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Donnerstag, 03.12.2015

Lohnend für alle Beteiligten

Firmen, die Menschen mit Handicap einstellen, gewinnen engagierte Mitarbeiter und können gefördert werden.

Thomas Mühle bearbeitet Kleinteile für die Uhrenherstellung. | Foto: RBS
Thomas Mühle bearbeitet Kleinteile für die Uhrenherstellung. | Foto: RBS

Firmen, die Menschen mit Handicap einstellen, gewinnen engagierte Mitarbeiter und können gefördert werden.

„Menschen mit Behinderungen - Fachkräfte für Ihr Unternehmen“: Mit diesem Slogan wirbt die Allianz Arbeit + Behinderung für bessere Beschäftigungschancen von Menschen mit Handicap. „Menschen mit Behinderungen sind Fachkräfte, sie sind gut ausgebildet, leistungsfähig, motiviert und kurzfristig einsetzbar.“ Sozialministerin Barbara Klepsch appelliert deshalb an die hiesigen Unternehmen, verstärkt das Potenzial von Menschen mit Behinderungen zu nutzen. Allein in Sachsen haben 8 000 arbeitsuchende Menschen mit Behinderung eine abgeschlossene Berufs- oder Hochschulausbildung.

So wie Thomas Mühle. Der Diplomingenieur war als Konstrukteur im Glashütter Uhrenbetrieb tätig, nahm in den verschiedenen Etappen seiner beruflichen Laufbahn an mehreren Qualifizierungskursen teil und arbeitete als Produktionsleiter in einer Maschinenbaufirma - bis er schwer erkrankte. Die Klinik verließ er als Schwerbehinderter, und bald darauf wurde er arbeitslos. 300 Bewerbungen hat er verschickt. „So mancher Personalchef setzt sicher ‚behindert‘ mit ‚hilflos‘ gleich“, sagt Thomas Mühle. „Ich wünschte mir, die würden den Einzelfall genauer abwägen.“ Denn auch er ist trotz seiner Einschränkung arbeitsfähig. Er darf nicht schwer heben, und drei-Schichten kommen ebenso wenig infrage, aber „ansonsten kann ich noch vieles machen“. Der engagierte Mann ließ sich von den Absagen nicht unterkriegen, suchte weiter und klopfte im Frühjahr dieses Jahres bei der Sächsischen Zifferblatt- und Zeigermanufaktur in Glashütte an. Die beiden Geschäftsführer Jürgen Fritsch und Stefan Oechelhaeuser interessierte weniger, welche Behinderung Thomas Mühle hat, sondern vielmehr, was er kann. Nach einer kurzen Probezeit wurde er in Teilzeit eingestellt. Seitdem säubert, schleift, poliert und veredelt er diverse Kleinteile für die Uhrenindustrie. „Der Umgang mit den winzigen Teilchen ist zwar manchmal noch etwas ungewohnt“, sagt Thomas Mühle, „aber ich lerne gern dazu, und die Arbeit macht mir sehr viel Spaß.“

Viele Beispiele zeigen, dass Menschen mit Behinderungen einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg in Unternehmen leisten.„Es sollte nicht darum gehen wer alles kann, sondern vielmehr darum, wer worin besonders gut ist. Die Leistungsfähigkeit eines jeden Menschen ist entscheidend, nicht seine Behinderung. Das sollten Personalentscheider erkennen und berücksichtigen“, sagt Dr. Klaus Schuberth, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit und weist darauf hin, dass bei der Einstellung behinderter Menschen die Agenturen für Arbeit Unternehmen beraten und unterstützen. Ebenso bietet das Integrationsamt vielfältige Leistungen etwa bei der Ausstattung von Arbeitsplätzen.

Auch die Sächsische Zifferblatt- und Zeigermanufaktur erhält eine Förderung. „Wir sind ein noch recht junges und sehr kleines Unternehmen“, sagt Geschäftsführer Stefan Oechelhaeuser. „Ohne die Unterstützung hätten wir Herrn Mühle nicht so schnell einstellen können.“ So aber sind beide Seiten vollauf zufrieden. (syl)

Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz www.sms.sachsen.de

Weitere Infos: http://www.soziales.sachsen.de/arbeit-plus-behinderung.html