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Freitag, 15.01.2016

Leipziger Chaos-Chronik

Immer wieder kommt es in Leipzig zu gewalttätigen Zusammenstößen, Ausschreitungen oder Anschlägen. Ein Blick auf diesen Teil der Geschichte der Messestadt dokumentiert, welche Ausmaße diese Vorfälle annehmen können.



Diese Seite ist eine Ergänzung zum Artikel "Immer wieder Leipzig" (SZ-Exklusiv) und listet ohne Anspruch auf Vollständigkeit gewalttätige Vorkommnisse in der Messestadt seit 1990 auf.



Tod eines Hooligans: Am 3. November 1990 kam der 18 Jahre alte Berliner Mike Polley ums Leben. Bei den Ausschreitungen im Zusammenhang mit der NOFV-Oberliga-Partie zwischen dem FC Sachsen Leipzig und dem zum FC Berlin umbenannten BFC Dynamo traf den jungen Mann eine Polizeikugel am Leutzscher Bahnhof tödlich.




Hausbesetzer-Szene in Aufruhr: Steffen „Thümi“ Thüm verstand sich als Antifaschist und gehörte zur Connewitzer Hausbesetzerszene. Als der 21-Jährige bei einem vermeintlichen Naziangriff auf Gleichgesinnte helfen wollte, wurde er kurz vor Weihnachten 1992 mit einem Autodieb verwechselt und erschossen. Bei der Verhandlung des Falls stellten die Richter das Geschehen vor Ort noch einmal nach. Ein Universitätsprofessor wurde damals in erster Instanz zu mehr als zehn Jahren Haft verurteilt.




Silvester in Connewitz: Vor allem im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts war der Leipziger Stadtteil zum Jahreswechsel immer wieder Schauplatz von teils heftigen Ausschreitungen. Dabei wurden regelmäßig Polizisten mit Flaschen und Feuerwerk angegriffen, was immer wieder zahlreiche, meist vorläufigen Festnahmen zur Folge hatte.




Spontane Attacke auf das Bundesverwaltungsgericht: Mitte Januar 2015 veranlasste der Mord an dem 20-jährigen Asylbewerber Khaled I. in Dresden und die Zurückhaltung der Polizei bei den Ermittlungen Hunderte Anhänger der linksautonomen Szene in Leipzig dazu, randalierend durch die Stadt zu ziehen. Bei der Spontandemo wurden Schaufenster eingeworfen, Verkehrszeichen herausgerissen, Feuerwerkskörper und Nebelbomben abgefackelt und Polizeiautos und Beamte mit Steinen beworfen. Anschließed wurden etwa 40 Fenster im ersten Stock des Amtsgerichts eingeschmissen. An Fassaden wie der des Bundesverwaltungsgerichts wurden Sprüche wie „RIP Khaled“, „Das war Mord“ und „Stoppt Pegida, Antifa“ gesprüht.




Anschlag auf Minister-Wohnung: Angriffe auf Abgeordnetenbüros sind in Sachsen traurige Realität. Ende November nahmen schließlich Angreifer die Privatwohnung des Justizministers Sebastian Gemkow (CDU) ins Visier - in der auch dessen Frau und seine beiden kleinen Kinder schliefen. Es war der erste Anschlag auf ein privates Domizil eines hochrangigen sächsischen Politikers, nachdem schon eine Reihe von Büros attackiert worden waren – aus dem linken wie auch dem rechten Umfeld.




Neonazis verwüsten Connewitz: Während am 11. Januar in der Leipziger Innenstadt Anhänger und Gegner von Legida zum ersten Jahrestag des asylfeindlichen Bündnisses weitgehend friedlich demonstrieren, randalierten vermummte Rechte in Connewitz. Die Verdächtigen, darunter polizeibekannte Hooligans und Rechtsextreme, schlugen in Connewitz Dutzende Fensterscheiben ein, zündeten mehrere Autos an und feuerten Pyrotechnik ab Insgesamt nahm die Polizei von 211 Verdächtigen die Personalien auf. Gut drei Wochen zuvor hatten Linksextreme über Stunden in der Südvorstadt randaliert.

Fotos in Reihenfolge: SZ-Archiv, dpa, dpa, Daniel Unger, Holger Baumgaertner, dpa.