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Montag, 27.11.2017

Mit angezogener Handbremse

Der DSC steht nach einem Sieg über Potsdam im Pokalhalbfinale – und trifft dort auf Schwerin.

Von Michaela Widder

Gruppendynamischer Jubel: Der Punkt geht an den DSC und löst beim Pokalspiel gegen Potsdam einige Emotionen aus.
Gruppendynamischer Jubel: Der Punkt geht an den DSC und löst beim Pokalspiel gegen Potsdam einige Emotionen aus.

© Thomas Kretschel

Da saßen die Volleyballerinnen Minuten nach dem Halbfinaleinzug an langen Tischen in der Halle und signierten geduldig die neuen Jahreskalender. Eine ausgelassene Siegesstimmung aber wollte an diesem Samstagabend irgendwie nicht aufkommen. Kurz zuvor hatte der Dresdner SC mit 3:1 (25:22, 25:19, 21:25, 25:16) über Potsdam die nächste Pokalrunde erreicht und ist nur noch einen Sieg vom ersten Saisonziel, dem Finale in Mannheim, entfernt. „Darüber sind wir extrem froh“, meinte Mittelblockerin Barbara Wezorke. „Aber das Publikum hat heute wie so oft die Resonanz gegeben, wie wir gespielt haben: Das war alles schleppend.“

Obwohl fast zeitgleich die deutschen Handballerinnen ihren letzten WM-Test in Dresden absolvierten, kamen immerhin 2 200 Zuschauer in die Margon-Arena. Doch auch Zuspielerin Mareen Apitz, die als wertvollste Spielerin ausgezeichnet wurde, haderte ein wenig mit der Stimmung. „Es war alles mit angezogener Handbremse“, sagte die 30-Jährige und meinte damit sowohl das Spiel als auch die Unterstützung von den Rängen. „Hey, wir sind im Halbfinale – das ist doch was.“ Dass die Mannschaft in den gut 100 Minuten nicht ihr bestes Volleyball zeigte, lag vermutlich auch an der intensiven Trainingswoche. Alexander Waibl hatte seinen Spielerinnen täglich auf dem Feld viel abverlangt, aber auch mehrmals im Videostudium die Aufmerksamkeit gefordert.

Eine zweite Niederlage gegen Potsdam – die erste gab es zum Saisonauftakt – hätte das vorzeitige Pokal-Aus bedeutet. Doch Waibl hatte sein Team gut vorbereitet, und bis zum 10:5 im dritten Durchgang sah es so aus, als würde der DSC das Spiel sogar souverän in drei Sätzen gewinnen können. „Die Einwechsler von Potsdam haben dann sehr gut aufgeschlagen. Ihre Aufschläge haben uns ja in Potsdam das Genick gebrochen“, erklärte Waibl. „Das hat bei uns ein bisschen Stress verursacht. Wir haben junge Leute, die fangen dann schon mal an, nachzudenken.“

Den dritten Satz musste der DSC an die Gäste abgeben. „Mich ärgert, dass wir nach einem 2:0 denken, dass alles so weiterläuft. Wir müssen lernen, dann auch mehr Gegenwehr zu zeigen, wenn der Gegner das fordert“, sagte Katharina Schwabe. Doch auch der Angreiferin war die Erleichterung anzumerken, die bisher wichtigste Partie in dieser Saison dennoch nicht aus den Händen gegeben zu haben. Mit einem Block machte die zuverlässige Finnin Piia Korhonen, die starke 22 Punkte beisteuerte, den Einzug ins Halbfinale perfekt.

Im Halbfinale trifft die Mannschaft am 20. Dezember nun auf Schwerin. Der Bundesliga-Spitzenreiter hatte beim 3:0-Auswärtssieg in Vilsbiburg wenig Mühe und bleibt in dieser Saison weiter ungeschlagen. Der DSC hat Heimrecht.

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