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Mittwoch, 04.11.2015

Lehrer gegen die Kleinstaaterei

Mit einer Online-Petition setzen sich Vertreter aller Bundesländer für einheitliche Bedingungen in den Schulen ein.

Von Carola lauterbach

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Wer für eine bundesweit geltende Bildungspolitik stimmt, möge den Finger heben und das Wort ergreifen.
Wer für eine bundesweit geltende Bildungspolitik stimmt, möge den Finger heben und das Wort ergreifen.

© dpa

  • Wer für eine bundesweit geltende Bildungspolitik stimmt, möge den Finger heben und das Wort ergreifen.
    Wer für eine bundesweit geltende Bildungspolitik stimmt, möge den Finger heben und das Wort ergreifen.
  • Robert Rauh: Bundesländer sollen ihr Bildungsmonopol aufgeben.
    Robert Rauh: Bundesländer sollen ihr Bildungsmonopol aufgeben.

Preisfrage: Wie viele Jahre braucht ein deutscher Schüler an einem allgemeinbildenden Gymnasium bis zum Abitur? Zwölf? Zwölfeinhalb? Oder doch dreizehn? Antwort: Alles ist richtig. Weil jedes Bundesland es für sich entscheiden kann, wie es das handhabt. Selbst die Gewichtung der Prüfungsleistungen im Abitur ist von Land zu Land verschieden. Lehrpläne sowieso. Und Schulformen erst recht. Verrückt? Ja, sagt der Berliner Lehrer Robert Rauh. Dient das der Chancengerechtigkeit, der Mobilität und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit? Mitnichten, so der Pädagoge.

Gestern startete der im Jahr 2013 als „Lehrer des Jahres“ Ausgezeichnete einen neuen Vorstoß zur Reformierung des Bildungssystems in Deutschland. Mit dem Dresdner Lehramtsstudenten Stefan Silber initiierte Robert Rauh einen intensiv diskutierten Appell für eine sogenannte openPetition „Schluss mit der Kleinstaaterei im Schulwesen“.

Rauh ist „Wiederholungstäter“. Schon Ende 2013 veröffentlichte er einen Aufruf für eine bessere und gerechtere Schule in Form eines Zehn-Punkte-Programms. Die erforderlichen 10 000 Unterschriften kamen zwar nicht zusammen. Doch immerhin sprachen sich 6 500 Menschen für seine Vorstellungen aus.

Auch mit seinem Anfang September 2015 erschienenen Buch „Schule setzen. Sechs“ schrieb er sich in die Herzen vieler, die meinen, Schule geht viel besser zu machen. Auch dort prangert er den Bildungsföderalismus an und preist bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen für Schule – begonnen bei den Schulformen, über Prüfungs- und Versetzungsordnungen bis zu Lehrplänen und der Lehrerausbildung. Und er bekommt viel zustimmende Post. Dabei spricht er – auch in seinem jüngsten Aufruf – keineswegs der Einheitsschule das Wort. Die Vereinheitlichung „sollte nicht auf Kosten der vielfältigen pädagogischen Konzepte und regionalen Besonderheiten in der Schullandschaft durch die Schaffung eines zentralstaatlichen Bürokratiemonsters gehen“, heißt es. Diese Balance, so Rauh, sei die größte Herausforderung bei der Abschaffung der Kleinstaaterei.

Der Appell, der von je einem Erstunterzeichner aus jedem Bundesland getragen wird – Arzt, Musiker, Sekretärin, Architekt, Busfahrer –, begründet den Vorstoß in sieben Punkten und bietet gleichzeitig Alternativvorschläge zum Bildungsföderalismus. So könne etwa die Einsparung von 16 Kultusverwaltungen finanzielle Spielräume für die Ausstattung von Schulen schaffen. Die Einberufung eines Deutschen Bildungsforums, so die Initiatoren des Appells, sei prädestiniert, Empfehlungen für eine länderübergreifende Vereinheitlichung der Schulformen, Kerninhalte von Lehrplänen und mehr auszusprechen.

