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Dienstag, 07.02.2017

Lößnitzgrundbahn braucht neuen Lokschuppen

Rund 250 000 Fahrgäste hatte die Schmalspurbahn 2016. Die Betreiber lassen sich für 2017 Spezialfahrten einfallen.

Von Peter Redlich

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Ziemlich alt ist Radebeuls Lokschuppen auf dem Bahnhof in Radebeul-Ost. Damit die Bahn weiter sicher dampfen kann, ist hierfür dringend eine Investition nötig.
Ziemlich alt ist Radebeuls Lokschuppen auf dem Bahnhof in Radebeul-Ost. Damit die Bahn weiter sicher dampfen kann, ist hierfür dringend eine Investition nötig.

© Norbert Millauer

  • Ziemlich alt ist Radebeuls Lokschuppen auf dem Bahnhof in Radebeul-Ost. Damit die Bahn weiter sicher dampfen kann, ist hierfür dringend eine Investition nötig.
    Ziemlich alt ist Radebeuls Lokschuppen auf dem Bahnhof in Radebeul-Ost. Damit die Bahn weiter sicher dampfen kann, ist hierfür dringend eine Investition nötig.
  • Die Lößnitzgrundbahn kurz vor dem Haltepunkt Friedewald. Seit über 120 Jahren verbindet die 16,55 Kilometer lange Schmalspurstrecke die Bahnhöfe Radebeul und Radeburg. Ganz besonders reizvoll ist eine Fahrt im Winter durch die mit Schnee bedeckte Landschaft.
    Die Lößnitzgrundbahn kurz vor dem Haltepunkt Friedewald. Seit über 120 Jahren verbindet die 16,55 Kilometer lange Schmalspurstrecke die Bahnhöfe Radebeul und Radeburg. Ganz besonders reizvoll ist eine Fahrt im Winter durch die mit Schnee bedeckte Landschaft.

Radebeul/Moritzburg/Radeburg. Das Bild ist einmalig. Die schwarze Lok schnauft mit den grünen Wagen hintendran durch die klare Winterluft. Weiße Dampfwolken ziehen über die Moritzburger Hochebene. Bei Mirko Froß, dem Betriebsleiter der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft (SDG), mischt sich in die Freude über die rollende Bahn auch immer die Sorge um die Technik.

„Wir sind absolut an der Kapazitätsgrenze unserer Reparaturmöglichkeiten.“ Und das bei solchen historischen Fahrzeugen, die spezielles Material und spezielle Kenntnisse verlangen. Einen Lokschuppen hat die SDG in Oberwiesenthal, einen für Waggons in Freital-Hainsberg. Der Radebeuler Lokschuppen ist völlig veraltet. „Wenn wir etwas an einer Achse haben, muss die Lok aufwendig nach Freital transportiert werden“, sagt Froß.

Zu dem Engpass an eigener Reparaturkapazität kommt, dass nur noch ganz wenige Werkstätten in Deutschland überhaupt Schmalspurbahnen reparieren. Und die wenigen sind teils über Jahre ausgelastet und diktieren die Preise. Radebeul braucht dringend einen neuen Lokschuppen. Die Fahrgastzahlen rechtfertigen das. Mit rund 250 000 Fahrgästen ist die Jahresmitfahrerzahl nahezu stabil geblieben.

Bei den Fahrten des Traditionsbahnvereins sind weitere 14 000 Fahrgäste 2016 aufgestiegen, sagt Vereinsvorsitzender Roland Ende. Die Traditionsbahner wollen in diesem Jahr einen königlich-sächsischen Waggon so herrichten, dass er wieder wie neu aussieht, obwohl er von 1913 stammt. Rund 70 000 Euro wird das kosten in Stunden und Material, viel davon in Eigenleistung, so Ende.

Das alles hat aber nur Sinn, wenn fahrtüchtige Loks vornedran ziehen. Um den Lokschuppenneubau in Radebeul wird schon fünf Jahre geredet und gekämpft. Von einst drei bis vier Millionen Euro Kosten hat sich der Aufwand inzwischen auf knapp acht Millionen Euro erhöht.

Dass es vor allem mit einem dicken Zuschuss vom Land Sachsen etwas in diesem Jahr werden könnte, hängt von der Aufsichtsratssitzung des Betreibers im März ab. Mirko Froß: „Die Planung haben wir dennoch vorangetrieben. Wenn dann das grüne Licht kommt, könnten wir noch 2017 mit dem Gebäude beginnen und 2018 den Lokschuppen einrichten.“ Technik und Gebäudebaukosten würden etwa jeweils die Hälfte ausmachen.

Personal für Reparaturen gibt es unter den rund 90 Mitarbeitern der SDG genug. Notfalls bilden wir auch weiter Instandhaltungsmechaniker aus, so Froß.

Während das Radebeuler Vorhaben noch nicht entschieden ist, steht fest, dass vor allem in Freital die Spezialisten für die Waggoninstandsetzung sein sollen. Die dortige Werkstatt bekommt in diesem Jahr einen modernen Anbau. Baustart ist im Juni. Gebaut wird auch in Radebeul. Im November soll die Strecke wieder für drei Wochen stillgelegt werden. „Wir müssen an den Gleisen, an Geländern und an der Beleuchtung arbeiten“, sagt Froß. Etwa 400 000 Euro sollen hier investiert werden.

Damit die Bahn gut genutzt wird, haben sich der Verkehrsverbund Oberelbe als Besteller der Fahrten und die Bahnbetreiber für 2017 wieder Sonderfahrten einfallen lassen. Neben dem schon Bekannten wie dem Santa-Fé-Express zum Karl-May-Fest, einer Teddyfahrt im Sommer, einer Faschingsfahrt und dem Zuckertütenexpress zum Schulanfang gibt es auch Neues: etwa eine fahrende Bibliothek vom 11. bis 19. Februar in den Winterferien. Kinder bekommen dort von der Schriftstellerin Anja Schenk aus deren Buch „Max und die Eisenbahn“ vorgelesen und können in den Bibo-Wagen ein Buch zum Tauschen mitbringen. Auch eine Fahrt „Auf Zilles Spuren“ nach Radeburg mit Einkehr im Kulturbahnhof und Stadtführung wird es dieses Jahr geben.

www.loessnitzgrundbahn.de