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Freitag, 24.03.2017

Mandaukaserne vorerst gerettet

Von dem Baudenkmal in Zittau geht keine Gefahr mehr aus. Der neue Eigentümer gibt sich jetzt zu erkennen.

Von Mario Heinke

Der Fußweg entlang der Mandaukaserne ist wieder freigegeben.
Der Fußweg entlang der Mandaukaserne ist wieder freigegeben.

© Rafael Sampedro

In Absprache mit der Bauaufsicht ist der Bauzaun vor der Mandaukaserne, der bis zur Fahrbahn reichte, jetzt zurückgesetzt worden. Der Fußweg vor dem Gebäude kann wieder benutzt werden. „Gefahr durch herabfallende Teile besteht nicht mehr“, erklärte Stadtsprecher Kai Grebasch gegenüber der SZ. Der Eigentümer hat alle Auflagen der Stadt zur Notsicherung des Gebäudes erfüllt. Im vergangenen Jahr war die mit dem Bauzaun abgesperrte Fläche aus Sicherheitsgründen weiträumig ausgedehnt worden.

„Ab sofort dient der Zaun nur noch als Grundstückseinfriedung“, sagt Thomas Göttsberger vom Stadtforum Zittau. Er berichtet auch, dass der Bauzaun Jugendliche nicht davon abhalte, das Grundstück unberechtigt zu betreten, Türen aufzubrechen und sich im Innern aufzuhalten. Er selbst habe kürzlich während einer Begehung eine Gruppe Jugendlicher erwischt, die durch das Haus zogen.

Der Ostritzer Stadtrat wird nach SZ-Informationen am Sonnabend öffentlich bekannt geben, dass er seit November der neue Eigentümer der Mandaukaserne ist. Bisher machte Thomas Göttsberger ein Geheimnis daraus, wer die marode Immobilie von den Erben des verstorbenen früheren Besitzers gekauft hat. Bekannt war hingegen, dass hinter ihm eine Gruppe ehrenamtlicher Helfer steht, die seit Monaten das Denkmal vor dem Verfall retten und den Südturm auf Vordermann gebracht haben. Der zweite Bauabschnitt zur Notsicherung der Nordseite ist nun abgeschlossen, so Göttsberger. Das Dach an der Nordseite und eine einsturzgefährdete Außenmauer sind ausgebessert. 111 000 Euro hat die Notsicherung gekostet, rund 82 000 Euro davon waren Fördermittel, der Eigenanteil des Bauherrn betrug 30 000 Euro.

Dass man in Berlin über die Mandaukaserne Bescheid weiß, daran hat wohl auch Renate Weber einen bescheidenen Anteil. Die Rentnerin schrieb im Februar schon zum zweiten Mal an Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ich bin so alt, mir kann keiner mehr was“, kommentiert sie den Briefwechsel mit dem Staatsoberhaupt. In ihrem Brief berichtet sie der Kanzlerin in eindringlichen Worten von ihrer „grenzenlosen Sorge“ um die Heimatstadt. „Die Stadt überstand nahezu unzerstört den zweiten Weltkrieg und wurde seitdem so vernachlässigt, dass es kaum noch originale Straßenzüge gibt“, schrieb Frau Weber, die sich in der Bürgerinitiative „Bessere Mitte“ und dem Stadtforum Zittau engagiert. „Die Stadt ähnelt heute, ohne Aussicht auf Veränderung, einem unsanierten Gebiss“, so die Rentnerin voller Verbitterung. Sie könne sich nicht damit abfinden, dass man das Kulturgut dem Verfall preisgäbe und dafür kein Geld da sei. Scharf kritisiert die Zittauerin in dem Brief auch die Sanierung von Plattenbauten außerhalb des Stadtkerns, wofür Millionen ausgegeben würden. „Ich bitte Sie, diese Kulturstadt zu retten, die deutschlandweit einmalig ist“, so der Appell der alten Dame, die in der Weihnachtszeit die Aktion „Stricken und Häkeln für die Mandaukaserne“ ins Leben gerufen und rund 500 Euro erwirtschaftet hatte.

Vor einigen Tagen erhielt Renate Weber überraschend Post von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Der Verfasser Karl-Ludwig Backsmann erklärt darin, gebeten worden zu sein, den Brief an die Kanzlerin zu beantworten. Backsmann würdigt in seinen Zeilen die Bedeutung der Zittauer Altstadt und weist darauf hin, dass seit 1991 insgesamt 31,8 Millionen Euro Bundesfinanzhilfen für Maßnahmen in der historischen Altstadt geflossen sind, mit denen beispielsweise Salzhaus und Theater saniert werden konnten. Der Bund habe die Mandaukaserne im Februar in die Förderung „Nationale Projekte des Städtebaus 2017“ aufgenommen und eine Förderzusage von vier Millionen Euro erteilt, so der Verfasser.

Das vom Bund in Aussicht gestellte Geld ist an einen von der Stadt eingereichten Projektentwurf gebunden. Inwieweit das geplante „Mandau-Forum“ mit den Plänen des Eigentümers in Übereinstimmung gebracht werden kann, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Kommen Stadt, Eigentümer und Investor nicht zu einer Einigung, läuft das Förderprogramm aus und die Fördermillionen wären ein für alle Mal weg. Das Schicksal des monumentalen Bauwerks stünde dann wieder in den Sternen.