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Freitag, 20.01.2017

„Männer erziehen nicht besser, aber anders“

Eine Dresdner Hochschule hat Männer und Frauen in Kitas beobachtet. Sie liefert ein überraschendes Ergebnis.

Von Carina Brestrich

Tim Rohrmann ist Psychologe und Professor für Bildung und Entwicklung im Kindesalter an der Evangelischen Hochschule Dresden.
Tim Rohrmann ist Psychologe und Professor für Bildung und Entwicklung im Kindesalter an der Evangelischen Hochschule Dresden.

© privat

Männer und Frauen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Aber auch bei der Kinder-Erziehung? Die SZ sprach mit Tim Rohrmann. Er ist Professor für Bildung und Entwicklung im Kindesalter an der Evangelischen Hochschule in Dresden. Die hat in einer Studie die Erziehungspraxis von Männern und Freuen in Kitas untersucht.

Herr Rohrmann, was machen Männer bei der Erziehung besser als Frauen?

Männer erziehen nicht besser als Frauen, aber manchmal anders. Die Dresdner Tandem-Studie hat gezeigt, dass sich weibliche und männliche Fachkräfte in Kitas in ihrem pädagogischen Handeln weit weniger unterscheiden als zuweilen angenommen. Andererseits bringen Männer oft andere Lebenserfahrungen mit und können damit die pädagogische Arbeit mit Kindern und die Zusammenarbeit im Team bereichern.

Welchen Einfluss haben Männer auf die Erziehung? Wie wichtig sind sie?

Väter können sich genauso um Kinder kümmern wie Mütter, und wenn sie das tun, sind sie für Kinder auch wichtig. In der Kita können Kinder mit Männern erleben, dass sich Frauen und Männer manchmal unterscheiden, oft aber auch nicht. Sie bekommen mit, wie Männer und Frauen Dinge gemeinsam regeln. Und sie sehen, wie unterschiedlich Männer sein können – wenn mehr als ein Mann im Team ist.

Wo stoßen Kitas mit männlichen Erziehern an ihre Grenzen? Welche Probleme gibt es?

Erstens gibt es nach wie vor nicht genügend Männer, die sich für die Arbeit mit kleinen Kindern interessieren. Von einem ausgewogenen Verhältnis der Geschlechter sind wir daher noch weit entfernt. Zweitens stellt die Zusammenarbeit von Frauen und Männern mitunter eine Herausforderung dar, etwa wenn Männer manche Dinge lockerer als Frauen sehen. Oder, wenn an männliche Kollegen Erwartungen gerichtet werden, die diese nicht erfüllen können. Außerdem gibt es nach wie vor Vorbehalte gegen Männer, die mit Kindern arbeiten. So gibt es manchmal problematische Sonderregeln für männliche Kollegen, die es ihnen erschweren, eine gute Beziehung zu den Kindern zu entwickeln.

Wie hat sich die Zahl der männlichen Erzieher in Kitas entwickelt?

Die Zahl männlicher Fachkräfte in Kitas steigt in Deutschland seit vielen Jahren langsam, aber stetig an. Der Anteil beträgt heute bundesweit gut fünf Prozent. In Sachsen ist die Zahl männlicher Erzieher in den letzten Jahren besonders stark angewachsen. Inzwischen arbeiten etwa 2 000 Männer in sächsischen Kitas und Horten, das entspricht fast sieben Prozent der Fachkräfte – und es werden immer mehr.