Donnerstag, 14.02.2013

Letzter Ausweg: Ehe

American Airlines und US Airways schließen sich zur weltgrößten Fluggesellschaft zusammen. Der Schritt geschieht aus der Not heraus. Der Konkurrenzkampf am Himmel ist einfach zu groß für die Kleinen.

Der Zusammenschluss von American Airlines und US Airways zur größten Fluglinie der Welt scheint beschlossene Sache.
Der Zusammenschluss von American Airlines und US Airways zur größten Fluglinie der Welt scheint beschlossene Sache.

©dpa

New York . Zufall oder Absicht? Ausgerechnet am Valentinstag verkünden zwei der größten amerikanischen Fluggesellschaften den Bund fürs Leben. American Airlines und US Airways schließen sich zur neuen American Airlines zusammen und steigen damit zur Nummer eins am Himmel auf. Die Gesellschaft könne es mit den „Besten in der Welt“ aufnehmen, erklärte der frisch gebackene Verwaltungsratsvorsitzende Tom Horton. Es ist der Höhepunkt einer Welle von Fusionen. Diese geschahen jedoch nicht aus Liebe, sondern aus der Not heraus.

„Die einfachste Art, Millionär zu werden, ist als Milliardär anzufangen und eine Airline zu gründen“, fasste der britische Multi-Unternehmer Richard Branson einmal seine Erfahrungen in der zwar glamourösen, aber wenig einträglichen Luftfahrt zusammen. Seine vergleichsweise kleine eigene Gesellschaft „Virgin Atlantic“ hat mittlerweile bei der größeren Delta Air Lines angedockt.

Seit 9/11 gehen viele große Airlines pleite

Vor allem in den USA ist der Konkurrenzkampf hart, wo Fliegen so normal ist wie Bahnfahren in Europa. Zum Jahrtausendwechsel gab es noch ein Dutzend große Airlines in den Vereinigte Staaten. Dann kam der 11. September. Die Menschen fürchteten nach den Terroranschlägen das Fliegen und die Fluggesellschaften rutschten der Reihe nach in die Insolvenz. Der einzige Ausweg, den sie oftmals sahen, war die Fusion. Nachdem die Passagiere zurückkamen, stiegen die Spritpreise stark an - und schon wieder flüchteten sich die Airlines in Zusammenschlüsse.

„Große Gesellschaften können den Stürmen um vieles besser trotzen als kleine Gesellschaften“, stellt Luftfahrt-Spezialist John Thomas von der Beratungsgesellschaft L.E.K. Consulting im „Wall Street Journal“ fest. Wie schwer die Lage ist, zeigt das Verschwinden selbst einst so großer Namen wie TWA oder Pan Am.

2008 schluckte Delta den Rivalen Northwest und stieg damit zur Nummer eins auf. 2010 taten sich United und Continental zum neuen Branchenprimus zusammen. 2011 schloss Southwest die Übernahme der kleineren AirTran ab, womit auch die US-Billigflieger ihre Fusion hatten. Solo steht momentan noch JetBlue da, an der die Lufthansa beteiligt ist.

Fusionen sind letzte Möglichkeit zum Überleben

Die Fusionswelle macht dabei nicht an den US-Grenzen Halt: In Europa gingen Air France und KLM zusammen, genauso wie British Airways und Iberia. Zur Lufthansa gehören mittlerweile Swiss und Austrian Airlines.

Airline-Manager argumentieren, Zusammenschlüsse seien die einzige Möglichkeit zum Überleben. Dadurch könnten nicht nur Streckennetze und Flugpläne besser aufeinander abgestimmt werden, was Passagiere anlockt. Es fielen auch weniger Verwaltungs- und IT-Kosten an, weil beispielsweise ein gemeinsames Buchungssystem genutzt werden kann.

Teurere Tickets, so glauben Branchenkenner, müssen die Kunden deshalb nicht unbedingt fürchten. Durch das Internet lassen sich Preise heutzutage auf Knopfdruck vergleichen. Die Branchenvereinigung Airlines for America geht gerne mit einer Tabelle hausieren, die begelegen soll, dass die Ticketpreise seit der Jahrtausendwende preisbereinigt sogar günstiger geworden sind.

Probleme bei Airline-Ehen

Doch Zusammenschlüsse bergen auch Tücken: So strandeten die Passagiere der frisch fusionierten United Continental, weil die Buchungssysteme ausfielen. Zudem gibt es oftmals vertrackte Verträge mit den mächtigen Gewerkschaften, sodass in den fusionierten Airlines der eine Flugbegleiter mehr verdient als der andere oder der eine Pilot nicht mit dem anderen ins Cockpit darf.

Der Architekt der neuen American Airlines scheint jedoch alles richtig gemacht zu haben: Es ist ausgerechnet Doug Parker, Chef des Juniorpartners US Airways. Er holte die Gewerkschaften gleich zu Anfang ins Boot. Das war insofern leicht, weil American Airlines insolvent ist und Stellenstreichungen drohten. Parker versprach: Wenn wir fusionieren, rette ich die Hälfte der bedrohten Jobs.

Der Manager, einst selbst bei American Airlines, hat reichlich Erfahrungen mit derartigen Verhandlungen: Als Chef von America West trieb er 2005 die Fusion mit der größeren, aber damals insolventen US Airways voran. Später probierte er Fusionen mit Delta Air Lines und United - beide Male allerdings erfolglos. Es blieb am Ende kein anderer Kandidat als American Airlines übrig.

Sogar die Konkurrenz befürwortet die Fusion. Jeff Smisek, Chef von United Continental, erklärte im April vergangenen Jahres, er verliere US Airways zwar nur ungerne als Partner im Luftfahrt-Bündnis Star Alliance. „Auf der anderen Seite, wenn es aufgrund einer Konsolidierung passiert, wäre es meiner Meinung nach sehr gut. Es wäre sehr gut fürs Geschäft und sehr gut für die Branche.“ (dpa)

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