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„Mir ist respektvoller Umgang wichtig“

Tom Heinze ist neuer Integrationsbeauftragter und Jugendkoordinator beim Kreissportbund Meißen

06.10.2017
Von Thomas Riemer

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respektvoller Umgang wichtig“
Der Kreissportbund Meißen hat ab 1. Oktober nun auch einen Integrationsbeauftragten: Tom Heinze geht optimistisch und voller Spannung in sein Amt. Aus seiner Zeit bei Stahl Riesa kennt er die Materie gut.

© Sebastian Schultz

Die Geschäftsführerin des Kreissportbundes Meißen, Katrin Kramer, nennt es liebevoll „Integrationslotse“. Die tatsächliche Arbeitsbezeichnung für Tom Heinze ist indes „Integrationsbeauftrager und Jugendkoordinator“ beim Kreissportbund. Seit Monatsbeginn ist der 24-Jährige Döbelner im Amt. Im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung hat er gesagt, was er dort bewegen will.

Herr Heinze, warum braucht es nach Ihrer Ansicht einen Integrationsbeauftragten beim KSB?

Ich glaube, dass es insbesondere für die Vereine des Landkreises wichtig ist, einen Ansprechpartner zu haben, wenn es darum geht, Flüchtlinge in ihrem Verein zu integrieren. Hierbei sollen einerseits die Vereine natürlich selber die Möglichkeit haben, sich bei Problemen an uns zu wenden. Andererseits sind wir bzw. bin ich auch bestrebt, die Projekte des Landessportbundes – also „Integration durch Sport“, „Förderung der Integration von Flüchtlingen durch Sport“) den regionalen Sportvereinen näher zu bringen. Mein Ziel ist, zwischen den Parteien zu vermitteln und gute Lösungen zu finden, bei denen möglichst alle profitieren.

Wie groß ist nach Ihrer Erfahrung der Zulauf von neuen Mitbürgern in den Sportvereinen im Landkreis?

Dazu eine konkrete Angabe zu machen, ist mir derzeit noch nicht möglich. Man kann aber auf jeden Fall sagen, dass eigentlich alle Sportvereine mit der Thematik bereits aktiv konfrontiert wurden.

Ist der Zulauf nur auf Fußball bzw. Ballsportarten begrenzt oder lässt sich auch in anderen Sportarten schon ein Trend feststellen?

Ich denke schon, dass die Ballsportarten den größten Zulauf besitzen, jedoch begrenzt es sich nicht komplett darauf. Eine konkrete Aussage, welche anderen Sportarten das insbesondere betrifft, ist mir aber auch hier nicht möglich. Dazu muss ich erst über einen längeren Zeitraum der Tätigkeit nachgehen, um das konkret analysieren zu können.

Sie waren ja zuletzt u.a. bei Stahl Riesa in der Geschäftsstelle tätig. Welche persönlichen Erfahrungen mit neuen Mitbürgern haben Sie dort sammeln können?

Es gab schon einige persönliche Erfahrungen, die ich zur damaligen Zeit machen konnte. Beispielsweise gab es einen Deutschkurs für Flüchtlinge in den Räumlichkeiten der Geschäftsstelle. In Erinnerung ist mir besonders der Fall geblieben, als wir versucht haben, eine Gruppe von Flüchtlingen bei uns im Verein anzumelden. Die Schwierigkeit bestand darin, dass sie in unterschiedlichen Städten untergebracht waren. Sie kannten sich aber alle und wollten auch möglichst gemeinsam an einem Ort bleiben. Aus rechtlicher Sicht war das alles aber nicht so einfach, da sie auch immer dort schlafen mussten, wo sie gemeldet waren. Letztendlich ist es im Sande verlaufen, da die Gruppe irgendwann nicht mehr in Riesa zu finden war und wir ebenfalls nicht wussten, wo sie jetzt sind. Das war schon ein prägendes Erlebnis.

Wie groß ist nach Ihrer Erfahrung die Bereitschaft von „alteingesessenen“ Sportlern, die neuen Mitspieler zu integrieren bzw. zu akzeptieren?

Ich glaube nicht, dass die Tatsache, wie lange eine Person schon eine Sportart ausübt, Einfluss darauf hat, wie sie zu der Thematik steht. Es gibt eben Personen, die da offener sind, und andere, die es klar ablehnen. Das ist eine Frage der Weltanschauung. Für mich ist wichtig, dass man Konsens findet, kommuniziert und respektvoll miteinander umgeht.

Wie groß sind die bürokratischen Hürden, um beispielsweise einen Syrer mit einem Spielerpass beim Fußball auszustatten?

Hierbei ist die größte Hürde, dass es verhältnismäßig lange dauert, den Pass auszustellen. Man muss einen zusätzlichen Antrag ausfüllen und einige Sachen, wie beispielsweise den Personalausweis, anhängen. Dann ist der Sächsische Fußballverband) gefragt und muss mit dem Fußballverband aus dem ursprünglichen Land des Spielers kommunizieren und einen Vereinswechsel beantragen, falls der Spieler schon gespielt hat. Meistens reagieren diese Verbände aber nicht, und der SFV muss eine bestimmte Zeit warten, bis er dem Spieler einen Pass ausstellen kann. Das kann dann schon Monate dauern.

Welche Rolle spielen sprachliche Hürden?

Die Sprache ist sehr wichtig, wenn man ordentlich miteinander kommunizieren will. Sprachliche Hürden existieren dabei natürlich und ich bin absoluter Befürworter davon, dass Flüchtlinge schnell die deutsche Sprache erlernen sollen.

Aus allen vorhergehenden Fragen heraus ableitend: Wo wollen Sie künftig die Hebel ansetzen, um Integration „geräuschlos“ vonstatten gehen zu lassen?

Wie bereits erwähnt, ist mir eine offene, direkte Kommunikation wichtig. Die Vereine sollen sich nicht scheuen uns zu kontaktieren und können dabei auch Ängste und Vorbehalte äußern. Nur auf diese Art und Weise kann es aus meiner Sicht funktionieren. Weiterhin existieren ja bereits einige Projekte, die sich mit der Thematik befassen. Diese Projekte wollen wir natürlich auch im Landkreis umsetzen.

Sie sind künftig gleichzeitig Jugendkoordinator: Wo sehen Sie hier Handlungsbedarf im Landkreis?

Handlungsbedarf sehe ich darin, dass der Bewegungsmangel der Kinder bekämpft werden muss. Man muss sich stets darum kümmern, dass Kinder möglichst zeitig Sport im Verein ausüben und einen gesunden Bewegungsdrang ausleben können. Letztens habe ich gelesen, dass nur noch jedes dritte Kind schwimmen kann. Man muss eigentlich nur diese Tatsache stehen lassen, und dann weiß man, wo Handlungsbedarf besteht. Daher möchte ich, dass Vereine mehr mit Kindergärten und Schulen kooperieren. Davon profitieren eigentlich alle. Die Kitas und Schulen haben qualifiziertes Personal für Sportangebote, die Vereine haben mehr Zulauf und die Kinder leben gesünder. Weiterhin ist für mich wichtig, dass die Jugend sich auch abseits vom aktiven Sportkonsum im Verein engagiert. Hierbei geht es darum, dass man die jungen Leute in den Vereinen binden kann und sie vielleicht auch für ein Ehrenamt gewinnen kann. Daher ist es wichtig die Vereine individuell zu beraten.