sind, könne aber nicht beziffert werden. Am beliebtesten sei die Nordmanntanne - mehr als 70 Prozent der Weihnachtsbäume entfielen auf die Baumart.

„Christbaum-Expeditionen" mit der Deutschen Bahn

Dass auch Großstädter vor Weihnachten in den Genuss des Baumfällens kommen können - dafür will unter anderem die Deutsche Bahn sorgen. Auf ihrer Internetseite bietet der Konzern „Christbaum-Expeditionen" ins Berliner Umland an. Zuerst Regionalzug, dann Busshuttle in den Brandenburger Wald, Säge in die Hand und schließlich mit dem Baum unterm Arm in der Bahn wieder Retour in die Hauptstadt.

Waldflächen müssen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände zufolge extra ausgewiesen werden, bevor sich Kunden auf die Suche nach ihrem Lieblingsbaum begeben können. Dennoch schrecke der ein oder andere nicht davor zurück, mit der Säge in den Wald zu gehen und sich ohne zu bezahlen zu bedienen, sagte Kühling vom Forstverein. Häufig wiesen Spuren im Schnee darauf hin. „Man hört es immer wieder, dass Bäume geklaut werden."

Ein Waldbesitzer aus Sachsen-Anhalt berichtete etwa, dass erst kürzlich ein Christbaumdieb nur deshalb geschnappt werden konnte, weil dieser in der Eile das Fahrrad im Wald stehen ließ. „Das anliegende Dorf hat nur 30 Anwohner - alle kennen das Fahrrad", sagt er schmunzelnd. „Dem Dieb war das schrecklich peinlich und zückte sofort das Portemonnaie und bezahlte den Weihnachtsbaum." (dapd)