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Donnerstag, 07.09.2017

Mehr Platz für Bautzens Orgelbauer

Die Instrumente der Firma Eule sind weltweit sehr gefragt. Jetzt hat das Traditionsunternehmen angebaut.

Von Sebastian Kositz

Geschäftsführer Dirk Eule schiebt schon einmal die ersten Windladen in die neue Werkstatt. Die Erweiterung des Familienbetriebs hat fast eine halbe Million Euro gekostet. Der Anbau war binnen eines halben Jahres hochgezogen worden.
Geschäftsführer Dirk Eule schiebt schon einmal die ersten Windladen in die neue Werkstatt. Die Erweiterung des Familienbetriebs hat fast eine halbe Million Euro gekostet. Der Anbau war binnen eines halben Jahres hochgezogen worden.

© Uwe Soeder

Bautzen. Freitag ist der große Tag. Im Dresdner Kulturpalast wird die neue Orgel eingeweiht, von der Krönung des viele Millionen Euro teuren Konzertsaals sprechen die Verantwortlichen stolz im Dresdner Rathaus. Die Konzertorgel stammt bekanntlich aus Bautzen, ein besonderes Instrument, konstruiert und gebaut bei der Traditionsfirma Eule. Und während sich die Dresdner an ihrer neuen Orgel erfreuen, wird bei Eule an der Wilthener Straße in diesen Tagen eifrig geräumt. Denn zeitgleich mit der Dresdner Orgel ist am Unternehmenssitz in Bautzen jetzt auch der neue Anbau fertig geworden.

Im März, als die Mitarbeiter bei Eule gerade noch arg beschäftigt mit der Dresdner Orgel waren, hatten auf dem Grundstück der 1872 gegründeten Firma die Arbeiten für den Anbau begonnen. Neben den bisherigen Gebäuden zogen Bauleute innerhalb von nur wenigen Monaten einen nach außen hin schlichten, aber eleganten Kubus hoch. Mit Holz verkleidet steht der Neubau etwas versteckt auf dem abschüssigen Firmengelände. Um 215 Quadratmeter konnte die Produktionsfläche erweitert werden, verteilt auf zwei Etagen mit direktem Übergang zu den bisherigen Räumlichkeiten.

Der Anbau war auch dringend nötig. In den Werkstätten drängten sich die 40 Mitarbeiter und die Maschinen dicht an dicht, war der Platz auch dank der vielen Aufträge denkbar knapp geworden. Nicht immer war es da noch möglich, effizient zu arbeiten. „Heute geht es straff zur Sache“, sagt Inhaberin Anne-Christin Eule. Deshalb haben sie und ihr Ehemann und zugleich Geschäftsführer, Dirk Eule, die Produktionsprozesse vor einem Jahr genau angeschaut und entschieden, zu erweitern.

Ein Anbau am Anbau

Einige Mitarbeiter, die bei den Planungen der Erweiterung mitreden durften, hätten sogar vorgeschlagen, gleich komplett anderswo neu zu bauen. Das, so sagt Anne-Christin Eule, sei dann aber doch nicht infrage gekommen. Einerseits, weil es deutlich teurer geworden wäre. Aber auch wegen der Tradition. „So eine Werkstatt hat Geschichte“, erklärt die Inhaberin. Den Standort an der Wilthener Straße habe man nicht aufgeben wollen. Schon in der Vergangenheit sei die Firma hier Schritt für Schritt gewachsen. Und genau genommen ist das neue Gebäudeteil auch nur ein Anbau an einem Anbau. Denn bereits 1994 hatte die langjährige und erst kürzlich verstorbene Inhaberin Ingeborg Eule die Werkstätten erweitern lassen.

In den neuen, lichtdurchfluteten Räumen werden künftig die Restauratoren und die Werkstätten für die Windladen untergebracht. Die Windladen, das sind große Holzkästen, die die Luft auf die einzelnen Pfeifen verteilt. Die Restaurierung von Orgeln erfolgte bisher in einem Nebengebäude nahe der Ausfahrt des Firmengeländes. Dort werden künftig die einzelnen Teile der Orgeln verpackt, bevor sie zu ihrem Bestimmungsort gebracht werden. Eine Arbeit, die bislang in einem Gebäudeteil am hinteren Ende des engen Firmengeländes erledigt wurde – was beim Verladen und Abtransport nicht gerade von Vorteil war.

Fast eine halbe Million Euro hat die Erweiterung der Werkstätten gekostet. Das Vorhaben wird vom Freistaat unterstützt, das Land will so den Erhalt des traditionellen Handwerks in der Region fördern. Neben dem Anbau wurde mit dem Geld auch ein Aufzug in die bisherigen Werkstätten finanziert. „Wir haben uns das mit der Erweiterung sehr genau überlegt und nachgerechnet, um kein wirtschaftliches Risiko einzugehen“, sagt Anne-Christin Eule. Die Auftragslage und die Perspektive seien aber sehr gut. Neben der Dresdner Orgel, die mit über 4 000 Pfeifen zu den größeren Aufträgen zählt, hatte Eule erst im vergangenen Jahr beispielsweise ein etwa ebenso großes Instrument nach China verschifft. Auch jetzt haben die Mitarbeiter viel zu tun – nicht nur wegen des Einräumens der neuen Werkstätten. So wird aktuell unter anderem an einer neuen Orgel für ein Gotteshaus in Graz gewerkelt. Und weitere Bestellungen liegen bereits vor – für die Königin der Instrumente, gefertigt in Bautzen.