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Freitag, 12.01.2018

Legendäre Räder in der Tenne

Die Gemeinde arbeitet an einer Fahrraderlebniswelt, um auch für Touristen attraktiver zu werden. Und verbündet sich dazu mit einem sehr rührigen Verein.

Von Ines Scholze-Luft

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Ein Vorläufer der künftigen Fahrraderlebniswelt: So sah es in der Tenne am Weinböhlaer Kirchplatz 5 im vergangenen Jahr zur Schau 200 Jahre Fahrraderfindung aus.
Ein Vorläufer der künftigen Fahrraderlebniswelt: So sah es in der Tenne am Weinböhlaer Kirchplatz 5 im vergangenen Jahr zur Schau 200 Jahre Fahrraderfindung aus.

© Arvid Müller

  • Ein Vorläufer der künftigen Fahrraderlebniswelt: So sah es in der Tenne am Weinböhlaer Kirchplatz 5 im vergangenen Jahr zur Schau 200 Jahre Fahrraderfindung aus.
    Ein Vorläufer der künftigen Fahrraderlebniswelt: So sah es in der Tenne am Weinböhlaer Kirchplatz 5 im vergangenen Jahr zur Schau 200 Jahre Fahrraderfindung aus.
  • Die Tenne auf dem Kirchplatz 5 in Weinböhla.
    Die Tenne auf dem Kirchplatz 5 in Weinböhla.

Coswig. Ein Fahrrad hat Weinböhla zwar nicht im Wappen. Aber es würde sich dort gut machen. Hat die Gemeinde doch viele Beziehungen zu dem beliebten Fortbewegungsmittel. Nicht nur attraktive Radwege wie die voriges Jahr eingeweihte Weinroute. Seit mehr als 120 Jahren machen die Radsportler des Ortes von sich reden.

Jetzt will die Gemeinde noch eins draufsetzen, mit einem ganz neuen touristischen Angebot. Sie arbeitet an einer Fahrraderlebniswelt, die in der Tenne im gemeindeeigenen Grundstück Kirchplatz 5 entstehen soll. Nicht nur mit vielen historischen Rädern. Sondern auch mit Fahrradwerkstatt, Fahrradparcours, einer E-Bike-Ladestation und Ausprobierrädern, sagt Hauptamtsleiterin Julia Schneider.

Die Neuentwicklung soll alles andere als ein verstaubtes Museum werden, weshalb es unter anderem Monitore geben wird, auf denen sich die Radentwicklung nachvollziehen lässt.

Insgesamt wird die neue Einrichtung 1 370 000 Euro kosten, so ist es bisher veranschlagt. Betreiber wird die Gemeinde sein, konkret die kommunale Zentralgasthof GmbH.

Julia Schneider zufolge ist die Gemeinde seit Längerem an dem Vorhaben dran. Sie habe der Landesdirektion Visionen vorgelegt, im August den Förderantrag gestellt, in die Planung investiert. Eine Beratung vorige Woche mit der Landesdirektion habe ergeben, dass etwas Nacharbeit nötig ist, es sonst aber nicht schlecht aussieht. Ende Februar wird über den Antrag entschieden.

Bei einem positiven Bescheid soll möglichst ab Herbst gebaut werden, voraussichtlich bis Ende 2019. Dabei wird im Erdgeschoss ein großzügiges Foyer entstehen, mit Sanitäreinrichtungen, touristischen Informationen und einer Einführung in die Schau. Das Obergeschoss, auch per Aufzug zu erreichen, zeigt den größten Teil der Ausstellung. Die Liste der Exponate – von Radfahrerverein und Mitgliedern zur Verfügung gestellt – steht bereits fest. Mit dem Verein verbindet die Gemeinde seit Jahren eine gute Zusammenarbeit.

Vereinsmitglied Steffen Stiller bestätigt das. Aus seiner rund 100 Räder umfassenden Sammlung aller Epochen – von Lauf- bis Militärrad – werden viele in der Erlebniswelt zu sehen sein. Etwa 60 zeigt die künftige Ausstellung insgesamt. Neben den seltenen Zweirädern gibt es jede Menge Informationen unter anderem zur Fahrradindustrie in Weinböhla und ganz Sachsen. Außerdem soll der Besucher auch selbst mal an einem Schaltrad drehen können und später Vereinsevents miterleben wie Radwanderungen, Vorträge und Fahrradfeste.

Der Radfahrerverein wurde mit der Velocipediade im vergangenen Jahr noch bekannter. Die Weinböhlaer richteten das 20. Jahrestreffen des in Deutschland ansässigen Vereins historische Fahrräder aus, zu dem sich 240 Zweiradfreunde aus aller Welt einfanden. Die sich auch für die damals laufende Schau 200 Jahre Fahrraderfindung mit 70 geschichtsträchtigen Rädern interessierten, organisiert von Steffen Stiller.

Für die Präsentation dieser Räder wird nun eine Dauerlösung gefunden, hoffen Gemeinde und Radfreunde. Damit kann der Tourismus weiter angekurbelt werden, lässt sich Weinböhla als staatlich anerkannter Erholungsort weiterentwickeln. Gleichzeitig ergibt sich für die Tenne – ein großes sanierungsbedürftiges Gebäude unter Denkmalschutz – eine neue Bestimmung. Auch an die bisherigen Veranstalter in der Tenne ist gedacht. Um einen Ausweich für Geflügel- und Kaninchenzüchter zu finden, laufen der Gemeinde zufolge noch Verhandlungen.