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Dienstag, 16.02.2016

Litarion fährt wieder hoch

Die Hightech-Firma am Kamenzer Ochsenberg hat die Kurzarbeit beendet. Dank eines Batteriezellen-Großauftrages.

Von Frank Oehl

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Die Produktion bei der Litarion läuft hochautomatisiert. Die Überwachung braucht PC-Technik – und das menschliche Auge. Hier kontrolliert der stellvertretende Schichtleiter Torsten Pohle aus Steina die Abläufe.
Die Produktion bei der Litarion läuft hochautomatisiert. Die Überwachung braucht PC-Technik – und das menschliche Auge. Hier kontrolliert der stellvertretende Schichtleiter Torsten Pohle aus Steina die Abläufe.

© Matthias Schumann

  • Die Produktion bei der Litarion läuft hochautomatisiert. Die Überwachung braucht PC-Technik – und das menschliche Auge. Hier kontrolliert der stellvertretende Schichtleiter Torsten Pohle aus Steina die Abläufe.
    Die Produktion bei der Litarion läuft hochautomatisiert. Die Überwachung braucht PC-Technik – und das menschliche Auge. Hier kontrolliert der stellvertretende Schichtleiter Torsten Pohle aus Steina die Abläufe.
  • Die Anodenproduktion sorgt für eine der drei wichtigen Batteriezellkomponenten. Die beiden anderen sind die Kathode und der keramische Separator. Letzterer ist besonders hitzebeständig und damit sicherheitsrelevant. Hier begutachtet Litarion-Cheftechnologe Dr. André Mecklenburg den Rundlauf eines Plättwerkes.
    Die Anodenproduktion sorgt für eine der drei wichtigen Batteriezellkomponenten. Die beiden anderen sind die Kathode und der keramische Separator. Letzterer ist besonders hitzebeständig und damit sicherheitsrelevant. Hier begutachtet Litarion-Cheftechnologe Dr. André Mecklenburg den Rundlauf eines Plättwerkes.

Der Kamenzer Batteriestandort ist auf einem guten Weg. Das betrifft nicht nur die Daimler-Tochter Accumotive, sondern auch wieder die Litarion GmbH. Hier werden vollautomatisch die Batteriezellenbestandteile hergestellt. Also die Elektroden auf Kupfer- bzw. Alufolie und der sie trennende Separator. Bei der Litarion ist er aus Keramik, was höchsten Sicherheitsstandard gewährleistet. Seit knapp einem Jahr gehört die Firma zu einem kanadischen Familienunternehmen, der Electrovaya. Die Firma aus Toronto hat alle Patentrechte aus dem Evonik-Knowhow erworben und verfolgt das am Ochsenberg – Stichwort Li-Tec – gescheiterte Batteriezellvorhaben nun auf eigenes Risiko. Die jüngsten Zeichen stehen auf Erfolg.

Dabei ist die Litarion durch eine zweimonatige Kurzarbeitsphase gegangen. Cheftechnologe Dr. André Mecklenburg: „Seit Anfang Februar fahren wir die Anlagen nach und nach wieder hoch.“ Für die mehr als 170 Beschäftigten, darunter auch Auszubildende, ist das ein wichtiges Signal. Das gewiss auch bei der Li-Tec vernommen wird, wo man die Batteriezellenproduktion mit den Litarion-Komponenten leider nicht zur weltmarktfähigen Serienreife geführt hat und sich nun auf Forschung und Entwicklung konzentriert. Die Electrovaya aber macht ernst mit ihrer Ankündigung, die an sich ausgereifte Technik und die Fähigkeiten der Kamenzer Zellkomponentenhersteller auch in ein eigenes Produkt münden zu lassen. „Wir können dabei auf eine hochmotivierte Belegschaft bauen“, so Personalchefin Antje Winkler.

Seit September gibt es die großformatig Litacell C40. Die 40 steht für die Kapazität in Ampere-Stunden, was in Reihe geschaltet natürlich eine hohe Batterieleistung verspricht. „Wir verfolgen derzeit vor allem die Idee der elektrobetriebenen Busse in Großstädten mit Interesse“, so Marketingdirektor Fritz Müller. Aber auch in Gabelstaplern und anderer Transporttechnik kann sie Anwendung finden. Von den stationären Speichern mal ganz abgesehen.

Allerdings muss die Zelle serienreif produziert werden. Die Litarion lässt ihre Litacell C40 in China herstellen. „Es ist aber ein rein deutsches Produkt“, so Dr. Mecklenburg. Für die verlängerte Werkbank in Fernost habe man sich allein aus Zeitgründen entschieden. „Eine eigene Serienproduktion hier zu installieren, würde einfach zu lange dauern.“ Was natürlich auch die Frage impliziert, warum die Li-Tec nebenan eigentlich gescheitert ist ...

Das ist aber kein Problem der Litarion GmbH. Hier kommt die Komponentenproduktion gerade wieder richtig in Gang, wie sich jetzt auch die SZ vor Ort überzeugen konnte. „Wir haben einen Großauftrag aus Übersee erhalten“, bestätigt Marketingchef Fritz Müller. Auftraggeber ist ein nordamerikanisches Startup-Unternehmen, hinter dem starke Partner stehen. Für mehr als ein Jahr wurde zunächst eine sechsstellige Zahl der Litacell C40 geordert. Nun kann sich die Litarion und vor allem der keramische Separator in der Praxis beweisen. In Sachen Batteriemanagement ist dabei die Muttergesellschaft gefragt, aber auf diesem Gebiet hat die Electrovaya schon gute Erfahrungen gesammelt. Die bisherigen Tests mit der Litacell waren überaus erfolgreich gewesen, bestätigt Dr. Mecklenburg. „Sie haben Begeisterung ausgelöst, denn Leistung und Sicherheit liegen auf höchstem Niveau.“ In das Lob der Tester fließt freilich auch die Enttäuschung hinein, die mancher Anwender schon mit Zellen made in Fernost gemacht hat.

In der Elektrodenherstellung der Litarion wird an zwei Linien wieder rund um die Uhr produziert. Außerdem läuft die Separatorlinie an fünf Tagen in der Woche. Und an eine eigene Zellproduktion wird auch schon gedacht? „Natürlich. Unser Eigentümer ist ein Visionär“, sagt Dr. Mecklenburg. „Wir wollen aber einen Schritt nach dem anderen machen.“Auf ein Wort