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Samstag, 30.12.2017

Mehrere Jobs gleichzeitig

Damit es mit dem Zweitjob klappt, muss man nicht nur eine passende Stelle finden.

Von Julia Ruhnau

Ein Arbeitnehmer, viele Stellen: Die Anzahl der Berufstätigen mit mehreren Jobs hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt. Foto: dpa/Oliver Berg
Ein Arbeitnehmer, viele Stellen: Die Anzahl der Berufstätigen mit mehreren Jobs hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt. Foto: dpa/Oliver Berg

© dpa-tmn

Kathrin Fischeidl ist 26, hat ein Studium absolviert, zwei Abschlüsse und drei Jobs. Einmal in der Woche arbeitet die Kunsthistorikerin im Minijob bei einem Auktionshaus und an drei weiteren Tagen in der IT-Abteilung eines Museums. Zusätzlich macht sie über die Volkshochschule Nachmittagsbetreuung für Grundschüler.

Fischeidl ist nicht die einzige Berufstätige, die mehr als einen Job hat. Ende 2016 zählte die Bundesagentur für Arbeit 3,2 Millionen Mehrfachbeschäftigte. Nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat sich ihre Anzahl seit 2003 mehr als verdoppelt. Die meisten kombinieren eine sozialversicherungspflichtige Hauptbeschäftigung mit einem Minijob bis 450 Euro. Andere haben zwei sozialversicherungspflichtige Jobs oder verdienen nebenbei als Selbstständige. Manche üben mehrere Minijobs aus.

„Minijobs gibt es meist bei Tätigkeiten, wo man Arbeitsspitzen hat“, sagt Wolfgang Buschfort, Pressesprecher der Minijob-Zentrale, die alle geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse registriert und verwaltet. So fällt in Gastronomie und Einzelhandel in der Hochsaison mehr Arbeit an. Laut IAB verdienen Mehrfachbeschäftigte im Hauptjob rund 570 Euro weniger als Menschen, die nur eine Stelle haben. Eine geringfügige Beschäftigung hat den Vorteil, dass sie als Zweitjob neben einer regulären Stelle steuer- und sozialversicherungsfrei ist. Auch von der Rentenversicherungspflicht können Minijobber sich befreien lassen – und bekommen trotz dieser Vergünstigungen Urlaub sowie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Bedingung dafür ist, dass der Zuverdienst die Grenze von 450 Euro nicht überschreitet – auch bei mehreren Minijobs. Zur Hauptbeschäftigung ist nur ein Minijob abgabenfrei.

Auch kurzfristige Beschäftigungen, die nicht länger als drei Monate oder 70 Arbeitstage dauern, sind für Arbeitnehmer sozialversicherungsfrei. Allerdings kann Lohnsteuer fällig werden, wenn sie nicht vom Arbeitgeber pauschal abgeführt wird. „Wenn die Haupttätigkeit mit der Steuerklasse I abgerechnet wird, fällt die zweite Beschäftigung automatisch in die Steuerklasse VI“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Zu viel gezahlte Lohnsteuer kann man sich über die Steuererklärung zurückholen. Ob man eine zweite Arbeit ausüben darf, hängt vom Arbeitgeber ab. In den meisten Arbeitsverträgen ist das nach Absprache erlaubt. Verbieten kann der Chef zum Beispiel einen Zweitjob bei der Konkurrenz oder Tätigkeiten, die auf Kosten der Leistung seiner Angestellten gehen.

Bei mehreren abhängigen Beschäftigungsverhältnissen dürfen nicht mehr als 48 Stunden pro Woche Arbeitszeit zusammenkommen „Ist man nebenher selbstständig beschäftigt, ist das Arbeitszeitgesetz kein Thema“, sagt Fachanwältin Nathalie Oberthür. Problematisch wird es nur, wenn sich die Arbeitszeit überschneidet. Fängt die Schicht an der Kinokasse an, wenn das Angebot an den Geschäftspartner noch nicht fertig ist, dann haben Arbeitnehmer kein Recht zu gehen. (dpa)