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Dienstag, 09.01.2018

Mein Kind hat Probleme in der Schule:

8 Ratschläge, wie Sie Ihr Kind optimal fördern können

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Bild: Unsplash.com © Josefa nDiaz
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„Wer die Schule hat erfunden, wird an den Marterpfahl gebunden“. Diese Aussage würden sicherlich einige sächsische Schüler ohne zu zögern unterschreiben. Doch geht es in den von Erich Kästner spöttisch als „Konservenfabriken der Gesellschaft“ betitelten staatlichen Lehrinstitutionen nicht nur um Noten und Schulabschlüsse – wenngleich uns das an allen Ecken und Enden suggeriert wird. Auch das Lernen muss zunächst gelernt werden, schließlich ist das gesamte Leben ein nie enden wollender Lernprozess. Und wo also lässt sich das Aneignen von neuen Wissenselementen besser trainieren als in der Schule? Doch Schule kann Angst machen. Eltern und Lehrer unterschätzen hier gerne die Rolle der Emotionen, denn diese haben einen entscheidenden Einfluss auf den Lernerfolg des Schülers. Fürchtet sich dieser beispielsweise massiv vor einer schweren Prüfung, so wird er ganz anders an die Prüfungsvorbereitung herangehen als ein Schüler, der grundsätzlich Freude am Lernen hat.

Lernen muss „unter die Haut gehen“ und muss begeistern, so formuliert es der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther. Durch eine gesunde Begeisterung aufseiten des Kindes werden im Gehirn die sogenannten „emotionalen Zentren“ aktiviert. Die angeregten positiven Emotionen funktionieren dann wie eine Art „Gießkanne mit Dünger“, die das zu Erlernende im Gehirn fest verankern lassen. Das heißt: Wenn diese Gießkanne nicht zum Einsatz kommt, dann bleibt der Lernstoff beim Kind schlichtweg nicht hängen. Begeisterung ist somit der Schlüssel zum Lernerfolg. Zwei grundlegende Haltungen, die eine solche Begeisterung begünstigen können sind Entdeckerfreude und Gestaltungslust. Kann das Kind diese wichtigen Einstellungen von Anfang an beibehalten, wird es in der Schule sicherlich ein leichtes Spiel haben. Doch was können Eltern tun, deren Kinder weniger Motivation zum Lernen haben? Hier ist besonders lernschwachen Schüler zu empfehlen, die Freude am Pauken durch eine Nachhilfe in lockerer Atmosphäre anzukurbeln. Nachhilfe ist dann besonders wichtig, wenn ein Kind sich von dem Rest der Klasse abgehängt fühlt und es an jener Begeisterung mangelt.

Natürlich reicht es nicht, sein Kind regelmäßig zu kontrollieren, ob es auch alle Hausaufgaben erledigt hat. Ebenso aktiviert Belohnung und Bestrafung zwar auch die kindlichen „emotionalen Zentren“, jedoch könnte Ihr Kind dann jeweils von der Belohnung oder Bestrafung abhängig werden. Womöglich erkennen Sie es bereits: Hier muss zwischen zwei grundlegenden Motivationstypen unterschieden werden: Der extrinsischen und der intrinsischen Motivation. Bei der extrinsischen Motivation sind es Einflüsse von außen – zum Beispiel Druck oder Geschenke –, die den Schüler zum Lernen beflügeln. Bei der intrinsischen Motivation „brennt“ der Schüler sozusagen für ein Thema und möchte daher mehr über es erfahren. Doch wie lässt sich dieses echte Interesse des Kindes für seine Außenwelt begünstigen? Folgende acht Faktoren führen zu einem erhöhten Lernerfolg:

Faktoren

Erklärung

1.) Autonomie erleben

Kinder lernen in der Schule linear. Das heißt, von einem relevanten Wissensbaustein zum nächsten. Das ist zweifelsohne sinnvoll. Doch wird dem Schüler, abhängig von seinem Alter, nach und nach mehr Selbstständigkeit beim Lernen zuteil, so kann sich dies positiv auf die Lernmotivation als Ganzes auswirken.

