Mittwoch, 27.02.2013

Links, pragmatisch und kompetent

Pier Luigi Bersani könnte Italiens neuer Ministerpräsident werden. Er könnte ein Bündnis mit seinem Vorgänger gebrauchen.

Pier Luigi Bersani
Pier Luigi Bersani

Er ist ein pragmatischer Linker mit wirtschaftlicher Kompetenz, erfahren im römischen Gerangel um Macht und Einfluss. Der Norditaliener Pier Luigi Bersani (61), Chef der Mitte-Links-Partei PD (Partito Democratico), ist nach der Wahl aussichtsreicher Kandidat für das Amt des italienischen Regierungschefs.

Bersani ist ein Mann des linken Establishments – ein bodenständiger und wenig charismatischer Politiker, der aus Bettola in der Emilia-Romagna stammt. Der studierte Philosoph aus einfachen Verhältnissen gehörte einst der Kommunistischen Partei Italiens an.

Erst als Regionalpräsident im Norden entwickelte er sich zu einem der linken Hoffnungsträger in einem von Silvio Berlusconi geprägten nationalen Umfeld. Zwischen 1996 und 2008 sammelte Bersani unter drei Mitte-Links-Regierungen als Minister für Industrie, Transport und Wirtschaft Erfahrungen und Lorbeeren, vor allem als Reformer und Liberalisierer. 2009 wurde er Chef der „Demokratischen Partei“ (PD).

Erfolg in der Urwahl

In einer Urwahl setzte sich Bersani deutlich gegen Matteo Renzi als Spitzenkandidat durch. Bersani punktete im Wahlkampf mit einem ruhigen Auftritt. Zuverlässig wollte er wirken und die Wahlen auch nicht gewinnen, indem er „Märchen“ erzählt. Das Mitte-Links-Bündnis, zu dem noch eine Reihe kleinerer Parteien und Gruppen zählen, hat sich zur ersten Kraft in Italien gemausert. Berlusconis Mitte-Rechts-Partei PdL (Volk der Freiheit) holte vor der Wahl aber wieder auf.

Regierungschef Mario Monti habe Italien in der Welt wieder glaubwürdig gemacht, das sei unumkehrbar, so hatte Bersani in einem Interview gesagt: Eine von seiner Partei geführte Regierung werde aber versuchen, „mehr Fairness, mehr Rechte und mehr Jobs zu schaffen“. Sonst bleibe das Land im Notstand. Wachstumsspritzen, Kampf der Steuerhinterziehung und eine Steuerpolitik für mehr Beschäftigung, Jobs für die jüngere Generation trotz der Rezession – das sind Ziele des pro-europäischen Bersani.

Bersani stützte den früheren EU-Kommissar Monti in seiner Arbeit, will ihn aber nicht in das Amt zurückkehren sehen. Eine Koalition der Linken mit Montis Bündnis der Mitte könnte notwendig sein, um eine stabile Regierung unter dem linken Parteichef Bersani zu ermöglichen. (dpa)

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