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Freitag, 29.04.2016

Leipzig zittert um direkten Aufstieg

Die angebliche Pflichtaufgabe wurde zur qualvollen Kür. Am Ende zeigten die Leipziger im vorletzten Heimspiel wieder mal Nerven. Auch das dritte Spiel in Serie blieb sieglos. Nun ist Chef-Psychologe Ralf Rangnick gefragt.

Von Frank Kastner

Leipzigs Atinc Nukan sinkt nach dem Schlusspfiff enttäuscht auf den Rasen.
Leipzigs Atinc Nukan sinkt nach dem Schlusspfiff enttäuscht auf den Rasen.

© dpa

Leipzig. Bei RB Leipzig beginnt im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga das große Zittern. Mit dem 1:1 (1:0) am Freitagabend gegen Arminia Bielefeld haben die Sachsen auch im dritten Spiel hintereinander nicht gewonnen. Damit verpasste es die Mannschaft von Ralf Rangnick, den Vorsprung auf den Relegationsrang auf sieben Punkte zu vergrößern. So hat RB zwei Spieltage vor Saisonschluss nur fünf Punkte Vorsprung auf Verfolger 1. FC Nürnberg, der an diesem Samstag bei Eintracht Braunschweig spielt.

Vor 35 102 Zuschauern in der Red-Bull-Arena brachte Marcel Sabitzer (30.) die Leipziger nach einem kapitalen Abwehrschnitzer von Felix Burmeister in Führung, ehe Brian Behrendt (60.) der verdiente Ausgleich gelang.

Vor dem Anpfiff schnappte sich Rangnick das Mikrofon und hielt eine emotionale Rede im Stadionrund: „Vor vier Jahren stand ich hier an diesem Punkt und sagte: das ist eines der schönsten Stadien in Deutschland, eine wundervolle Arena, hoffentlich wird sie irgendwann mal zu klein. Als ich heute früh aufgewacht bin, war es schon ein schöner Sonnentag. Da hatte ich gespürt, dass es heute ein besonderer Tag werden kann, ihr Teil davon werdet, was heute auf dem Platz passiert. Ich habe meinen Jungs gesagt, wir spielen mehr als nur für drei Punkte. Wir sind heute alle Leipzig.“ Am Ende brachte seine Ansprache nicht den erhofften Erfolg.

Rangnick brachte für den gelbgesperrten Innenverteidiger Willi Orban den Türken Atinc Nukan und für den ebenfalls mit Gelb-Rot ausfallenden Stefan Ilsanker den wiedergenesenen Rani Khedira. Damit setzte der Cheftrainer auf die defensivere Variante. Der zuletzt in seiner pfälzischen Heimat wüst beschimpfte Orban wurde von den RB-Fans mit Transparenten und Sprechchören frenetisch gefeiert. „Das habe ich so noch nicht erlebt. Dankeschön. Ich fühle mich sehr wohl hier“, meinte Orban und analysierte zur Halbzeit seine Kollegen: „Die Körpersprache war sehr gut, das Tor zur Führung verdient.“

Leipzig übernahm sofort die Regie, spielte druckvoll nach vorne, doch die Arminen standen im Strafraum eng im Zweikampf. Erst einen kapitalen Schnitzer von Burmeister vor dem eigenen Sechzehner nutzte Sabitzer, der clever den Ball eroberte und Keeper Wolfgang Hesl umkurvte, zur Führung. Unmittelbar danach hätte Yussuf Poulsen erhöhen müssen: Nach einer Sabitzer-Flanke haute er den Ball aber freistehend aus sechs Metern über den Kasten.

Nach dem Wechsel verpassten es die Leipziger, ein Tor nachzulegen. Stattdessen ließen sie sich zurückfallen und warteten förmlich auf den Ausgleich. Diesen erzielte für die stark kämpfenden Gäste Behrendt nach genau einer Stunde. Nach einer Ecke behinderten sich RB-Keeper Peter Gulacsi und Nukan, den misslungenen Befreiungsschlag von Marcel Halstenberg wuchtete Behrendt aus über 20 Metern mit einem Volleyschuss ins Tor. Danach brachte Rangnick mit Davie Selke und Nils Quaschner zusätzliche Offensivkräfte. Doch Quaschner traf in der Nachspielzeit nur die Latte.