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Mittwoch, 21.10.2015

Mehrheit der Dresdner mit Sympathien für Asylbewerber

Pegida, aber auch Protest-Initiativen dagegen bringen Tausende Menschen auf die Straße. Doch wo stehen die Dresdner wirklich? Eine Studie versucht, eine Antwort zu geben.

Von Nina Schirmer

Anfang September gab es an der Synagoge auf dem Hasenberg ein Willkommensfest für Flüchtlinge.
Anfang September gab es an der Synagoge auf dem Hasenberg ein Willkommensfest für Flüchtlinge.

© Sven Ellger

Dresden. Derzeit wird heftig über Flüchtlinge und ihre Aufnahme diskutiert. Dresden wurde dabei spätestens seit Beginn der Pegida-Demonstrationen in der Öffentlichkeit oft als rassistisch dargestellt.

Doch sind die Dresdner wirklich feindseliger gegenüber Asylsuchenden eingestellt als die Menschen anderswo? Das sind sie nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie des Instituts für Soziologie an der Technischen Universität. Dresden ist laut der Untersuchung nicht asylfeindlicher als andere Großstädte in Deutschland. Aber dennoch, das Thema spaltet die Stadt. Rund ein Fünftel der Befragten (20,4 Prozent) äußerte sich ablehnend gegenüber Flüchtlingen. Der größte Teil der Bevölkerung (40,6 Prozent) hingegen zeigt Verständnis und Sympathie für Menschen, die in Deutschland Asyl suchen. Fast genauso hoch ist allerdings der Anteil jener Menschen, die unentschlossen sind, welche Position sie zum Thema Asyl beziehen sollen.

Bei der Untersuchung telefonierten die Wissenschaftler mit 421 Bürgern. Sie sprachen über Themen wie Asyl, Zuwanderung und Demokratie. „Auch wenn die Zahl der Befragten relativ gering ist, können die Ergebnisse auf ganz Dresden verallgemeinert werden“, erklärt der Leiter der Studie, Stefan Fehser. Nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten sei die Umfrage repräsentativ, weil die Telefonnummern der Befragten nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und verschiedene demografische Gruppen befragt wurden. „Wir haben auch mit Leuten aus allen Stadtteilen gesprochen“, so der Soziologe.

Insgesamt zeichnet die Studie ein positives Bild. Mehr als die Hälfte der Befragten stimmte der Aussage zu, dass sie Asylsuchende nicht als Bedrohung für die hiesige Kultur wahrnehmen. Knapp 80 Prozent haben nichts dagegen, wenn Muslime nach Deutschland kommen. Ebenfalls mehr als 50 Prozent wären damit einverstanden, wenn in ihrem Stadtteil ein Wohnheim für Flüchtlinge eröffnet wird. Rund ein Viertel der Befragten lehnte das hingegen ab.

„Asylfreundliche und asylfeindliche Einstellungen finden sich in allen Bevölkerungsteilen“, sagt Fehser. Dennoch zeigten sich gewisse Tendenzen, welche Personenkreise bestimmte Meinungen häufiger vertreten. „Je jünger die Personen sind, desto positiver äußern sie sich über Asylsuchende“, erklärt der Wissenschaftler. „Außerdem ist Bildung in der Regel ein sicherer Puffer gegen Fremdenfeindlichkeit“, erklärt er weiter. Keine Tendenz gebe es hingegen in den Antworten von armen und reichen Leuten.

Neben ihrer allgemeinen Einstellung zum Thema Asyl wurden die Studienteilnehmer auch zu ihrer Meinung zu Pegida befragt. Zwölf Prozent gaben daraufhin an, die Themen der Bewegung zu unterstützen. „Diese geringe Zahl zeigt, dass Pegida nicht für eine schweigende Mehrheit in der Dresdner Bevölkerung steht“, sagt Fehser. Dennoch liegt auch bei dieser Frage die Zahl der Unentschlossenen bei fast 30 Prozent. Ob diese Leute in Zukunft Partei ergreifen für Migranten, oder ob sie später vor Flüchtlingsheimen demonstrieren, hänge vom Bemühen der Politik ab, sie zu erreichen, heißt es in der Studie.

Dem stimmt auch Michael Nattke, Fachreferent vom Kulturbüro Sachsen, zu. Der Verein setzt sich für eine aktive, demokratische Zivilgesellschaft und gegen Rechtsextremismus ein. „Wir sollten die unentschlossene Mitte ansprechen“, sagt er. Dafür müssten die Leute in ihrem unmittelbaren Umfeld erreicht werden. „Deshalb ist es wichtig, dass sich beispielsweise Unternehmen oder auch Sportvereine deutlich zum Thema Ausländerfeindlichkeit positionieren“, so Nattke.

Insgesamt kommen die Forscher der TU zu dem Ergebnis, dass sich die Dresdner Bevölkerung mehrheitlich für Zuwanderung ausspricht. Fast die Hälfte der Befragten findet aber auch, dass Deutschland strengere Regeln für die Aufnahme von Asylsuchenden haben sollte.