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Milchbauern wollen Kühe schlachten

Die Milchproduzenten im Meißner Land leiden unter niedrigen Milchpreisen.Sie müssen Mitarbeiter entlassen oder den Tierbestand reduzieren.

20.05.2009
Von Martin Rank

Im Landkreis Meißen verschärft sich die wirtschaftliche Lage für Milchbauern. Wolfgang Grübler von der Agrargenossenschaft Lommatzscher Pflege sieht die Existenz seines Betriebs gefährdet. Wenn der Milchpreis weiterhin so niedrig bleibt, sieht er sich gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen oder Kühe zu schlachten. „Es läuft bereits alles auf Sparflamme. Ändert sich in den nächsten zwei oder drei Monaten nichts, muss ich rigoros durchgreifen, um den Betrieb zu retten.“ Momentan könne er ihn nur mit Quersubventionen aus dem Pflanzenanbau am Leben halten. 35 Cent pro Liter Milch seien nötig, um die Kosten der Milchproduktion zu decken. Derzeit bekommt er für einen Liter Milch 21 Cent. Täglich werden im Betrieb 20 000 Liter gemolken. So fehlen jeden Tag 2800 Euro, um die Kosten zu decken.

Erste Mitarbeiter entlassen

Im Milchhof in Diera gab es bereits Konsequenzen. Hier wurden im Februar erste Mitarbeiter entlassen, als sich der Milchpreis bei 24 Cent pro Liter bewegte. Welche Folgen der neue Tiefstand für das Geschäft hat, wollte Geschäftsführer Dieter Schlunke nicht kommentieren. Offenbar sind weitere Entlassungen nicht zu vermeiden.

Ob Betriebsverkleinerungen das Problem lösen können, ist fraglich. Manfred Uhlemann, Milch-Referent und stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbands, macht klar, dass alle Betriebe, unabhängig von der Größe, betroffen seien. Die meisten Einbußen hätten momentan reine Milchbauern, für die Pflanzenbau nicht möglich ist. Aber auch für Bauern, die mit Quersubventionen Verluste im Kerngeschäft ausgleichen können, sei die Lage katastrophal. Der Preis käme zustande, weil derzeit alle Molkereien auf den deutschen Markt drängen. Exporte nach China, die einst satte Gewinne ermöglichten, seien nicht mehr möglich, weil potenzielle Käufer aufgrund der Weltwirtschaftskrise nicht zahlungsfähig seien.

Uhlemann beklagt vor allem die Steuerbenachteiligung der deutschen Landwirte. In einigen europäischen Ländern betragen die Steuern für Agrardiesel weniger als einen Cent pro Liter. In Deutschland sind es bis zu 47 Cent pro Liter. So seien deutsche Bauern gegenüber Franzosen und Spaniern nicht konkurrenzfähig. Die Milchbauern müssen aber nicht zwangsweise wegen niedriger Preisen pleite gehen.

Nicht alle Betriebe in der Krise

Therese Gierschner-Wallrabe, Geschäftsführerin im Milchcenter in Prausitz, sieht hingegen keinen Grund zur Panik. Besonders in der Krise sei es wichtig, Optimismus auszustrahlen. Sie versteht die Krise auch als Chance. „Man muss in der Krise die Schwachstellen im Betrieb finden und Arbeitsabläufe effektiver gestalten.“

Die Existenz ihres Betriebes sei nicht gefährdet, weil sie ihn langfristig auf niedrigere Preise vorbereitet habe. 2007 wurde eine Biogasanlage eingerichtet, die nun rund zehn Prozent des Jahresumsatzes erwirtschaftet. „So sind wir auch für tiefere Preise gewappnet .“

Auf die müssen sich alle Milchbauern einstellen. Der Tiefstand ist höchstwahrscheinlich noch nicht erreicht. Der Landesbauernverband rechnet sogar noch mit weiteren Preisstürzen.