erweiterte Suche
Donnerstag, 25.02.2016

Marina Garden ohne Töberich – geht das?

Die Stadt hat den Dresdnern am Mittwoch erklärt, wie es in der Leipziger Vorstadt weitergeht. Die Zeit könnte helfen.

Von Sandro Rahrisch

28

So stellt sich die Stadtverwaltung das Wohngebiet zwischen Elberadweg und Leipziger Straße vor. Fest steht allerdings noch gar nichts.
So stellt sich die Stadtverwaltung das Wohngebiet zwischen Elberadweg und Leipziger Straße vor. Fest steht allerdings noch gar nichts.

© Visualisierung: Barcode/Lola Landscape

Im Publikum sitzt Architektin Regine Töberich nicht, als die Stadt am Mittwochabend den neuen Entwurf für das Areal zwischen Elberadweg und Leipziger Straße zeigt. Dabei geht es gerade um ihr Grundstück, auf dem sich das Planungsamt geschwungene Häuser mit Wohnungen, Büros und Ateliers vorstellt. Lange dauert es allerdings nicht, bis der Name der Investorin erstmals fällt.

„Wie hoch stehen denn die Chancen, dass der Plan ohne sie überhaupt umgesetzt wird“, will ein Dresdner wissen. „Kann man sie enteignen“, fragt ein anderer. Die Fragen zielen darauf ab, dass sich Töberich geweigert hat, am neuen Bebauungsplan mitzuwirken, nachdem ihr eigenes Wohnprojekt „Marina Garden“ im vergangenen Jahr vom Stadtrat gekippt wurde. Ihre Abneigung gegen den neuen Entwurf hatte sie bereits auf Facebook kundgetan. „Wir arbeiten an einem Angebotsbebauungsplan, da besteht immer die Gefahr, dass er nicht umgesetzt wird“, erklärt Stadtplaner Jürgen Schwartzmann und schiebt hinterher, dass es für Töberich wirtschaftlich unvernünftig wäre, das Grundstück brach liegen zu lassen. Zwar ermögliche der neue Entwurf, dass Teile des „Elbviertels“, wie es die Stadt nun nennt, auch um Töberichs Grundstück herum gestaltet werden können. Da der Architektin aber ein Großteil gehört, bliebe nicht viel mehr als eine Grünfläche, ein Gebäuderiegel und die denkmalgeschützte Grumbt‘sche Villa übrig. Und nein, eine Enteignung ist nicht möglich, so Schwartzmann. Natürlich hätte Töberich noch die Möglichkeit, ihr Grundstück zu verkaufen. An einen anderen Investor, dem der Plan der Stadt zusagt, zwischen 52 und 136 Wohnungen, Büros, eine Kita und Ateliers für die Kreativwirtschaft zu bauen.

Der Flutschutz für die geplanten Wohnhäuser wirft auf der Bürgerversammlung ebenfalls Fragen auf. Vor allem daran hatte sich der Streit zwischen Töberich und der Stadt im vergangenen Jahr entzündet. Die Architektin wollte ihre Wohnungen individuell vor Hochwasser sichern und lehnte einen übergreifenden Gebietsschutz für die Leipziger Vorstadt ab. „Es handelt sich um ein Überschwemmungsgebiet“, sagt Stadtplanerin Anja Heckmann. Deshalb soll zwischen dem Elberadweg und den Gebäuden eine etwa 80 Meter breite, terrassenförmige Freizeit-Grünfläche angelegt werden, zum Beispiel für Tennisplätze. Diese kann im Falle eines Hochwassers überschwemmt werden. Daran schließt sich ein Bereich für Hochwasserschutzanlagen an. Heckmann spricht von einer ein Meter hohen Mauer, die bis zur Marienbrücke reichen soll. Da sich die Wohnungen dahinter aber bereits auf einer höheren Fläche befinden, soll die Mauer kaum ins Auge fallen. Als Beispiel nennen die Stadtplaner die Schutzmauern am Kongresszentrum. Ob die Elbe 2013 nun so hoch am Neustädter Hafen stand wie zum Hochwasser 2002, oder höher, will der Landtagsabgeordnete Patrick Schreiber (CDU) wissen. Die Stadtplaner können ihm vorerst keine Antwort geben. Sie versichern allerdings, dass für den Hochwasserschutz ebenso wie für den Arten- und Lärmschutz in Kürze Gutachten in Auftrag gegeben werden.

