sz-online.de | Sachsen im Netz

,Ministerpräsident‘ zu 1650 Euro Strafe verurteilt

19.10.2004
Von Thomas Fischer

Das gab’s noch nie: Im Amtsgericht Auerbach (Parkstraße 1) wurde gestern einem „Ministerpräsidenten“ der Prozess gemacht (Morgenpost am Sonntag berichtete). Nach zweieinhalb Stunden fiel das Urteil: eine saftige Geldstrafe.Gerichtssaal 302, gestern, 14 Uhr: Mehr als 50 Zuschauer drängten sich in dem kleinen Raum in der ersten Etage. Für zehn Zuschauer gab es einen Sitzplatz, der Rest musste stehen.

Auf der Anklagebank saß Olaf Thomas Opelt (44, zweifacher Vater) aus Reichenbach. Der Mann mit dem grauen Sakko behauptet: „Ich bin Ministerpräsident des Reichslandes Freistaat Sachsen.“Deswegen musste er vor den Kadi (Aktenzeichen 4DS130 Js 16144/04). „Das ist Amtsanmaßung“, so Staatsanwältin Monika Opalla (41). Richter Helmut Böhmer (37) eröffnete den Prozess.

Der Richter nimmt die Daten auf, fragt: „Welchen Beruf haben Sie gelernt?“ Der Angeklagte: „Bauer. Nun arbeite ich als freiberuflicher Koch.“ Richter: „Wie viel verdienen Sie?“ Angeklagter: „Rund 450 Euro im Monat.“ Nun ging es zu den Vorstrafen. Der Richter: „Haben Sie etwas offen?“ Der Angeklagte: „Ich war mal 11 km/h zu schnell, habe mal falsch geparkt und bin mal bei Rot über die Ampel gefahren. Doch diese Bußgelder habe ich alle bezahlt - beim Verkehrsminis-terium des Deutschen Reiches.“ Der Richter runzelt die Stirn: „Gut. Das werden wir sehen.“

Langsam geht es zur Sache. Der Richter: „Sie haben vier Briefe geschrieben mit Wappen und bezeichneten sich als Ministerpräsident.“ Der Angeklagte: „Ich bin vom Landtag gewählt worden.“ Der Richter runzelt wieder die Stirn: „Das ist mir wurscht.“

Das Urteil: 1650 Euro. Begründung: „Der Angeklagte hat sich ein Weltbild zurechtgelegt“, so Richter Helmut Böhmer. Der falsche Ministerpräsident: „Ich gehe in Berufung.“