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Mittwoch, 21.06.2017

Mach mir den Frosch

Das Jugend-Öko-Haus im Großen Garten in Dresden beherbergt exotische Reptilien. Wie sich Froschhaut anfühlt? Ausprobieren!

Von Kay Haufe

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Springt er oder nicht? Uwe Prokoph, der Leiter des Jugend-Öko-Hauses, zeigt einen Höhlenlaubfrosch.
Springt er oder nicht? Uwe Prokoph, der Leiter des Jugend-Öko-Hauses, zeigt einen Höhlenlaubfrosch.

© Sven Ellger

  • Springt er oder nicht? Uwe Prokoph, der Leiter des Jugend-Öko-Hauses, zeigt einen Höhlenlaubfrosch.
    Springt er oder nicht? Uwe Prokoph, der Leiter des Jugend-Öko-Hauses, zeigt einen Höhlenlaubfrosch.
  • Arnhold-Bad: Im Freibad wartet die Abkühlung an heißen Sommertagen, geöffnet ist täglich von 9 bis 19 Uhr. Schlechtes Wetter kann diese Zeiten verkürzen. Erwachsene zahlen 3,50 Euro, Kinder ab einem Meter Körpergröße 2,20.
    Arnhold-Bad: Im Freibad wartet die Abkühlung an heißen Sommertagen, geöffnet ist täglich von 9 bis 19 Uhr. Schlechtes Wetter kann diese Zeiten verkürzen. Erwachsene zahlen 3,50 Euro, Kinder ab einem Meter Körpergröße 2,20.
  • Parkeisenbahn: Die Mini-Eisenbahn fährt mit Dampf- und Elektroloks von 10 bis 18 Uhr durch den Großen Garten. Im Juni ist sie täglich außer montags unterwegs, im Juli komplett und im August auch außer am 26. und 27. Eine Familienkarte kostet 15 Euro.
    Parkeisenbahn: Die Mini-Eisenbahn fährt mit Dampf- und Elektroloks von 10 bis 18 Uhr durch den Großen Garten. Im Juni ist sie täglich außer montags unterwegs, im Juli komplett und im August auch außer am 26. und 27. Eine Familienkarte kostet 15 Euro.
  • Hygienemuseum: Gegenüber vom Großen Garten gelegen, geöffnet Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen: 10 bis 18 Uhr. Kinder bis 16 Jahre kostenlos, Erwachsene zahlen acht Euro, zwei Dauerausstellungen und die Sonderausstellung Sprache.
    Hygienemuseum: Gegenüber vom Großen Garten gelegen, geöffnet Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen: 10 bis 18 Uhr. Kinder bis 16 Jahre kostenlos, Erwachsene zahlen acht Euro, zwei Dauerausstellungen und die Sonderausstellung Sprache.

Dresden. Titus hat Hausrecht auf Lebenszeit. Das Chamäleon sitzt auf einer Yucca-Palme hoch über den Köpfen der Besucher. Sein Hautton changiert zwischen Grün und Rot. „Dann fühlt er sich so lala“, sagt Uwe Prokoph. Je röter die Haut von Titus, desto besser gelaunt ist das Maskottchen des Jugend-Öko-Hauses am Palaisteich im Großen Garten. „Mit ihm steige ich meist in das Programm ein, wenn Kinder- und Jugendgruppen zu uns kommen“, sagt Prokoph, der Leiter des Hauses. Kaum einer wisse, dass die Zunge des Chamäleons so lang ist wie sein ganzer Körper.

Das demonstriert Prokoph dann gern mal mit einer Fliege, die in Sekunden gefangen und verschluckt ist. Da Titus den Ausblick von oben bevorzugt, hat sich Prokoph eine Handpuppe von ihm gebaut, um mit ihrer Hilfe den jüngsten Gästen die Welt der Reptilien und Amphibien zu erklären. Die können sie im Jugend-Öko-Haus mit allen Sinnen erleben. Wer möchte und sich traut, darf Äskulap- und Königsnattern anfassen, deren Haut glatt und trocken ist. „Das ist für viele eine große Überraschung, erwarten sie doch etwas Glitschiges“, sagt Prokoph und lacht. Ganz Mutige lassen sogar eine Vogelspinne über ihren Arm laufen. „Doch dazu wird natürlich niemand gezwungen.“

