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Dienstag, 13.11.2012

Machtkampf spaltet Sachsens Königshaus

Streit statt Macht: Im einstigen sächsischen Herrscherhaus geht es fast 100 Jahre nach dem Ende der Monarchie nicht mehr um den Thron. Dennoch verspricht die Chefposition im Haus Wettin Macht in der Familie sowie Anerkennung in der Gesellschaft. Der Streit zwischen Alexander Prinz von Sachsen und Prinz Rüdiger um den Titel des Markgrafen hält an.

Sie sind die Nachkommen des berühmten Kurfürsten August der Starke und dessen Sohn Friedrich August III (M.): Prinz Rüdiger (l.) und Prinz Alexander (r.) streiten um die Macht im Hause Wettin. Fotos: Suhrbier, Gemäldegalerie Dresden, dapd, Türpe, PR
Sie sind die Nachkommen des berühmten Kurfürsten August der Starke und dessen Sohn Friedrich August III (M.): Prinz Rüdiger (l.) und Prinz Alexander (r.) streiten um die Macht im Hause Wettin. Fotos: Suhrbier, Gemäldegalerie Dresden, dapd, Türpe, PR

Dresden. Der Hauschef repräsentiert das Haus nach außen, ist Verhandlungs- und Gesprächspartner etwa für die Landesregierung, so der Leiter des Deutschen Adelsarchivs in Marburg, Christoph Franke. „Er entscheidet etwa, was mit den Kunstgegenständen passiert.“ Die Rückforderungen von Kunstgut - Möbel, Porzellan, Gemälde und Pretiosen - schmälerten zuletzt die Beliebtheit der Wettiner im Freistaat. Die Uneinigkeit der Erbengemeinschaften erschwerte 1999 die Rückgabe von Eigentum.

Nach dem Tod der zerstrittenen Brüder Maria Emanuel und Albert setzt sich der Zwist nun mit Alexander und Rüdiger fort, deren Großväter Brüder und die Söhne des letzten Königs waren. Alexander setzt die Markgrafenschaft fort. Aber auch Rüdiger sieht sich als rechtmäßiger Erbe der Spitzenposition.

Markgraf Maria Emanuel hatte 1997 seinen damals in Mexiko lebenden Neffen Alexander adoptiert und zum Nachfolger bestimmt. „Ich akzeptiere ihn nicht als Hauschef“, sagt Rüdiger und pocht darauf, dass er im Gegensatz zu Alexander in direkter männlicher Linie vom letzten König abstammt. Daher hatte der Sohn von Königsenkel Timo - einem Cousin von Maria Emanuel und Albert - seinen Anspruch kurz nach dem Ableben von Albert deutlich öffentlich artikuliert. „Ich kann mir aber auch meinen Ältesten als Hauschef vorstellen“, räumt er ein.

Sohn Daniel agiert moderater, kritisiert im Nachhinein aber auch die vor 15 Jahren getroffene Nachfolgeregelung. „Damals war nur ein Teil der Familie eingeladen, sechs von elf Zustimmenden und damit die Mehrheit haben später widerrufen.“ In der Regel werde der Erstgeborene Nachfolger seines Vaters und wenn nicht, dann der nächstgeborene Bruder des Hauschefs, erklärt er. Danach wäre Albert nach seinem Bruder Markgraf gewesen.

„Die Frage der Nachfolge ist 1997 rechtlich endgültig gelöst worden“, so ein Jurist. Eine solche Zustimmung könne nicht einfach zurückgenommen werden. Rechtlich gebe es also keine Zweifel an der Position von Alexander. Der will die Familie „in Frieden einen“ und ist mit der nächsten Generation im Gespräch. Prinz Daniel strebt auch eine Demokratisierung an. „Ziel ist, alle in Einklang zu bringen, die zum Haus Wettin gehören wollen.“ In dieser Großfamilie sollten die Frauen gleichberechtigt sein.