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Rabenau Montag, 09.09.2013

Leerstand am Rabenauer Markt

Ein Café soll Passanten ins Zentrum locken. Die Vermieter der verlassenen Geschäfte bleiben dennoch skeptisch.

Von Marleen Hollenbach

Im Laden an der Ecke kauft heute keiner mehr ein. Aber auch für das Geschäft von Joachim Paul, das sich gegenüber befindet, gibt es derzeit keinen Mieter. Foto: Dirk Zschiedrich
Im Laden an der Ecke kauft heute keiner mehr ein. Aber auch für das Geschäft von Joachim Paul, das sich gegenüber befindet, gibt es derzeit keinen Mieter. Foto: Dirk Zschiedrich

Leise ist es am Rabenauer Markt. Im Springbrunnen plätschert das Wasser. Der Platz vor dem Rathaus ist menschenleer. Auch auf den Fußwegen fehlen die Passanten. Ein verlassenes Schaufenster fällt sofort ins Auge. Die alten Öffnungszeiten kann man noch lesen. Dass hier aber schon lange keiner mehr einkaufen kann, verraten die trostlosen Räume hinter der Scheibe. Die Ladenfläche gehört Joachim Paul. Zwischen 1990 und 2011 konnten die Rabenauer in dem 63 Quadratmeter großen Geschäft Blumen kaufen. Doch weil sich in der Umgebung mehr Floristen ansiedelten, fiel das Geschäft der Konkurrenz zum Opfer. Seither fehlt ein neuer Mieter. „Es ist nicht leicht, jemanden zu finden, der die Räume beziehen will“, sagt Joachim Paul. Die Lage sei Schuld, erklärt der Vermieter weiter. Am Markt in Rabenau würden vor allem kaufkräftige Passanten fehlen. Anspruchsvoll ist der Rabenauer Vermieter nicht. Von einem Versicherungsbüro, über einen Laden bis hin zu einer Begegnungsstätte könnte er sich in seinen Räumlichkeiten eigentlich alles vorstellen. Dennoch blieb seine Suche bisher recht erfolglos.

Das hat auch einen guten Grund. Brot und Brötchen kaufen, Obst und Gemüse einholen, Geld abheben – das war bisher alles, was die Passanten auf dem Markt in Rabenau erledigen konnten. Als dann auch noch die Schlecker-Filiale schloss, sah es für den Platz vor dem Rathaus noch düsterer aus. Doch hier konnte eine Lösung gefunden werden. Der Aventinum Pflegedienst eröffnete kürzlich ein Museumscafé. „Ich freue mich sehr über diesen Schritt des Pflegezentrums, hier am Rabenauer Markt solch ein Café zu etablieren“, erklärt Rabenaus Bürgermeister Thomas Paul (CDU). Ein geselliger Ort soll das neue Café sein, und die Anwohner zum Bummeln an den Markt locken. Wie schwer es ist, Gastronomie anzusiedeln, das weiß der Bürgermeister genau. „Seit Jahren sind wir auf der Suche nach einem Mieter für den Ratskeller. Bisher allerdings erfolglos.“ Erst kürzlich hat wieder ein Interessent abgesagt. Wie die Gastwirte scheuen sich auch die Händler, am Rabenauer Markt ein Geschäft zu eröffnen. „Die Leute wollen hier wahrscheinlich auch einfach nicht einkaufen gehen“, sagt Thomas Paul. Eine gute Verkehrsanbindung und eine hohe Ladendichte in Freital und Dippoldiswalde würden dafür sorgen, dass die Rabenauer die Stadt verlassen, wenn sie ihre Einkäufe erledigen wollen. Dennoch hat man seitens der Stadt nicht aufgegeben, mehr Rabenauer, aber auch Touristen auf den Marktplatz zu locken. Der historische Markt hat Flair und Potenzial. Doch viele Wanderer, die im Rabenauer Grund unterwegs waren, scheuten bisher den beschwerlichen Aufstieg über den Mühlberg zum Rabenauer Markt. „Damit die Touristen dennoch diesen Weg einschlagen, haben wir in diesem Jahr noch eine Attraktion hinzugefügt“, sagt Thomas Paul. Gemeint ist die Postmeilensäule. Zwischen 1730 und 1960 schmückte die schon einmal den Markt. Im vergangenen Mai wurde eine neue Säule an der alten Stelle platziert.

Mehr Touristen könnten sich auch für den Vermieter Joachim Paul auszahlen. Doch der bleibt skeptisch. „Das Café hat ja nicht jeden Tag geöffnet“, begründet er seine Zweifel. Was den Händlern aber helfen könnte, glaubt Joachim Paul zu wissen. „Früher konnte man direkt vor den Geschäften parken. Das wäre sinnvoll, weil die Kunden ihren Einkauf nicht quer über den Markt tragen wollen.“