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Samstag, 11.11.2017

Leere Läden an der Leipziger

Läden schließen, Nachmieter werden kaum gefunden. Dennoch entsteht mehr Platz für Gewerbe.

Von Sarah Herrmann

Während in der neuen Markuspassage neue Läden entstehen, wird für viele Geschäfte entlang der Leipziger Straße ein Nachmieter gesucht.
Während in der neuen Markuspassage neue Läden entstehen, wird für viele Geschäfte entlang der Leipziger Straße ein Nachmieter gesucht.

© Rene Meinig

Das Ladenroulette auf der Leipziger Straße dreht sich. Erst kürzlich musste eine kleine Modeboutique an der Ecke zur Kötzschenbrodaer Straße schließen. An etlichen Türen und Schaufenstern prangen Banner, welche die Gewerbefläche dahinter anpreisen. Doch auch Eröffnungen können gefeiert werden und neue Gewerbeflächen werden gebaut.

Die Neuen: Neueröffnungen gab es 2017 vor allem in der Gastronomie

Trotz der angespannten Lage eröffnen neue Läden: Zuletzt machten Anja Mangatter und ihr Mann ein Kosmetik- und Fotostudio mit Visagistenschule auf. Das Ehepaar hatte zuvor vier Jahre einen Kosmetikladen auf der Mohnstraße in Pieschen. Der lief gut, platzte aus allen Nähten. Auch deswegen fiel der Schritt, einen neuen Laden auf der Leipziger Straße zu eröffnen, nicht schwer. Vor allem die gastronomische Vielfalt ist dort in diesem Jahr gewachsen. So hat Anfang September das Asia-Restaurant „Sala“ eröffnet. Ebenfalls 2017 machten ein vietnamesischer Streetfood-Imbiss an der Ecke zur Wurzener Straße sowie – nur wenig entfernt – die Kneipe „Maria“ auf.

Die Alteingesessenen: Händler fürchten sich vor einem Globus-Markt

Während die neuen Geschäfte noch versuchen, sich Stammkundschaft aufzubauen, sind alteingesessene Händler damit beschäftigt, sich über Wasser zu halten. „Das geht nicht ohne Selbstausbeutung“, sagt Anwohnerin und Ortsbeirätin Heidi Geiler (Freie Bürger). Sorge bereitet ihr vor allem die einstige Prachtmeile Pieschens, die Oschatzer Straße. „Die funktioniert nicht“, so Geiler. Zwar befindet sich an der Ecke zur Leipziger Straße der älteste Laden Pieschens. Seit nunmehr 110 Jahren gibt es den Eisenwarenladen, den Lolita Kliemann 2007 übernommen hat. Neben Eisen-Feustel in der Neustadt ist es der einzige Fachmarkt in Dresden. Auch für Kliemann ist es nicht leicht, sich gegen die Konkurrenz aus dem Netz und den Baumärkten zu behaupten. Sie fürchtet vor allem den geplanten Globus-Markt am Alten Leipziger Bahnhof.

Ihre Sorge teilen auch viele andere Händler, wie bei mehreren Diskussionsrunden klar wurde. Der Handelsriese will auf dem eigenen Grundstück einen Markt mit rund 8 000 Quadratmeter Verkaufsfläche eröffnen. Doch die Stadt sucht bereits nach einer Alternativfläche. Außerdem wird der Masterplan für eine Bebauung der Leipziger Vorstadt mittlerweile ohne den Markt weiter bearbeitet.

Die Ehemaligen: Leerstand nimmt zu, vor allem am Goldenen Lamm

„Eine auffällig hohe Leerstandsrate gibt es seit Langem entlang der Oschatzer Straße und auch an einzelnen Stellen entlang der Leipziger Straße“, teilt Stadtsprecherin Anke Hoffmann im Auftrag des Amts für Wirtschaftsförderung mit. Auf den beiden Straßen sei die Zahl der leer stehenden Läden seit 2012 von knapp 30 auf etwa 40 gestiegen – so die nicht ganz genauen Orientierungswerte aus dem Stadtplanungsamt. „Auf der Leipziger Straße ist insbesondere im Bereich des sogenannten Goldenen Lamms zwischen Dreyßigplatz und Bunsenstraße seit einiger Zeit vermehrter Leerstand festzustellen“, so Hoffmann weiter. Die Ursachen seien nicht untersucht worden. Als eine Erklärung gibt aber auch das Amt für Wirtschaftsförderung die Revitalisierung des Straßenbahnhofs an. „Dort gibt es ein sehr umfängliches Nahversorgungsangebot mit mehreren Magnetbetrieben. Der Oschatzer Straße fehlen solche Magnetbetriebe, die für die notwendige Passantenfrequenz sorgen und damit die Existenz kleinerer Fachgeschäfte zu sichern helfen.“ David Tobias vom Sächsischen Handelsverband Dresden macht die ungewisse Zukunft für den Leerstand verantwortlich. Er spielt damit auf die Globus-Pläne an. „Hier ist die Hängepartie in der politischen Arbeit Gift für die Händler. Im Zweifel ziehen sich Unternehmen leider eher zurück, was für die kleinteilige und vielfältige Struktur des Stadtteils negativ ist“, so der Experte.

Die Zukünftigen: Die ersten Läden in der Markuspassage sind vermietet

Trotz des hohen Leerstands entstehen neue Gewerberäume. Zwischen Leipziger und Bürgerstraße werden Mehrfamilienhäuser mit 114 Mietwohnungen sowie elf Läden errichtet. Erst kürzlich hat dort die Eismanufaktur Nepple ihr erstes Eiscafé eröffnet. Auf der Torgauer Straße wird weiter produziert, Eisbecher gibt es ab sofort in der Hans-Fromm-Straße 7. Vor dem neuen Café sollen noch die sogenannten Markusstufen entstehen. Auf den Treppen zur Leipziger Straße können Leute im Sommer sitzen. Der Platz soll begrünt werden. In drei weitere Flächen ziehen ein Reisebüro, ein Friseursalon und eine Schneiderei ein. Das Amt für Wirtschaftsförderung geht davon aus, dass die neuen Mieter der Markuspassage das Gebiet wieder beleben.