2.) Eigene Wichtigkeit definieren

Ein Kind lernt dann am besten, wenn es das zu Erlernende als bedeutungsvoll anerkennt. Das heißt, Kinder sollten sich in Beziehung zu dem Gegenstand ihres Lernens setzen.

3.) Förderung anstatt Forderung

Der Schüler sollte Aufgaben gestellt bekommt, die weder zu schwer, noch zu leicht für ihn sind. Das bedeutet, dass Eltern und Lehrer auch einmal ein paar Schritte im Schwierigkeitsgrad im Sinne des Schülers zurückgehen können, damit dieser neuen Mut fasst und erstmal Basiskenntnisse erwirbt oder festigt, die nötig sind, um weiteres Wissen darauf aufbauen zu können.

4.) Geborgenheit erfahren

Der Schüler sollte sich von seinen Eltern verstanden und bei seiner Klasse aufgehoben fühlen. Geben Sie Ihrem Kind Zuwendung, egal welche Noten es hat! Leistungs- und Konkurrenzdruck gilt in der Schule, aber nicht bei Ihnen zu Hause.

5.) Kompetenz erleben

Ein Kind muss seine eigene Leistungsfähigkeit erleben. Dies sorgt nicht nur für verstärkte intrinsische Motivation, sondern auch für eine besseren Lernerfolg im Sinne von Konfuzius: „Erkläre mir, und ich vergesse. Zeige mir, und ich erinnere. Lass mich tun, und ich verstehe“.

6.) Spielerisches Lernen ermöglichen

Kinder probieren einfach aus und lernen so ganz nebenbei. Sie lernen eher implizit – also: intuitiv und unbewusst – und weniger explizit – also: bewusst und gesteuert – wie Sie es gerne tun. Unterstützen Sie dies!

7.) Üben, üben und nochmals üben

Die absolute Häufigkeit des Praktizierens ist ebenso ein Garant für spätere Spitzenleistungen. Dies gilt nicht nur für das Erlernen eines Musikinstruments, sondern auch für den in der Schule einstudierten „theoretischen“ Lernstoff. Ohne vertiefendes Anwenden geht dieser dem Schüler ansonsten nur allzu schnell wieder verloren. Regelmäßiges Üben kann das zu Erlernende sogar zur Routine werden lassen, sodass das Kind fortan auf einer höheren Stufe lernen kann.

8.) Vorbild sein

Ihr Kind soll mehr lesen, aber Sie sitzen selbst lieber vor dem Computer? Dann seien Sie ein Vorbild und lesen Sie selbst ein Buch! Ihr Kind beobachtet Sie von morgens bis abends und wird sein Verhalten Ihnen zwangsläufig anpassen.

Sie als Elternteil haben es in der Hand, ob Ihr Kind seine Lernpotenziale voll ausschöpft oder nicht. Achten Sie somit darauf, dass Sie vor allem die Lernfreude Ihres Kindes erhalten! Verbreiten Sie hierzu eine positive Lernatmosphäre und machen Sie ihm Mut! Schließlich tun Sie Ihrem Kind für die Zukunft keinen Gefallen, wenn es Kind lediglich viel weiß und viele Kompetenzen hat. Viel entscheidender ist es, so Prof. Dr. Gerald Hüther, dass Kinder Freude daran haben, wenn es ihnen gelingt, andere Kinder einzuladen, zu ermutigen und zu inspirieren – kurz: begeistert zu sein und Begeisterung zu verbreiten. Nutzen Sie also dieses Wissen, um Ihr Kind nachhaltig zum Lernen begeistern zu können. Allen guten Vorsätzen zum Trotz kann jedoch auch ein simples Machtwort hin und wieder seine Wirkung tun. Erfahren Sie mehr zum Thema „Wie Lernen am besten gelingt“ in einem Interview mit Prof. Dr. Gerald Hüther: