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Freitag, 07.04.2017

Mehr Werbung, weniger Artikel?

Ihre Zeitung vom vorletzten Wochenende war so voll Werbung, dass ich nachrechnen musste, was an Platz für interessante Beiträge verloren gegangen ist. Es waren 36,6 Prozent der Zeitungsfläche, die mich nicht interessierten, die ich aber bezahlt habe. Bitte überweisen Sie mir ein Drittel des Kaufpreises. Ihr treuer Leser Harry Wendler.

Sehr geehrter Herr Wendler,

vielen Dank für Ihre spannende Rechnung. Gestatten Sie bitte, dass ich auch eine aufmache. Fünfzig Prozent aller Einnahmen der SZ stammen aus den Abogebühren und den Einnahmen aus dem Einzelverkauf. Deshalb freuen wir uns über so treue Leser wie Sie, deshalb ist jeder SZ-Mitarbeiter froh über jedes neue Abo. Die anderen fünfzig Prozent der SZ-Einnahmen allerdings stammen aus der Werbung. Deshalb sind die Verantwortlichen des Verlages sehr zufrieden, wenn viele Kunden Anzeigen schalten. Klar, die SZ könnte auch eine Zeitung ohne Werbung herstellen. Dann allerdings würden Sie womöglich einen Brief bekommen, in dem sinngemäß stünde: Bitte überweisen Sie den doppelten Abopreis. Bei einer Summe von mehr als 50 Euro hätten wohl nicht mehr so viele Leser Spaß an ihrer Zeitung.

Aber gestatten Sie eine zweite Rechnung. Ja, in der Ausgabe vom 25./26. März waren viele Anzeigen. Lassen wir mal das Wochenend-Magazin beiseite, da ist das Text/Anzeigen-Verhältnis immer recht ähnlich. Ihre Dresdner Ausgabe der SZ hatte an jenem Sonnabend 36 Seiten, davon waren knapp 14 Seiten Anzeigen. Da bleiben also – wir sagen: netto – 22 Seiten redaktioneller Text. An normalen Wochentagen dagegen hat die SZ insgesamt 24 Seiten Umfang. Davon sind im Schnitt vier Seiten Werbung. Macht netto 20 Seiten redaktioneller Text. Sie hatten also in der Ausgabe vom 25./26. März zwei Zeitungsseiten mehr als in einer durchschnittlichen anderen Ausgabe. So gab es an jenem Tag eine zweite Sachsenseite und mehr Platz im Lokalteil.

Redaktion und Verlag haben ein System entwickelt, wie mehr Anzeigen zu mehr Umfang in der Zeitung führen. Damit sollen eben nicht interessante Artikel verloren gehen. Sicher, es gibt Grenzfälle, aber unter dem Strich kann man sagen: Anzeigen mögen nicht jedermanns Sache sein, aber durch Werbung geht Lesern kein Inhalt verloren.

Sie, sehr geehrter Herr Wendler, müssen übrigens keine Sorge haben. Die SZ schickt natürlich keine Rechnung für die beiden zusätzlichen Seiten. :-)

Ihr Olaf Kittel

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