Es scheint, Rauh hat wieder einen Nerv getroffen. Schon wenige Stunden nach Start der Online-Aktion konnten am Nachmittag 261 Unterstützer registriert werden.

www.schul-gerecht.de

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. peter michael

    Nun denn ein etwas vernünftig denkender intelligenter Mensch versteht diese kleinstaaterei nicht .Auch verstehe zumindest ich nicht welche regionale Besonderheiten es bei Bildung in Deutschland gibt. Bildung muß in einer Demokratie chancengleich sein u.das kann nur zentral geregelt werden. Ein Zweiklassensystem existiert ohnehin schon ,wer es sich leisten kann gibt sein Kind in eine private Bildungseinrichtung. Bildung ist neben Gesundheit u.Sicherheit eine der wichtigsten Verantwortung die der Souverän (Bürger)dem Staat übertragen hat. Nur ist dieser Staat so wie er zZ.existiert nicht der Zeit mitgewachsen.Es gibt in allen Bereichen Strukturen wie es sie teilweise im alten Preussen gab.Das beginnt mit dem Beamtentum u.geht in der Schule bis zum starren Benotungssystem.Die hier dargelegten Einsparungen in Kultusverwaltungen um Himmelswillen das geht schon gar nicht - Aber der Name sagt alles VERWALTUNGEN ja keine Kreativität .Im Vergleich zu Indonesien,Afrika,sind wir ja weit besser

  2. peter michael

    Nun denn ein etwas vernünftig denkender intelligenter Mensch versteht diese kleinstaaterei nicht .Auch verstehe zumindest ich nicht welche regionale Besonderheiten es bei Bildung in Deutschland gibt. Bildung muß in einer Demokratie chancengleich sein u.das kann nur zentral geregelt werden. Ein Zweiklassensystem existiert ohnehin schon ,wer es sich leisten kann gibt sein Kind in eine private Bildungseinrichtung. Bildung ist neben Gesundheit u.Sicherheit eine der wichtigsten Verantwortung die der Souverän (Bürger)dem Staat übertragen hat. Nur ist dieser Staat so wie er zZ.existiert nicht der Zeit mitgewachsen.Es gibt in allen Bereichen Strukturen wie es sie teilweise im alten Preussen gab.Das beginnt mit dem Beamtentum u.geht in der Schule bis zum starren Benotungssystem.Die hier dargelegten Einsparungen in Kultusverwaltungen um Himmelswillen das geht schon gar nicht - Aber der Name sagt alles VERWALTUNGEN ja keine Kreativität .Im Vergleich zu Indonesien,Afrika,sind wir ja weit besser

  3. Siggi

    Die katastrophalen Folgen der unterschiedlichen Schulbildung in D sind nicht mehr zu leugnen: Unterschiedliche Schulbücher, schlecht ausgebildete, zu alte und demotivierte Lehrer, demzufolge demotivierte Schüler, demzufolge wütende, hilflose Eltern... Zu Hause gehts weiter mit Medienverblödung, PC . missbrauch... das Produkt davon: Für Berufsausbildung nicht geeignete Schulabgänger, welche nicht mal richtig lesen und schreiben können, welche wiederum demotiviert sind und voller Enttäuschung auf die Gesellschaft und auf das Bildungssystem wütend sind. Das ist derzeit das Bild. Da helfen auch keine Einwanderer, die machen alles noch viel schlimmer!!!

  4. RU

    Die Bildungs-Kleinstaaterei in Deutschland verursacht viele Probleme und ist zudem noch sehr teuer. Das zu ändern wäre eine wirkliche Reform, die die Bezeichnung Reform auch verdienen würde. Leider ist die Regierung unwillig, eine solche Veränderung durchzuführen und der Druck der Bevölkerung ist bisher auch nur verhalten, so dass wohl alles noch viele Jahre so bleiben wird. Schade für Deutschland!

  5. Michael H.

    Viele Bundesländer sind größer als viele Mitgliedsländer der EU. Natürlich alle mit eigenen Bildungssystemen. Da redet niemand von Kleinstaaterei. Es gibt bei uns in D. Bundesländer, die bei internationalen Tests deutlich besser abschneiden als andere. Niemand hindert die schwächeren Länder, es den besseren nachzumachen. Eine Zentralisierung würde zu einer Gleichmacherei auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner führen. Zudem wird die Kulturhoheit der Länder im Grundgesetz geschützt und die Länder haben die durchaus unterschiedlichen Bildungsziele zumeist in ihren Landesverfassungen festgeschrieben. Die Vielfalt macht D. stark, nicht Gleichmacherei.

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