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Montag, 16.04.2018

Luftpost vor 200 Jahren

Zum Tag der Brieftaube berichten Züchter über ihr Hobby. Dafür brauchten sie zu DDR-Zeiten eine Genehmigung.

Von Helene Krause

Frank Goldbach zeigt seine Tiere zum Tag der Brieftaube.
Frank Goldbach zeigt seine Tiere zum Tag der Brieftaube.

© André Braun

Während der Vormittag den Züchterkollegen vorbehalten ist, können sich ab dem Mittag auch Besucher, die keine Tauben züchten, über das Hobby informieren. Züchter sind zahlreich nach Goselitz gekommen. Die Brieftaubenzüchter Winfried und Frank Goldbach aus Goselitz haben zum Tag der offenen Tür auf ihr Grundstück eingeladen. Einer der Gäste ist Manfred Reiche aus Schönerstädt. „Ich bin aus Interesse hier und weil ich im Zuchtverein Hartha organisiert bin“, sagt er. Reiche hält seit 1958 Tauben, allerdings keine Brieftauben. „Ich hatte auch Rassehühner“, sagt er. Heute hält er neben seinen Brieftauben auch Luchstauben.

Jedes Jahr veranstaltet der Verband deutscher Brieftaubenzüchter einen Tag der offenen Tür“, sagt Frank Goldbach. „Der soll die Öffentlichkeit über die Brieftaubenzucht informieren.“ Goldbach kam durch seinen Vater Winfried zu dem ungewöhnlichen Hobby. Der züchtet diese Taubenrasse schon seit 60 Jahren. Zu DDR-Zeiten mussten die Brieftaubenzüchter eine Genehmigung besitzen, um züchten dürfen. Bei Goldbachs liegen auf einem Tisch die Genehmigungen der DDR-Behörden zum Anschauen aus.

„Die Brieftauben sind daran interessiert, dass sie schnellstens wieder in ihren Schlag zurückkehren“, sagt Frank Goldbach. „Zu Zeiten Napoleons hat man mittels der Tiere Informationen versandt. Kleine Zettel mit der Nachricht wurden in eine Hülse gesteckt und die am Bein der Taube befestigt.“

Informieren können sich die Besucher nicht nur über die Fütterung, über Züchtungen und darüber, dass die Tauben im Winter im Schlag bleiben. Auch wie die Tauben verschickt werden, ist ein Thema. Während das früher mit der Bahn passierte, machen das jetzt große Laster, sogenannte Taubentransporter. Die Orte, in denen die Tauben der Goldbachs freigelassen werden, liegen zwischen Gotha (Entfernung 160 Kilometer) und Thoben in den Niederlanden (Entfernung 627 Kilometer). „Für die Brieftauben gibt es ein straffes Programm“, sagt Frank Goldbach. „Das geht im Mai los. Dann lassen wir bis August zwölf Mal Tauben fliegen. Ehe die Vögel in den Laster verladen werden, werden sie registriert. Gleiches passiert, wenn sie zurückgekommen sind. Danach werden die Daten ausgewertet. Die schnellste Taube gewinnt. Ihr Züchter ist Sieger“, erklärt Goldbach.