Auch die Frage nach den Mietpreisen taucht immer wieder auf. „Werden die Wohnungen sozial gebunden sein“, fragt eine Dresdnerin. Ein Mann merkt an, dass die Wohnungsnot im unteren Mietpreisbereich schon jetzt groß ist. Aber diese Details stehen noch nicht fest, vertröstest Schwartzmann. Der Stadtrat habe dazu keine Vorgaben gemacht, als der neue Bebauungsplan entworfen werden sollte.

Für das „Elbviertel“ sind zunächst drei Architekturbüros engagiert worden, Ideen zu präsentieren. 15 000 Euro hat die Stadt dafür bezahlt. Die Gutachter, die sich schließlich für den nun vorgestellten Entwurf entschieden haben, kosteten zusätzlich. Ein Schnäppchen, so der Stadtplaner. Bis zum Freitag nächster Woche können die Dresdner noch ihre Einwände und Verbesserungsvorschläge für den neuen Entwurf vortragen, im Rathaus sowie in den Ortsämtern Neustadt und Pieschen. Im Anschluss werden die Gutachten für das „Elbviertel“ eingeholt. Möglicherweise muss dann noch an dem Entwurf gefeilt werden. Nach der Vorstellung im Bauausschuss haben die Dresdner noch einmal die Chance, alles einzusehen. Erst danach entscheidet der Stadtrat über den Bebauungsplan. Bis es soweit ist, dürften mindestens eineinhalb Jahre vergehen, schätzt Schwartzmann. Möglicherweise ist bis dahin auch der Streit mit Regine Töberich geklärt. Am 23. März sehen sich die Investorin und die Stadt aber erst einmal vor Gericht wieder. Töberich klagt auf Schadenersatz und fordert drei Millionen Euro.

Leser-Kommentare

Seite 1 von 6

Insgesamt 28 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. zz

    Und wieder werden tausende Euro Steuergeld für Sandkastenspiele von GRÜN-Rot-Dunkelrot verbraten für ein Projekt, dass ohne die Eigentümer des Grundstücks nie realisiert wird. Und für angefangene Projekte reicht das Geld nicht. Regine, lass Dich nicht unterkriegen! Bald sind Neuwahlen.

  2. paul lange

    Laut der hohen Qualität der Stahl-Glas Konstruktionen werden die Mieten vermutlich genauso hoch sein, wie beim Töberich -Entwurf. Das auch im Kulturkraftwerk aufgrund der hohen Mieten keine normalen Kulturschaffenden einziehen werden, läßt vermuten dass letztendlich die Stadt ein zahlloser Tiger sein wird.

  3. zugezogener

    @zz: Für eine sachliche Diskussion wären stichhaltige Argumente wünschenswert. Ich finde, Ihre Aussagen entsprechen Denk- und Argumentationsmustern des letzten Jahrtausends. So kommen wir auf Dauer nicht weiter.

  4. Au Backe

    zz hat Recht. Da werden wieder (vielleicht "befreundete"?) A-Büros usw. mit sinnlosen Plänen und Gutachten beauftragt, um dann zu dem Ergebnis zu kommen, alles gar nicht schlecht, aber wegen der Eigentumsverhältnisse nicht umsetzbar. Abgesehen davon, wie und warum sollen Mieten im "Elbviertel", also in einem bevorzugten Wohngebiet (Hochwasserschutz vorausgesetzt) sozial verträglich sein. Abgesehen davon ist billig bauen schon aufgrund der Umwelt- und anderen Auflagen kaum mehr möglich. Und wie fragte einer der anwesenden Bürger: "Kann man da nicht enteignen?" Super Idee, zurück zu den Wurzeln. Dann könnte man ja die die Mini DDR wieder entstehen lassen. Drum herum eine Mauer (natürlich nur wegen dem Hochwasser) und in die Mitte die Auferstehung des Palastes der Republik. Die Lampen sollen ja noch irgendwo in Berlin rumliegen.

  5. Roland

    @zz: ....Neuwahlen?! Hab ich was verpasst?

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 6

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein