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Freitag, 06.10.2017

Letzte Ruhe in der Gemeinschaft

Auf dem Friedhof in Staucha gibt es bald eine Urnengrabanlage. Doch auf eines will die Kirche auf keinen Fall verzichten.

Von Jürgen Müller

Pfarrer Matthias Bartsch geht über den Stauchaer Friedhof. Hier gibt es jetzt eine Gemeinschaftsgrabanlage für bis zu zwölf Urnengräber. Das gab es hier bisher nicht.
Pfarrer Matthias Bartsch geht über den Stauchaer Friedhof. Hier gibt es jetzt eine Gemeinschaftsgrabanlage für bis zu zwölf Urnengräber. Das gab es hier bisher nicht.

© Lutz Weidler

Stauchitz. Ihr Mann ist schon vor vielen Jahren gestorben. Liebevoll pflegt die 86-Jährige dessen Grab. Und macht sich Sorgen, wie es werden soll, wenn sie einmal gehen muss. „Ich habe zwar zwei Kinder, aber die arbeiten beide im Westen. Sie können sich unmöglich um die Grabpflege kümmern“, sagt sie. Auf vielen Friedhöfen gibt es Gemeinschaftsgrabanlagen. In Staucha allerdings bisher nicht. Das soll sich jetzt ändern. „Wir hatten einige Anfragen von Bürgern nach solch einer Gemeinschaftsanlage. Sie machen sich Sorgen um ihre Grabpflege, weil sie keine Angehörigen haben, die das Grab einmal pflegen könnten. Deshalb haben wir im Kirchenvorstand zusammengesessen, uns mit der Problematik auseinandergesetzt und entschieden, jetzt eine solche Gemeinschaftsanlage einzurichten“, sagt Pfarrer Matthias Bartsch. Bis zu zwölf Urnen sollen dort Platz finden. Wenn die Nachfrage größer sei, könne auch eine zweite Anlage entstehen, Platz sei genügend vorhanden, so der Pfarrer. Er sieht das jedoch mit gemischten Gefühlen. „Ich verstehe ja den Wunsch von Leuten, die niemanden haben, der das Grab pflegt. Wenn aber Verwandte da sind, sollte eine Einzelgrabanlage erworben werden, die jeder selbst und individuell gestalten kann“, sagt er.

Eines aber, was anderswo möglich ist, lehnt man in Staucha kategorisch ab: anonyme Bestattungen. „Jeder Verstorbene bekommt bei uns ein Schild mit Namen sowie Geburts- und Sterbedatum. Denn jeder Mensch hat einen Namen. Wir wollen damit zeigen, dass niemand von Gott vergessen wird“, so der Pfarrer.

Generell sieht er einen Trend hin zu Gemeinschaftsanlagen und sogar zu anonymen Bestattungen. „Ich bedauere das sehr. Manche alte Leute sagen, man könne den Kindern die Grabpflege nicht zumuten. Ich sehe das anders. Die Eltern haben sich einst um die Kinder gekümmert. Es gehört doch selbstverständlich dazu, dass man sich dann um die Gräber der Eltern kümmert“, so Matthias Bartsch. Auf der anderen Seite sehe er aber auch in Staucha sehr viele Leute, die die Grabstellen liebevoll pflegten. Für manche ist die Entscheidung für ein Urnengrab in einer Gemeinschaftsanlage auch eine finanzielle Frage. Solche Gräber haben eine Liegezeit von 20 Jahren. Dafür sind insgesamt 2 390 Euro zu zahlen. In diesem Preis ist bereits alles enthalten, also auch beispielsweise die Bepflanzung und die Pflege der Grabstelle.

Auf den ersten Blick scheint ein Einzelgrab günstiger zu sein. Egal ob für Sarg oder Urne, hier sind in Staucha für 20 Jahre pro Grabstelle 650 Euro an Pacht zu zahlen. Die Pflege und Bepflanzung allerdings muss jeder selbst machen oder einem Gartenbaubetrieb übergeben. Auch einen anderen Trend sieht der Stauchaer Pfarrer äußerst skeptisch - das Anlegen von Friedwäldern. „Warum jemand anonym an irgendeinem Baum begraben werden will, das erschließt sich mir nicht.“ Friedhöfe seien einst aus der Idee der Kirchentreue entstanden. Die Leute hätten eben in der Nähe ihrer Kirche bestattet werden wollen. „Das ist aber heute kaum noch das Motiv“, bedauert der Pfarrer. Es würde heute zu wenig über den Tod gesprochen, das Thema werde verdrängt. Dabei gehöre der Tod zum Leben nun mal dazu. Jeder sollte sich frühzeitig Gedanken machen, wie und wo er bestattet werden wolle und dies möglichst auch schriftlich festlegen, rät er.