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Dienstag, 28.06.2016

Lidl setzt auf Weißwasser

Ende August öffnet der Discounter die neue Filiale. Es geht dabei neben dem Umsatz auch um die Klimaverträglichkeit.

Von Thomas Staudt

Der Bau der neuen Lidl-Filiale an der Bautzener Straße Anfang Juni (vorn, dahinter das Interim in der ehemaligen Metzen-Halle). Heute ist das Dach längst fertig. Ende August will der Discounter eröffnen. Ein genauer Termin soll noch bekanntgegeben werden, so eine Sprecherin auf Nachfrage.
Der Bau der neuen Lidl-Filiale an der Bautzener Straße Anfang Juni (vorn, dahinter das Interim in der ehemaligen Metzen-Halle). Heute ist das Dach längst fertig. Ende August will der Discounter eröffnen. Ein genauer Termin soll noch bekanntgegeben werden, so eine Sprecherin auf Nachfrage.

© André Schulze

Die Baustelle an der Bautzener Straße verändert sich von Tag zu Tag. Dennoch scheint der angekündigte Eröffnungstermin für die neue Filiale des Discounters Lidl ambitioniert. Ende August sollen die Türen für die Verbraucher aufgehen. Der genaue Eröffnungstermin hängt vom Baufortschritt ab. Abwarten und Teetrinken – in dem Lidl-Interim in der ehemaligen Metzen-Halle etwa. Schon heute steht fest, dass Lidl bei seinen Filialen der neuesten Generation auf Nachhaltigkeit setzt. Ein modernes Erscheinungsbild verknüpft mit richtungsweisender Technik und ökologischer Bauweise biete die neue Filiale, heißt es dazu aus der Konzernzentrale. Nachhaltigkeit regiert allerorten: Man setzt auf Wärmedämmung, Fußbodenheizung und eine verbesserte Lüftungsanlage. Herzstück ist die bedarfsgerechte, energieoptimierte und vollautomatische Gebäudesteuerung. Dazu werden die gesamte Filiale sowie der Außenbereich ausschließlich mit stromsparenden LED-Lampen beleuchtet. Das Licht in den Nebenräumen wird bedarfsabhängig gesteuert und durch große Fensterflächen das Tageslicht ausgenutzt. Damit nicht genug: Die Filiale wird komplett durch die Nutzung der Abwärme aus den Kühlanlagen beheizt. Eine integrale Anlage erzeugt die gesamte Wärme sowie den Bedarf an Kälte zur Klimatisierung der Räume und zur Kühlung der Waren. „Lidl setzt zudem ausschließlich das natürliche Kältemittel Propan ein und übertrifft damit bereits heute die zukünftigen Anforderungen der F-Gase-Verordnung“, heißt es auf SZ-Nachfrage.

Das Energiesparkonzept des Discounters passt zu den Bemühungen der Stadt um den European Energy Award (eea). Bei dem internationalen Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren geht es um Klimaschutz und Fördermittel. Weißwasser hat in diesem Zusammenhang knapp ein Viertel der Lampen der öffentlichen Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Immerhin 450 von insgesamt 2 250 „Brennstellen“. Ein Hinweisschild am Turnerheim weist seit Kurzem stolz auf die Erfolge hin. Der Wirtschaftshof arbeite zudem kontinuierlich an der Umrüstung, sagte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch bei einem Pressegespräch im Mai. Weißwasser ist in der Region mit seinen Bemühungen nicht allein. Auch die Städte Niesky, Rothenburg und Görlitz sowie die Gemeinden Hohendubrau und Rietschen sind beim eea dabei.

Kommunen und Unternehmen geht es beim Thema Nachhaltigkeit um Einsparungen. Beim Discounter Lidl spielen darüber hinaus Kundenakzeptanz und Marktführerschaft eine große Rolle. Die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch Kaufland gehört, liefert sich seit Jahren einen Machtkampf mit den Rivalen Metro-Group und Aldi. Derzeit liegt Lidl auf ganzer Linie vorn. Beim Umsatz kann dem Discounter kaum ein Konkurrent das Wasser reichen. Selbst bei der Kundenzufriedenheit belegt der Discounter mit Sitz in Neckarsulm bei Heilbronn nach einer Kundenbefragung im Auftrag von Deutschland Test und Focus Money 2016 Platz eins, noch vor der Telekom, Rossmann oder Ikea. Ein wichtiges Element des Erfolgs ist der Umbau bestehender Filialen. Offenbar auch in puncto Nachhaltigkeit. Noch 2013 hatte der Verein „Rank a Brand“ fast allen deutschen Supermärkten, darunter auch Lidl, einen Mangel an Nachhaltigkeitsstrategien bescheinigt, und damit ein Risiko für eine langfristige Wertschöpfung. Die Planungen zur neuen Filiale in Weißwasser klingen so, als habe man die Warnung bei Lidl verstanden. Der Discounter übernimmt auch das Personal in die neue Filiale, in der die Kunden auf 1 000 Quadratmetern Verkaufsfläche zwischen 1 600 verschiedenen Produkten wählen können. Experten erhoffen sich durch die Filiale auch neue Impulse für die benachbarte Passage an der Schweigstraße.

Selbst wenn sich der Eröffnungstermin verschiebt, hat Lidl im Rennen um Modernität, Nachhaltigkeit und Umsatz die Nase vor Konkurrent Aldi. Die Discounter-Kette hatte geplant, den Standort an der Heinrich-Heine-Straße am Ortsausgang Richtung Weißkeißel weiter Richtung Zentrum zu verlegen und dabei mit einem Neubau zu punkten. Aber das Projekt wurde nach Unstimmigkeiten mit dem Projektentwickler IVG aus Dresden fallengelassen. Stattdessen setzt Aldi nun auf eine Erweiterung der zweiten Weißwasseraner Filiale in der Berliner Straße. Vorbereitende Arbeiten sind bereits erfolgt, mit dem Bau soll dem Vernehmen nach aber erst 2017 begonnen werden.