Freitag, 23.11.2012

Lego staunt Klötze

Die Dänen brechen alle Rekorde. Im Weihnachtsgeschäft könnte es zu Engpässen kommen.

Von Thomas Borchert

Lego immer und überall. Foto: dpa
Lego immer und überall. Foto: dpa

Am Kalauer mit dem „Bauklötze staunen“ über Lego kommt man beim vorweihnachtlichen Besuch in der Konzernzentrale Billund nur schwer vorbei. Den Boom bei Europas größtem Spielwarenhersteller mit zweistelligen Zuwachsraten seit sieben Jahren haben auch Finanzkrise, sinkende Einkommen und Explosion der Arbeitslosigkeit in Südeuropa nicht gebremst. Für dieses Weihnachtsgeschäft rechnen die Dänen wieder mit einem Plus von 20 Prozent.

Gerade erst sei der Spielzeugmarkt im Euro-Krisenland Spanien um 25 Prozent eingebrochen, aber: „Lego ist um 17 Prozent gewachsen“, berichtet Europa-Chef Dirk Engehausen. Eltern schenken weltweit wieder deutlich mehr Spielzeug zum Befühlen und Anfassen statt nur noch Computerspiele. Bis Mitte des letzten Jahrzehnts hatte der unaufhaltsam wirkende Vormarsch elektronischer Spielwaren Lego an den Rand des Ruins getrieben. Die Wiederauferstehung seitdem hat auch in Billund selbst überrascht, wie Engehausen unumwunden eingesteht: „2004 hätten wir bestimmt keine Verdreieinhalbfachung des Umsatzes erwartet, sondern gesagt, jedes Jahr fünf Prozent wären auch schon toll.“

Im Licht der weltweiten Stagnation bei Spielwaren in den vergangenen Jahren steht der Lego-Erfolg umso glänzender da. In Deutschland konnten die Dänen ihren Marktanteil nach eigenen Angaben von 9,2 Prozent (2004) auf jetzt 17 Prozent steigern. Auch hier hat die neue Mädchenserie „Friends“ derart eingeschlagen, dass die Spritzgussmaschinen in Billund sowie in neueren Fabriken in Tschechien und Ungarn nicht genügend Klötze für das Weihnachtsgeschäft ausspucken konnten.

Darth Vader hilft

„Es kann Engpässe geben, dabei haben wir schon mehr als das Doppelte an den Handel geliefert als geplant war“, sagt der Europachef mit Sitz in München. Er freut sich, dass Lego mit seinen diversen Serien wie Duplo, City, Technic und jetzt mit Friends für Mädchen „den Zeitgeist getroffen hat“. Die Jungen unter Legos Abnehmern aber dominieren mit 90 Prozent klar und spielen besonders gerne mit Bausätzen aus der Filmserie „Krieg der Sterne“. Dass deren Schöpfer George Lucas sein Werk an den Disney-Konzern verkauft hat, freut die Dänen, weil nun bis 2018 drei neue Star-Wars-Filme angekündigt sind. „Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass es keine neuen Filme mehr geben wird,“ sagte Verkaufschef Mads. Als Sinnbild und entscheidenden Auslöser für den hart erkämpften und mitunter trotz falscher Entscheidungen erreichten Erfolg gilt in Billund Konzernchef Jørgen Vig Knudstorp. 2004 vom Familieneigner Kjeld Kirk Kristiansen (64) in der tiefsten Krise als 35-Jähriger an die Spitze geholt, setzte er im Lego-Alter eine harte Kur in Gang – mit dem Verkauf der Legoland-Parks, einem deutlich verschärften Arbeitstempo und der Auslagerung der Klötzeproduktion an den nordamerikanischen Flextronics-Konzern. Das Outsourcing nahm Knudstorp nach zwei Jahren als klare Fehlentscheidung zurück. Der Stammsitz, wo ab 1932 der Tischler Ole Kirk Christiansen aus blanker Not Holzspielzeug unter dem Namen Lego („Leg godt“ = „Spiele gut“) fertigte, ist heute wieder Produktionszentrum mit 3.500 der insgesamt 11.000 Lego-Beschäftigten. Für Besucher hermetisch geschlossen ist die Werkstatt der 140 Lego-Designer in Billund, wo Henrik Andersen (38) arbeitet. „Wir entwickeln heute innerhalb eines Jahres, was früher drei Jahre gedauert hat“, sagt er. Aber andererseits bastelt er eben wie eh und je mit Hand an neuen Feuerwehrautos, Lastwagen und Containerschiffen herum, die zum Serienbausatz in einer Pappbox werden sollen.

Als entscheidende Wende durch Lego-Chef Knudstorp gilt dessen Rückbesinnung auf die Bauklötze. Und an Selbstbewusstsein fehlt es dem heute 44-Jährigen auch nicht. Bei der Vorstellung der Jahresbilanz für 2011 mit dem Rekordgewinn von 4,1 Milliarden Kronen (rund 551 Millionen Euro) sagte er: „Lego ist einzigartig. In der eigenen Branche kann man unsere Position mit der von Apple in deren vergleichen.“ In etwa fünf Jahren will Lego die noch unbeackerten Märkte in Asien durch neue Fabriken vor Ort beliefern. Bei Gesprächen in Billund wird auf die Frage nach den größten potenziellen Gefahren für Lego oft „zu heftiges Wachstum“ genannt. (dpa)

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