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Freitag, 28.10.2016

Mehr Parkplätze für das Uniklinikum

Endlich kann der Bau des Parkhauses beginnen. Doch ob sich damit das Chaos im Viertel auflöst, bleibt offen.

Von Annechristin Bonß

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Parkchaos auf der Pfotenhauerstraße: Rund um das Uniklinikum sind Pkw-Stellplätze knapp. Das soll sich mit dem Neubau eines zweiten Parkhauses ändern.
Parkchaos auf der Pfotenhauerstraße: Rund um das Uniklinikum sind Pkw-Stellplätze knapp. Das soll sich mit dem Neubau eines zweiten Parkhauses ändern.

© Christian Juppe

Freie Parkplätze? Fehlanzeige! Schon kurz nach halb neun am Morgen suchen Patienten, Besucher und Mitarbeiter im Uniklinikum vergeblich nach einem Stellplatz. Dann wird gekurbelt und gewendet, der Hals verrenkt nach jeder noch so kleinen Lücke und notfalls die Warnblinkanlage bemüht – die fünf Minuten wird schon keine Politesse kommen. Was seit Jahren ein Problem auf dem Krankenhausgelände ist, soll nun endlich gelöst werden. Die Stadt hat jetzt die Pläne vorgelegt, wonach der Bau eines zweiten Parkhauses beginnen kann.

Zusätzlich zu dem Gebäude an der Fiedlerstraße, in dem es auf sechs Etagen 500 Stellplätze gibt, entsteht damit ein weiterer Mehrgeschosser. Dafür hat die Stadt das Grundstück mit der Bahnschleife an der Pfotenhauerstraße bestimmt. „Das ist die einzige Stelle, an der eine nennenswerte Anzahl an Stellplätzen im Umkreis der Uniklinik entstehen kann“, sagt Christoph Mann vom Stadtplanungsamt. Die Fläche gehört dem Land. Ein privater Bauherr sei bereits gefunden. Der hat die teils strengen Auflagen der Stadt akzeptiert.

Darin geht es vor allem um das Aussehen des Neubaus. Das Dach soll begrünt werden sowie eine Fotovoltaikanlage haben. Autos können dort nicht stehen. Auch drei der vier Seitenwände sollen begrünt sein. Nur die Front zur Straße hin orientiert sich baulich an den benachbarten Häusern. Das viele Grün soll den sonst wuchtig geplanten Komplex harmonisch in die Umgebung eingliedern. Zu der gehören die Gärten der benachbarten Sparte.

70 Meter lang ist das neue Parkhaus. Eine solch lange durchgehende Häuserfront gibt es im Stadtteil nicht. Üblich sind Gebäude mit 50 Metern Länge, mehr nicht, sagt der Stadtplaner. Nun macht die Stadt eine Ausnahme. Denn dies hätte sich bei den hohen Kosten für einen solchen Bau nicht gerechnet. Für ein Parkhaus müssen 10 000 Euro pro Stellplatz investiert werden. Hinzu kommen nicht unerhebliche Betriebskosten. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, muss jedoch eine Mindestanzahl an Parkplätzen vorhanden sein.

Im neuen Gebäude sollen 500 Stellflächen entstehen. Ursprünglich war die Rede von 700. 100 sind bereits vergeben. Weil am gegenüberliegenden Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik ein Neubau entsteht und auch dafür Parkplätze nachgewiesen werden müssen, hat das Land diese im neuen Parkhaus reservieren lassen. Somit bleibt Platz für 400 zusätzliche Fahrzeuge. Und die Frage, ob die tatsächlich ausreichen. Denn auch die 2014 zusätzlich gebauten 153 Parkplätze an der Johannstädter Zufahrt zur Waldschlößchenbrücke sind ständig voll.

Schon befürchten die Grünen im Ortsbeirat Altstadt, dass mit einem neuen Parkhaus auch automatisch mehr Menschen mit dem Auto zum Uniklinikum kommen werden. Obwohl es dorthin mit den Linien 62 und 64 auch eine gute Busverbindung gibt. Die auch gut genutzt wird. „Wir haben bei beiden Stationen einen spürbaren Anstieg der Fahrgäste“, sagt Falk Lösch, Sprecher der Verkehrsbetriebe. An der Haltestelle Universitätsklinikum gab es in den vergangenen Jahren einen Anstieg um 28 Prozent bei den Ein- und Ausstiegen.

Zudem plant die Stadt, in den Nebenstraßen das Anwohnerparken einzuführen. Zwar fehlen der Verwaltung immer noch genügend Mitarbeiter. Deshalb muss auch das gleiche Konzept für die Johannstadt rund um die Pfeifferhannsstraße seit zwei Jahren warten. Wann auch auf der Schubertstraße nur noch Anwohner mit entsprechendem Ausweis ihre Autos abstellen dürfen, bleibt offen.

Ähnliche Probleme mit dem Parken haben auch die anderen Krankenhäuser. Am Diakonissenkrankenhaus öffnet im Dezember ein Parkhaus mit 161 Stellplätzen. Dafür wird in der Holzhofgasse gebaut. Für die Friedrichstadt sieht die Stadtverwaltung keine Notwendigkeit für einen solchen Bau. Aber auch dort soll es künftig weniger Parkplätze in den Nebenstraßen und dafür ein Anwohnerparksystem geben.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. J.R.

    Warum denn bloß das Anwohnerparken ausweiten? Verkehrspolitisch ist das kompletter Schwachsinn. Lieber Bezahlparken für alle einführen! Wenn ich mir eine Schrankwand kaufe und dann merke, dass ich in meinem Wohnzimmer keinen Platz dafür habe, darf ich die ja auch nicht für private Zwecke in der Stadtbibliothek aufbauen. Wer sich ein Auto kauft, sollte sich auch eine Garage oder einen eigenen Stellplatz leisten können. Es spricht ja nichts gegen Parken am Straßenrand für ein paar Minuten oder Stunden. Aber wer im Schnitt über 20 Stunden am Tag sein Auto im öffentlichen Straßenraum abstellen will, sollte dafür nicht noch von der öffentlichen Hand durch extrem kostengünstig reservierte Parkplätze subventioniert werden (derzeit nur 7 bis 11 Cent pro Tag!). Wenn wir das Anwohnerparken Schritt für Schritt abschaffen, dann erreichen wir die von der Stadt gewünschte Verkehrsverlagerung schneller!

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