erweiterte Suche
Freitag, 15.09.2017

„Man kann nichts falsch machen“

Zu wenige helfen im Ernstfall mit einer Wiederbelebung. Das Freitaler Klinikum will das mit einer besonderen Aktion ändern.

Von Tobias Winzer

Schwester Kerstin Schmitz und Pflegedirektor Jens Stoppok zeigen an einer Puppe, wie die Wiederbelebung funktioniert.
Schwester Kerstin Schmitz und Pflegedirektor Jens Stoppok zeigen an einer Puppe, wie die Wiederbelebung funktioniert.

© Andreas Weihs

Freital. Für diesen Satz muss Jens Stoppok nicht lange überlegen. „Man kann nichts falsch machen – außer man tut nichts“, sagt der Pflegedirektor des Freitaler Klinikums. Jeder könne Menschen, die einen Herzstillstand erlitten haben, mit Wiederbelebungsmaßnahmen helfen und vor dem Tod bewahren. Das ist seine zentrale Botschaft. Zusammen mit Fachkrankenpfleger Thomas Kischkel will er Interessierte am 20. September über das richtige Verhalten im Notfall aufklären. „Wir wollen den Leuten, ohne den Druck eines Kurses, das Thema Wiederbelebung nahebringen.“

Denn, dass das Thema ein wichtiges ist, bekommt Stoppok bei seiner Arbeit jeden Tag zu spüren. Durchschnittlich ein- bis zweimal pro Woche müssen Patienten im Krankenhaus wiederbelebt werden. In den meisten Fällen sind das Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um schnell helfen zu können, werden ausnahmslos alle Mitarbeiter des Klinikums – von der Verwaltungskraft bis zum Chefarzt – regelmäßig in Sachen Reanimation geschult. Viel wichtiger ist aber, dass auch Menschen, die beruflich nichts mit einem Krankenhaus zu tun haben, die Grundregeln der Wiederbelebung beherrschen.

„Zwei Drittel aller Herzstillstände passieren außerhalb eines Krankenhauses“, sagt Stoppok. Deutschlandweit werden insgesamt 200 solche Fälle gezählt – pro Tag. Das Problem ist jedoch, dass die meisten nicht wissen, wie sie einen Menschen wiederbeleben. Die Erste-Hilfe-Kurse für den Führerschein liegen bei vielen schon lange zurück. Reanimationskurse, die viele Hilfsorganisationen anbieten, werden nur von wenigen freiwillig belegt. „Die Angst, etwas falsch zu machen, wird größer je länger der Lehrgang zurückliegt“, sagt Stoppok. Dabei seien die Regeln einfach.

Erstens müsse man prüfen, ob der Hilfsbedürftige noch bei Bewusstsein sei und noch atme. Zweitens müsse der Rettungsdienst gerufen werden. Und drittens beginne man mit der Herz-Druck-Massage, bis der Rettungsdienst komme. „Mehr ist es nicht“, sagt Stoppok. Die Ängste, bei der Herz-Druck-Massage etwas kaputt zu machen und beispielsweise Rippen zu brechen, hält er für unbegründet. „Die Verletzungen, die dadurch entstehen, sind relativ gut behandelbar.“

Stoppok beobachtet in letzter Zeit einen erfreulichen Trend. Im Vergleich zu früher seien mehr Patienten mit Herzstillstand, die ins Klinikum kommen, zuvor von medizinischen Laien reanimiert worden. Der Pflegedirektor vermutet, dass das damit zusammenhängt, dass seit einigen Jahren laut offizieller Lehrmeinung bei der Reanimation alleinig die Herzdruckmassage angewendet wird. Vielleicht hat die zusätzliche Mund-zu-Mund-Beatmung früher viele Leute abgeschreckt. Fest steht: Patienten, die bei Herzstillstand sofort reanimiert worden sind, haben deutlich bessere Überlebenschancen.

Bei der Veranstaltung am 20. September, die im Rahmen der bundesweiten Woche der Wiederbelebung stattfindet, wird es zunächst einen kurzen einführenden Vortrag geben. Anschließend können die Teilnehmer praktisch an Reanimationspuppen üben. Die Veranstaltung ist kostenlos und beginnt 17 Uhr.