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Donnerstag, 05.11.2015

Massenhaft Flüchtlinge verschwunden

Von 321 Flüchtlingen sind nur noch knapp 90 im Objekt. Die große Zahl abgängiger Personen verwundert auch das DRK.

Von Cathrin Reichelt

Das Foto entstand zu Beginn dieser Woche. Ob sich diese Asylbewerber noch in der Erstaufnahme in Döbeln befinden, ist unklar. Denn mehr als zwei Drittel der Frauen, Männer und Kinder, die am Sonntag in Döbeln angekommen sind, haben die Stadt bereits wieder verlassen.
Das Foto entstand zu Beginn dieser Woche. Ob sich diese Asylbewerber noch in der Erstaufnahme in Döbeln befinden, ist unklar. Denn mehr als zwei Drittel der Frauen, Männer und Kinder, die am Sonntag in Döbeln angekommen sind, haben die Stadt bereits wieder verlassen.

© DA-Archiv/Dietmar Thomas

Döbeln. So schnell, wie sie gekommen waren, so schnell ist ein Großteil von ihnen wieder verschwunden. Von den 321 Flüchtlingen, die am Sonntagabend in die Erstaufnahmeeinrichtung an der Eichbergstraße in Döbeln eingezogen sind, befinden sich nur noch knapp 90 dort. Das bestätigt Kai Kranisch, Sprecher des Landesverbandes Sachsen des DRK. Das DRK Muldental betreibt die Einrichtung.

Die Frauen, Männer und Kinder haben Döbeln in den vergangenen Tagen relativ unbemerkt verlassen. Die Erstaufnahme befindet sich in der Nähe des Hauptbahnhofes, von dem auch Busse in verschiedene Richtungen fahren. Die Asylsuchenden sind ohne vorläufige Aufenthaltsgenehmigung unterwegs. Die bekommen sie erst nach einem eingehenden Gesundheits- check. Der ist bisher noch nicht erfolgt. Das liegt an der Vielzahl der nach Deutschland strömenden Flüchtlinge. Früher haben sie einen Tag in Chemnitz verbracht, wurden dort untersucht und bekamen den Ausweis. Jetzt werden sie sofort auf freie Einrichtungen in Sachsen verteilt. Dort erhalten sie einen Termin für die Untersuchung, zu der sie mit dem Bus gebracht werden. Doch solche Termine gab es noch nicht. Die Flüchtlinge wurden lediglich in der Erstaufnahme in Döbeln registriert.

Auf dem Weg zu Verwandten

Dass Flüchtlinge die Aufnahmeeinrichtungen eigenständig verlassen, sei nicht untypisch, so Kranisch. Die große Zahl sei aber auch für ihn erstaunlich. In den meisten Fällen machen sich die Flüchtlinge auf den Weg zu Verwandten oder Bekannten in anderen Städten. Manchmal würden sie dabei von der Polizei aufgegriffen und wieder in Einrichtungen des DRK gebracht. Manchmal würden sich die Asylbewerber auch selbst wieder in Aufnahmeeinrichtungen melden, wenn sie ihre Angehörigen gefunden haben.

Das DRK gibt ihnen eine Karenzzeit von drei bis fünf Tagen. Erst wenn sie sich so lange nicht in der Erstaufnahme gemeldet haben, gelten sie als „abgängig“. Dann werden die freien Plätze in Döbeln offiziell gemeldet und können wieder neu belegt werden. Ursprünglich war die Einrichtung an der Eichbergstraße für 400 Flüchtlinge ausgelegt gewesen. Aus Gründen des Brandschutzes wurde die Zahl aber auf reichlich 300 reduziert.

Unter den am Sonntag Angekommenen waren auch 48 Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren. Zwei von ihnen benötigen eine Bluttransfusion. Den Grund dafür nennt der DRK-Sprecher nicht. Aber er erklärt, dass es für solche Fälle eine Kooperation mit der Helios-Klinik in Leisnig gibt. Es sei ein Fahrdienst eingerichtet worden, so dass die Kinder die Transfusion dort ambulant erhalten können. Andere Erkrankungen sind bisher nicht bekannt. Auch in die Notaufnahme des Döbelner Krankenhauses kommen immer wieder Asylbewerber. Aber deren Zahl habe seit der Eröffnung der Erstaufnahme nicht zugenommen, heißt es aus der Klinik. Für kleinere medizinische Behandlungen gibt es in der Erstaufnahme einen medizinischen Stützpunkt, der von Pflegepersonal betreut wird.

DRK sucht Mitarbeiter

Trotz der derzeit geringeren Zahl an Asylbewerbern in der Erstaufnahme ist das DRK weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern in den Bereichen Logistik und Registrierung sowie der sozialen Betreuung. Gebraucht werden auch Krankenschwestern, Altenpfleger und Rettungssanitäter, Teamleiter für das Management der Einrichtung, Mitarbeiter für die Öffentlichkeitsarbeit und Dolmetscher.

Unterdessen zeigen sich die Menschen in der Region sehr spendenfreudig. Die Regale im Spendenlager, das die Initiative „Willkommen in Döbeln“ eingerichtet hat, sind mit Kleidungsstücken, Schuhen, Spielzeug und Kosmetik gut gefüllt. Zuletzt hatte die Initiative um die Ausstattung für Babys und Kleinkinder gebeten. Wie viele sich davon jetzt noch in der Erstaufnahme befinden, ist unklar.