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Donnerstag, 03.05.2018

Mädchenpower auf dem grünen Rasen

Beim Turnier der Kreisauswahl in Großenhain gewinnt das Meißner Team. Talente wie Silja Bäßler wollen aber mehr.

Von Thomas Riemer

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Unwiderstehlich entwischt Silja Bäßler (l.) wieder einmal ihrer Gegenspielerin. Die 13-Jährige gehört zu den großen Hoffnungen im Mädchenfußball.
Unwiderstehlich entwischt Silja Bäßler (l.) wieder einmal ihrer Gegenspielerin. Die 13-Jährige gehört zu den großen Hoffnungen im Mädchenfußball.

© Anne Hübschmann

  • Unwiderstehlich entwischt Silja Bäßler (l.) wieder einmal ihrer Gegenspielerin. Die 13-Jährige gehört zu den großen Hoffnungen im Mädchenfußball.
    Unwiderstehlich entwischt Silja Bäßler (l.) wieder einmal ihrer Gegenspielerin. Die 13-Jährige gehört zu den großen Hoffnungen im Mädchenfußball.
  •  Mit der Meißner Kreisauswahl feierte sie am Sonnabend einen schönen Erfolg.
    Mit der Meißner Kreisauswahl feierte sie am Sonnabend einen schönen Erfolg.

Silja Bäßler ist es gewohnt, mit Jungs in einer Fußballmannschaft zu stehen. Denn: Mädchen sind zumindest zahlenmäßig in dieser Sportart noch immer in der Minderheit. Und doch sagt die 13-Jährige: „Ich spiele lieber mit Mädchen statt mit Jungs auf dem Platz Fußball. Da kann man viel besser kommunizieren.“

Silja Bäßler gehört zu den hoffnungsvollsten Talenten, die der Landkreis momentan im Mädchenfußball aufbieten kann. Beim Sichtungsturnier der Kreiswahlteams aus fünf Regionen in Großenhain stellte sie dies nachhaltig unter Beweis. Immer wieder entwischte die Ostrauerin auf der rechten Außenbahn ihren Kontrahentinnen, sorgte für Gefahr im gegnerischen Strafraum und trug mit zwei Toren im Turnierverlauf zum etwas überraschenden Sieg der Meißner Kreisauswahl um ihren Trainer Heiko Probst maßgeblich bei.

Doch Siljas Ansprüche sind höher, die nächsten Termine klar fixiert. Während sie bei Stahl Riesa als einziges Mädchen ihrer Altersklasse im Punktspielbetrieb mitspielt, ist sie bei den gleichaltrigen Fußballerinnen von RB Leipzig schon fast nicht mehr wegzudenken. Derzeit fiebert sie einer Antwort vom dortigen Leistungszentrum entgegen. Denn wenn alles gut läuft, wird Silja Bäßler ab kommendem Schuljahr die Sportklasse in Riesa gegen die Sportschule in der Messestadt eintauschen. Beim Sichtungsturnier kommende Woche will sie sich zudem für das DFB-Mädchenteam der U14 empfehlen. Aus ihrem Traum macht sie kein Geheimnis: „Ich hoffe, dass ich mit RB Leipzig irgendwann einmal in der Bundesliga spiele.“ Den Fußball-Virus hat sie übrigens von ihrer Mutti übertragen bekommen. „Sie hat ja früher selbst gespielt, da bin ich immer dabei gewesen. Und dann wollte ich selbst spielen“, sagt Silja.

In der Kreisauswahl der Geburtsjahrgänge 2005 bis 2008 war sie am Sonnabend eins von zwölf Mädels, aufgrund ihrer Erfahrung natürlich auch eine Art „Leitwolf“ auf dem verkürzten Kleinfeld. Vier Tore in vier Spielen reichten zum Turniergewinn. Dass sich neben Silja Bäßler mit Pia Merder (Großenhain) und Nele Pietzsch (Lommatzsch) zwei der jüngsten Teilnehmerinnen des Turniers in die Torschützenliste eintragen konnten, freute natürlich Trainer Heiko Probst besonders. Denn: Mit Nachwuchs im Mädchen- und Damenfußball sieht es nicht üppig aus – nicht nur im Landkreis. Dort haben sich mit den Teams aus Gröditz und Ponickau zuletzt zwei sehr erfahrene und gute Mannschaften zurückgezogen. „Das war sehr schmerzhaft“, sagt Heiko Probst, der im Kreisverband für den Frauenfußball zuständig ist. Komplette Damenmannschaften stellen derzeit nur drei Vereine im Landkreis, im Nachwuchs sieht es personell eher mau aus, auch wenn viele Mädchen solange wie möglich im Punktspielbereich die Jungs-Mannschaften aufstocken und – Beispiel Silja Bäßler – auch maßgeblich verstärken.

An Begeisterung fehlt es den jungen weiblichen Kickerinnen ohnehin nicht. Mit Feuereifer klemmten sich die Spielerinnen der fünf Teams auf der Großenhainer Jahnkampfbahn dahinter und zeigten dabei auch sehr viele spielerische Ansätze, über die selbst die Männer unter den recht zahlreichen Zuschauern zum Teil mit der Zunge schnalzten. Heiko Probst, der mit Co-Trainerin Corinna Böhme die Meißnerinnen lautstark von der Seitenlinie „dirigierte“, zeigte sich von seinem Team selbst ein wenig überrascht. Seit diesem Jahr betreut er die Kreisauswahl, einmal pro Monat wird gemeinsam trainiert. „Die Mädchen haben einen Riesenspaß“, sagt Heiko Probst. Man merkt es ihnen an. Und der Erfolg hat sich diesmal auch eingestellt. Platz eins im Fünferfeld und einige Notizen im Block der Sichter vom Landesverband sprechen für sich.