erweiterte Suche
Mittwoch, 04.10.2017

Leere Läden statt Flaniermeile

An der Dresdner Straße in Freital steht jedes achte Geschäft leer. Doch es gibt Ideen, daran etwas zu ändern.

Bild 1 von 2

Problemkind Dresdner Straße in Freital.
Problemkind Dresdner Straße in Freital.

© Andreas Weihs

  • Problemkind Dresdner Straße in Freital.
    Problemkind Dresdner Straße in Freital.

Freital. Schaufensterläden, die mit Folien verhängt sind und mit Aushängen nach neuen Mietern suchen, sind derzeit keine Seltenheit an der Dresdner Straße. Besonders in Potschappel fallen die leerstehenden Räume besonders auf, reihen sich teilweise direkt aneinander. Warum ist es so schwer, Mieter an Freitals größter und frequentiertester Straße zu finden? Gibt es vielleicht sogar eine einfache Lösung? Und welche Ursachen hat der Leerstand überhaupt? Die Sächsische Zeitung analysiert den Ist-Zustand und zeigt Auswege auf.

Probleme und Lösungsansätze

1 von 7

Die Bilanz I: Rund jedes achte Geschäft steht leer

Läuft man die Dresdner Straße von Norden nach Süden entlang, zieht sich bereits ab dem Potschappler Bahnhof eine lange Kette leerstehender Läden. Besonders auffällig ist dabei der Abschnitt ab dem Vodafone-Shop an der Kreuzung Dresdner Straße/Coschützer Straße. Ab diesem stehen – auf beide Straßenseiten verteilt – sieben Gewerberäume auf einer hundert Meter langen Strecke leer. Nach einer Zählung der Sächsischen Zeitung gibt es an der Dresdner Straße insgesamt 180 Läden. 22 davon stehen derzeit leer. Dies bedeutet, dass rund jeder achte Gewerberaum derzeit ungenutzt ist.

Die Bilanz II: Viel Gastronomie in Potschappel

Ebenfalls in Potschappel fällt besonders die Dominanz der Gastronomie auf. Allein drei Döner-Läden auf einer Strecke von circa 500 Metern verdeutlichen die große Zahl an Restaurants und Imbissen. Ab der Kreuzung Dresdner Straße/Poisentalstraße wechselt dieses Bild. Hier hebt sich dicht gedrängt eine Vielzahl verschiedener Einzelhändler hervor. Auch die allgemeine Verteilung fällt ins Auge. Während sich in den nördlichen und mittleren Bereichen der Dresdner Straße das Angebot an Einzelhändlern häuft, flacht dieses ab dem Standort der Papierfabrik stark ab.

Die Ursachen: Image, Verkehr und Bequemlichkeit der Kunden

Eine Idee davon, wie es um das Image der Stadt Freital bestellt ist, liefert das Internet. Wer das Suchwort Freital in eine Suchmaschine eingibt, bekommt neben der Website und dem Wikipedia-Artikel der Stadt Berichte über Fremdenfeindlichkeit und die Gruppe Freital. Da das Internet jedoch oft Anlaufstelle Nummer eins ist, wenn es darum geht, Erstinformationen über einen möglichen neuen Geschäftsstandort einzuholen, lässt die Recherche wenig positives Licht auf die Stadt fallen. Doch kann der angekratzte Ruf Freitals alleiniger Grund für den Leerstand sein?

Nein, findet zumindest Andreas Klang, Inhaber des Immobilienbüros Hagen und Klang, ansässig an der Dresdner Straße. „Die Kaufkraft und die Attraktivität fehlt ebenso. Wer aus Freital und den umliegenden Stadtteilen fährt denn nicht lieber nach Dresden zum Einkaufen? In den Elbepark zum Beispiel. Was reizt den Kunden an der Dresdner Straße, wenn man einige Kilometer entfernt alles auf einem Fleck hat?“, argumentiert Andreas Klang. Auch die Bequemlichkeit sei ein wichtiger Faktor, da man online ebenfalls sämtliche Alltagsgegenstände kaufen könne und diese auch noch bis vor die Tür geliefert werden, so Klang. Die Mietpreise hingegen seien kein Faktor, da diese derzeit sehr niedrig seien.

Ein weiteres Problem ist der viele Verkehr. Um der Dresdner Straße den Ruf einer Einkaufsmeile einzubringen, müsste dieser verringert werden. Durch die Lautstärke und die vielen Abgase leiden laut Klang vor allem Gastronomie, da beispielsweise Straßencafés durch diese äußeren Einflüsse stark beeinträchtigt werden.

Die Lösung I: Attraktivität durch besondere Angebote

Freital muss besonders werden, indem es Nischen besetzt. Dies wären beispielsweise Fachgeschäfte für Sport, welche man auf der Dresdner Straße vergeblich sucht – und Läden für Outdoorkleidung. Bestes Beispiel dafür, dass solch ein Spezialgeschäft funktionieren kann, ist die Papeterie Knauer. Das Angebot an Schulranzen ist dort so groß und die Beratung derart gut, dass sogar Kunden aus Dresden nach Freital kommen. Auch Kultur wäre ein möglicher ausbaubarer Stützpfeiler, sagt Immobilienmakler Andreas Klang. Ideen für eine Kleinkunstbühne im geplanten neuen Stadtzentrum wurden bereits laut.

Die Lösung II: Läden werden zu Wohnungen

Der Umbau ungenutzter Gewerberäume zu neu sanierten Wohnungen ist eine weitere Möglichkeit, um dem Leerstand entgegenzuwirken. Diese finden beispielsweise mit Studenten aus der Landeshauptstadt auch schnell Abnehmer. Da die Mieten in Dresden derzeit sehr hoch sind, wird das Umland für diese immer attraktiver. Durch die Nähe Freitals zu Dresden und die gute Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel wären vor allem Potschappel und Deuben geeignete Wohnorte. Durch die neuen Anwohner könnten ebenfalls die bestehenden Geschäfte profitieren.

Die Lösung III: Industrie ansiedeln, um Leute in die Stadt zu locken

Um die Kaufkraft weiter zu steigern, benötigt Freital neue Käufer. Eine Möglichkeit, um diese in die Stadt zu locken, wären Industriearbeitsplätze, meint Andreas Klang. „Bekommt man Leute zum Arbeiten in die Stadt, bekommt man auch Leute, die sich hier ansiedeln werden. Die nach der Arbeit zu erledigenden Aufgaben könnten dann schnell auf der Dresdner Straße getätigt und der Weg in die Landeshauptstadt gespart werden“, meint er. Dazu wäre jedoch eine bessere Anpassung an die Bedürfnisse, wie beispielsweise eine Drogerie, nötig.

Die Lösung IV: Füllt das neue Zentrum die Magistrale mit neuem Leben?

Ein wichtiger Faktor, der vor allem in Zukunft Einfluss auf das Geschehen an der Dresdner Straße nehmen wird, ist das geplante neue Stadtzentrum. Durch den neuen Anziehungspunkt und die zentrale Lage in Deuben könnte auch die Dresdner Straße an sich profitieren.