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Donnerstag, 14.09.2017

Löbau und das Loch auf der Landkarte

Beim Sachsentag wurde eine Karte mit Freizeit-Tipps verteilt. Löbau fehlt. Eine Rentnerin mobilisierte OB Buchholz.

Von Markus van Appeldorn

Rosi Philipp zeigt die Freizeitkarte „Kinder in Sachsen“, die sie im Festzelt der Staatsregierung beim Tag der Sachsen bekam. Doch Löbau ist auf der Karte nicht einmal eingezeichnet. „Gibt es hier etwa keine Attraktionen für Kinder?“, fragt sie enttäuscht. Doch sie will das ändern und hat OB Dietmar Buchholz auf den Plan gerufen.
Rosi Philipp zeigt die Freizeitkarte „Kinder in Sachsen“, die sie im Festzelt der Staatsregierung beim Tag der Sachsen bekam. Doch Löbau ist auf der Karte nicht einmal eingezeichnet. „Gibt es hier etwa keine Attraktionen für Kinder?“, fragt sie enttäuscht. Doch sie will das ändern und hat OB Dietmar Buchholz auf den Plan gerufen.

© Markus van Appeldorn

Rosi Philipp freut sich immer, wenn ihre vierjährige Urenkelin Zoe aus Leipzig sie besucht. Deshalb sucht die Rentnerin auch immer aufmerksam nach Ausflugszielen, damit sie mit Zoe viel erleben kann. Da kam der 77-Jährigen die Freizeitkarte „Kinder in Sachsen“ gerade recht. Das Sächsische Sozialministerium hat diese Karte aufgelegt. In kindgerechten Zeichnungen listet die Karte Freilichtmuseen, Naturerlebnisse, Museen, Bäder, Schmalspurbahnen und viele andere Attraktionen im gesamten Freistaat auf. Beim Tag der Sachsen in Löbau gab‘s die Karte im Festzelt der Staatsregierung neben vielen anderen Broschüren. Und Rosi Philipp packte sich gleich ein Exemplar ein.

Wieder daheim, breitete sie die Freizeitkarte auf ihrem Wohnzimmertisch aus und studierte das breite Angebot. Zittau ist da mit vielen Attraktionen verzeichnet, den Berg Oybin legt die Karte ihren Nutzern ans Herz und die Abbildung eines Herrnhuter Sterns fehlt auch nicht. Die Zeichnung eines Umgebindehauses symbolisiert die Oberlausitz, ein Bild der Kirche Peter und Paul repräsentiert Görlitz und die Stadtansicht von Bautzen ist dabei.

Aber nanu, dort, wo eigentlich Löbau sein sollte, läuft bloß ein lachender Igel über die Karte. „Unser Gusseiserner Turm ist nicht drauf und auch nicht Haus Schminke“, sagt Rosi Philipp, „oder das historische Maschinenhaus der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde. Sind das alles etwa keine Attraktionen für Kinder?“ Das sei nicht nur traurig, sondern auch peinlich, findet die Rentnerin: „Ausgerechnet auf dem Tag der Sachsen in Löbau wird eine Karte verteilt, auf der Löbau nicht einmal verzeichnet ist.“

Nun ist Rosi Philipp niemand, der solche Missstände einfach so hinnehmen würde. Sie wollte der Sache auf den Grund gehen und sich beschweren – wenn‘s sein muss, auch bei Sozialministerin Barbara Klepsch persönlich. Die war ja auch anlässlich des Tags der Sachsen in Löbau. Also machte Rosi Philipp sich auf und ging noch mal ins Festzelt der Staatsregierung am Promenadenring. Als Erstes lief ihr dort Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) in die Arme. „Dem habe ich gleich die Karte gezeigt“, erzählt die Rentnerin. Irgendwas sei immer, was nicht richtig laufe, habe der gesagt. Doch OB Buchholz wollte die Sache keineswegs auf sich beruhen lassen. Er nahm die Karte und die Sache auch gleich selbst in die Hand und sprach die anwesende Ministerin Barbara Klepsch darauf an. „Ich habe die Ministerin damit konfrontiert“, sagt Buchholz der SZ, „Es war ihr sehr peinlich und sie hat sich auch entschuldigt.“ Dann jedoch habe man auch gemeinsam darüber lachen können, dass so etwas ausgerechnet zum Tag der Sachsen in Löbau passiert. OB Buchholz zeigte sich versöhnlich: „Das ist kein Drama. So was kann passieren. Wo Menschen arbeiten, passieren auch mal Fehler.“

Die beim Tag der Sachsen in Löbau verteilte Freizeitkarte „Kinder in Sachsen“ stammt aus der 3. überarbeiteten Auflage vom August 2016. Zu diesem Zeitpunkt war natürlich längst allgemein bekannt, dass rund ein Jahr später Sachsens größtes Fest in Löbau steigen würde. Die SZ hat daher beim Sozialministerium gefragt, warum Löbau dennoch keine Berücksichtigung fand. „Für die Erstellung der Kinderlandkarte wurden in den sächsischen Regionen unter anderem auch die Landratsämter gebeten, kinderspezifische Attraktionen zu benennen“, teilt Ministeriumssprecherin Annett Hofmann mit. Diese Auskünfte seien ausgewertet und gegebenenfalls mit Eigenrecherchen ergänzt worden. „Eine solche Karte kann dabei nie vollumfänglich sein“, entschuldigt sich auch die Ministeriumssprecherin und erklärt: „Wir freuen uns immer über weitere Rückmeldungen aus den Regionen, die wir gern berücksichtigen.“

In einer Sache kann sich das Ministerium gewiss sein: Dass Rosi Philipp die weitere Bearbeitung ihrer Rückmeldung verfolgt und sich wieder rühren wird, wenn Löbau nicht berücksichtigt wird. Dankbar für die Karte ist sie dem Ministerium dennoch: „Da stehen wirklich ganz tolle Ziele drauf. Und ich zumindest kenne in Löbau ja alles, was ich meiner Urenkelin zeigen kann.“