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Donnerstag, 07.12.2017

Lidl macht sich frisch

Bis 6.30 Uhr waren noch die Handwerker zugange. Anderthalb Stunden später öffnete der modernisierte Markt.

Von Peter Anderson

Schöpfen zur Eröffnung aus dem Vollen: Filialleiterin Anne Gebel räumt mit ihrer Kollegin Andrea Knoll und Verkaufsleiterin Manja Schmiel die letzten Kisten frisches Gemüse im modernisierten Lidl-Einkaufsmarkt an der Meißner Fabrikstraße ein.
Schöpfen zur Eröffnung aus dem Vollen: Filialleiterin Anne Gebel räumt mit ihrer Kollegin Andrea Knoll und Verkaufsleiterin Manja Schmiel die letzten Kisten frisches Gemüse im modernisierten Lidl-Einkaufsmarkt an der Meißner Fabrikstraße ein.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Helligkeit hat auch ihren Nachteil. Der Weihnachtsmann kann sich nicht verstecken. Die Wartenden vor dem Lidl-Markt auf der Meißner Fabrikstraße registrieren mit Erheiterung, wie sich im Kassenbereich ein Mitarbeiter in den dunkelroten Mantel wirft, den Rauschebart umbindet und zur Rute greift. Der gute Alte kann heute so richtig aus dem Vollen schöpfen. Im über die letzten Wochen modernisierten Innenraum sind die Regale bis auf den letzten Zentimeter ausgelastet. Alles ist komplett gefüllt. Den Kunden quillt die Ware aus den Verpackungen entgegen.

Filialleiterin Anne Gebel scheint es immer noch nicht ganz glauben zu können, dass der Termin zur Neuereröffnung an diesem Donnerstag, kurz nach Sonnenaufgang, gehalten werden konnte. Am Mittwoch versperrte noch eine provisorische Schranke die Zufahrt zum Parkplatz. Schutt türmte sich vor dem Eingang. Bauarbeiter gingen ein und aus. Bis 6.30 Uhr seien die letzten Handwerker zugange gewesen, sagt Anne Gebel und rückt hier eine Schale Heidelbeeren zurecht, ordnet dort ein Bündel Lauch ein. Das Angebot im Obst- und Gemüsebereich dürfte an diesem Vormittag kaum einen Wunsch offenlassen. Es reicht von Kokosnüssen über Himbeeren bis hin zu Shiitake-Pilzen.

Was fällt darüber hinaus sofort ins Auge? Der Markt macht einen überaus aufgeräumten Eindruck. Penibel aufgeschichtet und übersichtlich präsentieren sich die Angebote in hüfthohen Boxen. Kein Durcheinander mehr wie früher auf manchen Wühltischen.

Durch die breiten Gänge mit ihrem hellen Fliesenfußboden lässt es sich mit dem Einkaufswagen leicht und schnell manövrieren. Die Zeiten der Schlängellinien um Hindernisse sind – zumindest in diesem Discounter – vorbei. Neue LED-Lampen setzen die Waren ins rechte Licht, ohne zu blenden. Fischstäbchen und Chicken-Nuggets liegen in Kühlvitrinen auf Augenhöhe mit dem Kunden. Die Backtheke – in wertiger Holzoptik – ist deutlich gewachsen.

Der Markt hat sich innerhalb kurzer Zeit gut gefüllt. Kunden fragen immer wieder, wo zum Beispiel Eier oder Butter zu finden sind. Zur Eröffnung stehen ausreichend Mitarbeiter bereit, um Orientierung zu geben. Es wird eine Weile dauern, bis sich das neue System eingeprägt hat. Eine junge Frau sorgt offenbar bereits für Weihnachten vor. Malkoffer und eine Tisch-Staffelei wandern für einen unbekannten Künstler in den Einkaufskorb. Ein älterer Herr erkundigt sich nach dem im Prospekt angekündigten Akku-Schrauber. Von einer Schachtel mit Damen-Pumps wirbt Lidl-Botschafterin Heidi Klum.

Die Partnerschaft der Kette mit dem Top-Model ist kein Zufall. Wie auch Konkurrent Aldi arbeitet das Unternehmen daran, aus der Billig-Schiene herauszukommen und zum deutschen Marktführer Edeka aufzuschließen. An der Meißner Fabrikstraße ist ein direkter Vergleich der Wettbewerber möglich. Deutschlandweit liegt die Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl nach Angaben von 2015 an dritter Stelle, was die Zahl der Verkaufsstellen anbelangt. Hinzu kommt das sich beständig ausweitende Online-Geschäft. Seit 2008 bietet Lidl im Internet sowohl Lebensmittel- als auch Nicht-Lebensmittel-Produkte sowie Reisen und weitere Services an. Das Angebot umfasst derzeit nach Unternehmensangaben rund 30 000 Artikel. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Discounter weltweit einen Umsatz in Höhe von 68,6 Milliarden Euro, davon 20,4 Milliarden Euro allein in Deutschland.