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Samstag, 16.01.2016 Kommentar

Mailand ist für Meissen riskant

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SZ-Redakteur Georg Moeritz
SZ-Redakteur Georg Moeritz

© Robert Michael

Diesen Vorzeige-Betrieb soll es auch in hundert Jahren noch geben – so hat sich Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) mal über die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen geäußert. Das ist fast eine Garantie, jedenfalls eine Beruhigung für die 650 Angestellten. Doch vor fünf Jahren wurden rund 200 Stellen gestrichen. Und vor zwei Jahren drohte dem Staatsbetrieb ernsthafte Gefahr, so stellt es jedenfalls nun der neue Geschäftsführer Tillmann Blaschke dar.

Laut Blaschke hat die Meissen-Tochterfirma in Mailand gefährliche Geschäfte getrieben. Eigentlich sollten aus der Mode-Metropole elegante Kleider, Schmuck und Möbel kommen und das Geschäft mit dem Porzellan erweitern. Doch dann entsprachen die Produkte „nicht immer den Marktanforderungen“. Manche Möbel mussten zweimal hergestellt werden, weil ihre Mängel den Ruf der Marke Meissen beschädigt hätten. Die Folge: ein Verlust von rund 19 Millionen Euro in nur einem Jahr, die Hälfte des Umsatzes.

Nun könnte es sein, dass Blaschke als neuer Chef die Verluste drastisch darstellt, um sie seinem Vorgänger anzulasten und später mit Fortschritten zu glänzen. Das wäre eine übliche Methode nach Chef-Wechseln. Aber leider deuten die Zahlen darauf hin, dass die Mailand-Mode eine Last statt eine Stütze bleibt. Der Umsatz von Meissen ist insgesamt kleiner geworden, nicht größer. Das Nicht-Porzellan trägt nur 13 Prozent bei. Der Versuch, mit vielen Luxusprodukten gleichzeitig Erfolg zu haben, bleibt hoch riskant.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. kritikNochZuZahm

    Die Einschätzung von Herrn Moeritz teile ich in weiten Teilen, aber der entscheidende Punkt wurde nicht genannt! Das Meißner Porzellansortiment wurde ganz schlecht geführt- grottenschlecht, zum kotzen schlecht. Es gibt ja gut funktionierende Porzellan Hersteller in Deutschland z.B. Villeroy und Boch. Meißens Fehler ist diese Produktphilosophie und jene einiger anderer Konkurrenten zu kopieren. Das heißt aber Massenware. Auch das Kopieren von Stilen ist grottenschlecht für das Renommee einer Marke mit Hochkulturanspruch ,Innovationsgeist und Handwerk in Vollendung. Da kann man kein Mitropa-Geschirr anbieten oder Geschirr, was sich von Importen nur noch durch den Preis abhebt! Alles was an Moderne in das Sortiment aufgenommen worden ist, wurde von anderen abgekupfert oder entworfen! Es trägt keine eigene Handschrift und ist nicht stilgründend! Damit ist es keine Hochklasse mehr, sondern Replikat. Orginalität! Vollendung! Unnachahmbar sein! Identitätsstiftend sein! Hohe Preise! Marge!

  2. Alter Porzelliner

    @1) In einem Punkt haben Sie recht, es gibt in Deutschland gut gehende Porzellanunternehmen, die ihren Umsatz in den letzten Jahren sogar steigern konnten, alleine(!) mit ihrem Kerngeschäft. Dann muss ich Sie aber leider korrigieren. Meissen war immer wegweisend in Sachen Porzellandesign, Form und Dekor. Deshalb wurde durch andere Hersteller immer versucht, Meissen zu kopieren. Am bekanntesten ist wohl dabei das Zwiebelmuster, welches von Meissen seit den 1730/1740er Jahren gemalt wird. Es soll heute noch Leute geben, die dieses Dekor Hutschenreuther zuschreiben, die als Firma allerdings erst 1822 gegründet wurden. Der Niedergang von Meissen begann mit der Übernahme des Unternehmens durch Kurtzke, der mit einer seiner ersten Entscheidungen die gesamte Kreativabteilung feuerte und sich selbst zum Kreativdirektor ernannte.

  3. Alter Porzelliner

    Teil 2) Kurtzke verzichtete auf Mitarbeiter, die den Job von der Pike auf gelernt, studiert und dreißig und mehr Jahre Berufserfahrung vorzuweisen hatten. (Nebenbei bemerkt arbeiten diese Künstler heute, nach ihrem Zusammenschluss zur Künstlergruppe „Weißer Elefant“, unter internationaler Beachtung freischaffend in Meißen). Das von Ihnen angesprochene „Mitropa-Geschirr“ ist eine „Entwicklung“ des Kreativdirektors höchst selbst. Eine weitere, von ihm mit großem Pomp auf den Markt gebrachte „Entwicklung“ ist das Sushi-Geschirr. Porzelliner wissen, diesen Gegenstand gibt es schon seit Urzeiten in der Manufaktur, nur war dieser bis zu Kurtzkes Umerfindung ganz bescheidenen eine Stiftschale, zugehörig zu einer Meissner Schreibtischgarnitur. Wie er in einem Interview einmal sagte, hätte er die besten Ideen im Flieger, wo er sie dann auch sogleich auf SERVIETTEN festhalten könne.

  4. Alter Porzelliner

    Teil 3) Einen weiteren Einwand habe ich gegen eine Verallgemeinerung von Meissen. Wie ich bereits in einem anderen Kommentar bemerkte, bedeutet das immer Kritik an allen MITARBEITERN des Unternehmens. Die Verantwortung für die Negativentwicklung der Manufaktur tragen jedoch alleine zwei, drei Personen, die mit ihren mangelnden Fähigkeiten und Voraussetzungen und einem autoritären Führungsstil die Richtung des Unternehmens vorgaben. In erster Linie natürlich der von Biedenkopf auf diesen Posten gehobene Selbstdarsteller und Blender Kurtzke. Seine Grundregel: Wer widerspricht, fliegt! Und noch ein ganz kleiner Hinweis zum Schluss: Die Stadt Meißen wird wohl mit „ß“ geschrieben, im Gegensatz dazu schreibt sich die Porzellan-Manufaktur Meissen mit „ss“.

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