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Donnerstag, 05.10.2017 Aus dem Gerichtssaal

Leichtes Geld mit schwerem Bauschutt

Der Chef und drei Mitarbeiter einer Transportfirma sollen über Jahre im großen Stil Belege gefälscht haben, um Erdaushub günstig abzurechnen.

Von Alexander Schneider

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© dpa

Wo lag der Fehler? Wie war es möglich, dass der Schwindel einer Dresdner Firma für Bautransporte und andere Leistungen jahrelang nicht bemerkt wurde? Vielleicht lag es daran, dass es auf einer Deponie in Radeberg, wo die Firma angeblich tonnenweise Erdaushub zum Recycling abgegeben haben will, gar keine Waage gab, wie es in zig gefälschten Wiegescheinen beschrieben worden war? Seit Mittwoch müssen sich der Chef (34) der Firma, ein Buchhalter (50) und zwei Bauleiter (35, 39) wegen Urkundenfälschungen in vielen Hundert Fällen vor dem Amtsgericht Dresden verantworten.

Laut Anklage haben die Männer seit 2011 immer wieder Bauschutt günstiger entsorgt, als es gesetzlich vorgeschrieben ist. Dazu sollen sie sogenannte Wiegescheine gefälscht haben, mit denen sie den Bauträgern eine ordnungsgemäße Weiterverwertung vorgegaukelt haben. Acht Baustellen listet die Anklage auf – darunter der Abbruch einer Dresdner Grundschul-Turnhalle und die Beräumung von Bauschutt am Koreanischen Platz 2014, den Abtransport von Erdaushub von Mehrfamilienhäusern am Barbarossaplatz 2011 und in der Tiergartenstraße 2014, Erdarbeiten für die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in der Schnorrstraße (2012) oder für eine Grundschule bei Pirna 2013. Tatsächlich sei der Bauschutt auf eigenen Flächen der Firma gelagert worden. Durch eine nichtfachgerechte Entsorgung hätten sich die Angeklagten einen Einkommensvorteil verschafft. Die weit über 700 Wiegescheine seien gefälscht und Fahrer veranlasst worden, sie zu unterzeichnen. Es wurden wohl auch eine Reihe Totalfälschungen und Unterschriften nicht existenter Fahrer sichergestellt.

In einem Rechtsgespräch deutete das Gericht an, es sei auch eine Einstellung der Verfahren denkbar. So hatte Verteidiger Stefan Heinemann angeboten, den Schaden als Ordnungswidrigkeit zu begleichen. Er bot die Rückzahlung der Bauaufträge in Höhe von mehr als 300 000 Euro auf dem Weg der Vermögensabschöpfung an. Die Mitangeklagten erklärten sich bereit, im Falle einer Einstellung ein Jahresgehalt als Auflage zu zahlen – damit könnten alle Männer straffrei bleiben. Die Antwort der Staatsanwaltschaft steht jedoch noch aus. So lange läuft nun das Strafverfahren vorerst weiter. Der Prozess wird daher – vielleicht – Ende Oktober fortgesetzt.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Plauener

    was so alles mit Geld möglich ist - und alle gehen straffrei aus... Der Normalbürger wird beim kleinsten Parkverstoß ermahnt oder per Bußgeldbescheid in die Schranken gewiesen... Je höher der Schaden, desto niedriger die Strafen....

  2. Betrogener

    Das wird schon alles gut gehen für die Ganoven. Der Chef lebt ja schon seit seiner abgebrochenen Lehre von Betrug. Vater und Mutter helfen immer kräftig mit. Neue Firma ist sicher schon gegründet, zur Sicherung des Einkommens aus neuen Betrügereien. Das läuft schon seit über 10 Jahren gut. Hier ist scheinbar die öffentliche Hand das Opfer und da wird es mal verfolgt. Die vielen Anderen sind angeschissen, denn trotz Anzeige passiert da z.B. seit über 2 Jahren nichts.

  3. Betrogener2

    Sehr geehrter Betrogener, ich selber bin vor 4 Jahren ebenfalls von einer Dresdner Firma betrogen worden. Glauben Sie, dass solche Fälle, wie meiner oder dieser hier eine Dresdner Spezialität sind? Nein, sind sie nicht. Sie sind in Deutschland Alltag! Wer etwas ändern will, muss bereit sein einen ehrlichen Blick auf folgende Sachverhalte zu legen: Rechtsstaatsprinzip und Opferschutz , unsere bestehenden Gesetze. Schauen wir uns an, wen wir oftmals hinter Firmen, die vor dem Gesetz angeklagt sind, als Gesellschafter finden. Schauen wir uns an, welchen juristischen Beistand Opfer erhalten. Schauen wir uns insbesondere an, was unser Gesetzgeber zum Thema GmbH und insbesondere zum Thema Insolvenz sagt. Schauen wir uns an, was unser Gesetzgeber zum Thema Schadensregulation (Strafrecht versus Zivilrecht) sagt. Wir reden an allen Stellen von Werten wie Menschlichkeit und Würde. Folgt unsere Wirtschaft diesen Werten? Wer glaubt, Recht sei in diesem Rechtsstaat noch Gerechtigkeit, der irrt.

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