Seit vielen Jahren gibt es mehrere Arbeitsgruppen beim Jugend-Öko-Haus, in denen Kinder und Jugendliche die Natur im Großen Garten kennenlernen und dabei spielerisch viel Wissenswertes über Tiere, Pflanzen, Lebensräume und Naturschutz erfahren. Doch auch einmalige Besuche lohnen sich. Bevor es in die Terrarienausstellung geht, können sich Gäste zunächst im Garten an Tierskulpturen „herantasten“. Denn der Dresdner Bildhauer Johannes Makolies hat die Eidechsen und Kröten so modelliert, dass auch Blinde oder Sehschwache ihre Haut mit Knubbeln oder Furchen im Wortsinn begreifen können. Die Tiernamen sind in Blindenschrift vermerkt. An der Hauswand herrscht emsiger Flugbetrieb. Die Nistkästen werden von den verschiedensten Vögeln des Großen Gartens jedes Jahr genutzt.

Dazu kommt der Duft Dutzender Blumen und Sträucher und das Summen der Wildbienen im Schilf des kleinen Teiches. Prokoph möchte mit dem Angebot des Hauses auch Ängste nehmen und Aversionen abbauen helfen, die Spinnen, Schlangen und andere Bewohner hervorrufen. „Das sind definitiv nicht die Lieblinge der Menschheit. Unser Ziel ist es, ein anderes Bewusstsein für diese Tiere zu schaffen, indem wir ausführlich über ihre Lebensweise informieren“, sagt er.

Auf ihn selbst übten Reptilien schon in der Kindheit enorme Reize aus. Er nahm Kaulquappen mit von seinen Streifzügen an Bächen nach Hause und beobachtete Eidechsen, die sich an Wiesenrändern sonnten. Seine Eltern teilten diese Leidenschaft nicht. So hielt er heimlich Blindschleichen im Schuhkarton unterm Bett. „Ich wurde geradezu in die Illegalität gezwungen“, sagt Prokoph lachend. Weil er weiß, dass Reptilien nur selten als Haustiere akzeptiert werden, wenn die Kinder es sich wünschen, bietet er ihnen an, sich in den AGs um die Tiere der Ausstellung zu kümmern. „Sie betreuen und füttern sie, kümmern sich um die Behausungen, machen sie sauber. Über einen längeren Zeitraum erleben sie dann die Prozesse, die auch in der freien Natur stattfinden, wie das Häuten bei den Schlangen“, sagt Prokoph.

Im Vorjahr konnte er dazu beitragen, einem jungen Mann ein wenig seiner sehr große Angst vor Schlangen zu nehmen. Gemeinsam mit psychologischen Betreuern der TU Dresden gab es mehrere Therapiesitzungen vor den Terrarien. Junge Leute, die regelmäßig ins 1991 gegründete Jugend-Öko-Haus kommen, halfen dabei und sprachen über ihre Erfahrungen mit den Tieren. „Das waren andere, als der junge Mann sie erwartet hätte.“ Am Ende der gemeinsamen Zeit sehr positive. Sie konnten auch ihm helfen, näher an die Tiere heranzukommen.“

Einige der ausgestellten Reptilien gehören Uwe Prokoph, er gibt sie gern als Leihgaben ab. Zwischen Sommer und Winter wechselt er die Tiere, damit es nicht langweilig wird. Nur Titus bleibt als permanenter Bewohner auf seinem Hochsitz. Im Sommer beobachtet er die zahlreichen Kinder und Jugendlichen, die zum Ferienprogramm ins Haus strömen. Dafür gibt es extra Angebote wie die Sommerwerkstatt zur Steinzeitkunst oder die Treffs für kleine Insektenforscher, bei denen die geheimnisvolle Welt der Sechsbeiner erforscht wird. Im Großen Garten leben Dutzende der heimlichen Herrscher, wie Prokoph sie nennt. Vor allem in und an den Teichen und Wasserläufen finden sich Molche, Frösche und Kröten. Darüber schwirren zurzeit Dutzende Libellen. Es lohnt sich also, nach einem Besuch im Jugend-Öko-Haus, den Großen Garten selbst zu entdecken. Bald blüht darin auch der Dahliengarten.




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