erweiterte Suche
Mittwoch, 03.01.2018

Leise striezelt die Wirtschaft

Der Schauspieler Carsten Linke schätzt unangemessenes Verhalten und liebt Loriot, Louis de Funés und Herricht & Preil.

Von Nadja Laske

Derzeit bei Breschke & Schuch zu erleben: Carsten Linke.
Derzeit bei Breschke & Schuch zu erleben: Carsten Linke.

© Sven Ellger

Bevor Carsten Linke den Stock zum Rap schwingt, stützt er sich auf einen Stehtisch und erklärt mit ernster Mine: „Ich war der Klassenclown.“ Noch ist es leer im Theater. Obwohl der Striezelmarkt längst abgebaut ist, läuft der Betrieb der Striezelmarktwirtschaft im Kabarett „Breschke & Schuch“ auch im Januar noch weiter. Dort lässt der Schauspieler zusammen mit seinen Kollegen Thomas Schuch und Daniel Vedres das Jahr nicht übermäßig weihnachtlich Revue passieren – eine Revue, der das Publikum schon seit 14 Jahreswechseln treu ist. Zum ersten Mal jedoch striezelt das Kabarett mit Carsten Linke, einem Urgestein der Dresdner Theaterszene und bekannt für Inszenierungen an zahlreichen Bühnen.

Dessen ernstem Gesicht ist der Klassenclown nicht gleich anzusehen. „Ich habe mit großer Freude unsere Lehrer nachgemacht, am liebsten unseren Biolehrer.“ Auch seine Staatsbürgerkundelehrerin sei ihm ein gutes Vorbild gewesen. Allerdings ganz anders als gedacht. Weder bot ihr Auftreten Anlass zu Neckereien, noch zielte Carsten Linkes Komik auf ihre Staatstreue. „Sie hat mit uns sehr viel Theater gespielt und ans Schauspiel herangeführt“, sagt er. Ihr verdankt er seine frühe Liebe zur Bühne. So setzte sich nach den ersten üblichen Berufswunschbildern Traktorist und Kosmonaut der Drang zum Künstlerischen durch. „Gleich nach der Schule habe ich mich an den Städtischen Bühnen Erfurt beworben.“ So hieß sein erstes Stück, an dem er mitarbeiten durfte, wegweisend „Frühlingserwachen“. Ein älterer Kollege riet ihm bald zu einer soliden Schauspielausbildung, und Linke, Sohn zweier Ingenieure, bewarb sich erfolgreich an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin.

Über die Theater Eisleben und Rudolstadt kam er schließlich als studierter Nachwuchsschauspieler ans Theater Junge Generation in Dresden. An der Staatsoperette übernahm er Gastrollen, drehte Filme, arbeitete als Sprecher beim MDR und als Dramaturg am Societätstheater. Linke führt außerdem Regie und schreibt Stücke.

„Ich habe nicht gleich das Komische gesucht“, sagt er. Aber nach reichlich ernsten Rollen suchte das Komische ihn. Was ist überhaupt komisch? „Unangemessenes Verhalten in einer konkreten Situation“, definiert Carsten Linke. Immer dann, wenn jemand zu viel oder zu wenig reagiere, empfinde der Zuschauer das als komisch. Ein Garant für einen Lacherfolg sei das aber nie. Scheinbar verlässlich gelungen ist das Prinzip allerdings Loriot. Ihn spielte Carsten Linke am TJG und liebt seinen Humor. Zu viel Senf und Schreibmaschinenpapier, die Herr Lohse in „Papa Ante Portas“ kauft, ist eben das berühmte Zuviel. In Ödipussi beweist Winkelmann ein Zuwenig an amourösem Eroberungswille.

Schließlich kam der Schauspielkollege Dirk Neumann auf eine große Idee: Die Herren Herricht & Preil sollten doch die Komik Carsten Linkes ins Schwarze treffen und umgekehrt. Mit ihrem Programm begeistern die beiden seit Jahren ihr Publikum. Enten, die draußen und Gärten, die sauber bleiben, geben halt geniale Lachgarantien. Ähnlich Louis de Funés, der Carsten Linke begeistert – mit seiner unglaublichen „Gesichtsakrobatik“.

„Striezelmarktwirtschaft“: 4./5./9./10./11./12./13. Januar, jeweils 19.30 Uhr bei Breschke & Schuch 4904009 (Di.–Fr., 10–18 Uhr) www.carsten-linke.de

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.