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Montag, 19.10.2015

Magische Momente

Nur mit Licht und Sand erzählt Anne Löper zauberhafte Geschichten. Ihre Kunst führt die Bautzenerin sogar nach Indien.

Von Frances Scholz

Innerhalb weniger Minuten entsteht ein vollständiges Gesicht aus Sand. Anne Löper erzählt mit Sand Geschichten. Sie stammt aus Oehna und ist eine von fünf Sandkünstlern in Deutschland. Ihr neuestes Projekt führt sie nach Dresden.
Innerhalb weniger Minuten entsteht ein vollständiges Gesicht aus Sand. Anne Löper erzählt mit Sand Geschichten. Sie stammt aus Oehna und ist eine von fünf Sandkünstlern in Deutschland. Ihr neuestes Projekt führt sie nach Dresden.

© Oliver Reetz

Bautzen. Ein Häufchen Sand, eine Glasplatte mit einer Lampe darunter und ihre Hände – mehr braucht Anne Löper nicht, um aus Sand Kunst zu machen. Die 35-Jährige ist eine von fünf Sandkünstlern in Deutschland. Und äußerst gefragt. So wurde sie für vier Monate von der Stadt Hamburg gebucht, um jeden Abend die Geschichte der Hafenstadt über den Sand zu erzählen. „Meine Hände malen aus Sand auf einem Lichttisch Bilder, die direkt auf eine Leinwand übertragen werden. So können die Zuschauer alles gut sehen“, erklärt die Oehnaerin, die heute mit ihrem Mann in der Nähe von Göttingen wohnt.

Auf den Sand gekommen, ist Anne Löper vor sechs Jahren durch Zufall. „Ich habe in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert und suchte gerade nach einem Thema für mein Diplom. Ein Freund zeigte mir irgendwann ein Video von einer russischen Sandkünstlerin, das hat mich so fasziniert“, erinnert sie sich. Anne Löper fährt sofort zu ihren Eltern nach Oehna. Dort probiert sie, ob sie auch Bilder aus Sand malen kann. „Ich habe mir zwei Holzböcke geschnappt und eine Glasplatte darauf gelegt, einen Baustrahler habe ich darunter gestellt.“ Ihr erster Versuch klappt, Anne Löper zeichnet ein Gesicht einer Asiatin. „Ich habe sofort gemerkt, dass mir das liegt“, sagt die Künstlerin.

Ein Sandkasten zum 30. Geburtstag

Als sie ihrem Professor vorschlägt ihre Diplomarbeit mit Sandkunst zu machen, hält der das für Kitsch und keine Kunst. Doch Anne Löper überzeugt ihn und besteht mit Bestnote. In diesem Moment überzeugt sie auch ihre Eltern, die mit in der Diplomvorführung sitzen. „Meine Eltern sind selbst keine Künstler. Und sicher hatten sie vielleicht irgendwann auch mal den Gedanken, dass Kunst brotlos ist, aber als sie mein erstes Stück sahen, waren sie sofort begeistert.“ Ihr Vater baut ihr einen eigenen Lichttisch. So kann Anne Löper an neuen Stücken arbeiten. „Zum 30. Geburtstag habe ich dann noch einen Sandkasten geschenkt bekommen“, erinnert sich die Künstlerin und muss lachen.

Für ihre Kunst verwendet sie aber nicht irgendeinen Sand, sondern Sand aus der Wüste Gobi. „Der ist sehr fein und den braucht man, um die Schattierungen zu bekommen“, erklärt sie. Bei ihren Auftritten unterstützt sie auch ihr Mann. „Er ist Musiker und spielt manchmal, wenn ich male.“ Generell verbindet Anne Löper ihre Kunst mit Musik. „Ich nehme Geräusche auf, wie den Hafendampfer in Hamburg und überlege, welche Musik zu den Geschichten passt.“ Dann übt sie monatelang. „Sandbilder und Musik müssen aufeinander abgestimmt werden“, erklärt sie.

Dass sie heute von ihrer Kunst leben kann, hätte sie anfangs nicht gedacht. Vor allem bei den Mitarbeitern der Arbeitsagentur musste Anne Löper ganze Überzeugungsarbeit leisten. „Auf dem Arbeitsamt haben sie nicht an mich geglaubt, weil auch noch niemand vorher diesen Weg gegangen ist. Sie haben zu mir gesagt, Frau Löper sie können doch nicht auf Sand bauen.“ Doch die Künstlerin gibt ihren Traum nicht auf. Sie nimmt an einem Existenzgründerseminar teil. Baut ihre eigene Website, gestaltet und druckt Flyer. „Ab dem Tag, an dem die Website online war, klingelte bei mir das Telefon.“ Auftritte in ganz Deutschland, Italien, Holland und sogar auf der Zugspitze folgen. Für jeden arbeitet sie eine individuelle Geschichte aus. „Ein Arzt hat mich mal angefragt, ich sollte eine Geschichte über Frühgeburten machen. Ich wusste nichts darüber, aber bei der Arbeit an der Geschichte, lerne ich selbst immer wieder Neues kennen.“

Neues Projekt in Dresden

Ihr neustes Projekt führt Anne Löper in Dresden auf. Sie zeichnet die Geschichte der Stadt. Seit vier Monaten übt sie dafür. 14 verschiedene Bilder zeigt sie. Von der Barockzeit über den Krieg, die DDR-Zeit oder das Hochwasser. „Ich habe zu Dresden einen starken Bezug. Mein Bruder und meine Eltern wohnen mittlerweile dort.“

Anne Löper liebt, was sie tut. Und das merkt auch das Publikum. „Die Zuschauer sind immer gerührt bei meinen Auftritten. Manche haben sogar Tränen in den Augen.“ Die Künstlerin weiß, woran das liegt. „Man kann zusehen, wie ein Bild entsteht, also den ganzen Prozess und nicht nur das fertige Bild. Und die Zuschauer sind auch dabei, wenn das Bild wieder kaputt geht und etwas Neues entsteht. So ist es in gewisser Weise ja auch im echten Leben.“

Nur einmal im Jahr trennt sich Anne Löper von der Sandkunst. Dann fährt sie mit ihrem Mann für vier Wochen nach Indien. Dort hat sie auch schon mal Tipps von Inderinnen bekommen. „Sie malen jeden Tag in den Sand vor ihrer Tür Zeichen, die böse Geister fern halten sollen.“ Nun gibt es sogar eine Anfrage aus dem Land. Anne Löper soll in Mumbai auftreten. Erst mal ist aber Dresden an der Reihe. „Die Mitarbeiter vom Arbeitsamt sind auch eingeladen.“

Anne Löper zeigt fünf Aufführungen „Dresdener Momente in Sand“ im Coselpalais, Premiere am 30. Oktober, weitere Infos unter: www.gesandet.de