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Dienstag, 02.02.2016

Lebensretter vor der Kamera

Peter Seifert und Christoph Neidhardt erleben den Unfall im Chemiewerk jetzt noch einmal. Für eine Fernsehsendung.

Von Heike Sabel

Noch einmal versetzen sich Christopher Neidhardt (r.) und Peter Seifert in die Situation vor über einem Jahr. Sie leiteten den Einsatz an der Pirnaer Chemiefabrik.
Noch einmal versetzen sich Christopher Neidhardt (r.) und Peter Seifert in die Situation vor über einem Jahr. Sie leiteten den Einsatz an der Pirnaer Chemiefabrik.

© Norbert Millauer

Pirna. Beim ersten Piepser dachte Peter Seifert, das wird ein Einsatz wie immer. Als der Piepser das zweite Mal Alarm gab, da wusste er: okay, das wird was Größeres. Wie groß ahnte er da noch nicht. Christoph Neidhardt stand unter der Dusche, als der Piepser ihn rief. Es war der 1. Dezember 2014. An diesem Tag gab es in der Pirnaer Chemiefabrik einen tragischen Unfall, der ein Todesopfer fordert. Die beiden DRK-Rettungsdienstler kehrten jetzt noch einmal den Ort des Geschehens zurück. Der Mitteldeutsche Rundfunk drehte für eine Folge seiner Lebensretter-Serie.

Die damalige Situation ist für sie gegenwärtig, die Details lasen sie noch einmal im Einsatztagebuch und im Protokoll nach. Das zweite Stichwort bei der Alarmierung war „1-2“. Das heißt, es wird mit bis zu 50 Verletzten gerechnet. Diese Einschätzung gibt der Notarzt, der als Erster vor Ort ist. Wie viele Verletzte es wirklich sind, wussten die Helfer lange nicht. 30 Personen hatten in der Schicht im Chemiewerk gearbeitet, doch wie viele waren schon nach Hause geschickt worden? Also wird immer erst einmal vom Schlimmsten ausgegangen und viel Platz zur Behandlung von Verletzten vorgehalten.

Vor Ort, während des Einsatzes, macht man sich keine Gedanken. Da läuft alles ab wie zigmal geprobt, wie ein Uhrwerk. Jeder kennt seine Aufgabe. Da sind die Retter Profis. Glück im Unglück war, dass zum Zeitpunkt des Unfalls gerade Pause war und sich die Arbeiter nicht in der Halle, in der die Explosion erfolgte, aufhielten. Zudem waren die vielen kleinen Feuer besser in den Griff zu bekommen, als ein Großfeuer. All das wurde den beiden Männern bei den Dreharbeiten wieder bewusst. Bei Einsätzen denken sie weder ans Fernsehen noch daran, Lebensretter zu sein. Sie machen ihre Arbeit, wie jeden Tag. Zu besonderen Einsätzen werden Einsätze erst danach. Lebensretter als Berufsbezeichnung? Irgendwie stimmt es und irgendwie müssen Peter Seifert und Christoph Neidhardt darüber schmunzeln. Sie sind es, ohne dass sie es sich jeden Tag sagen.

Die Aufnahmen für die Fernsehsendung gingen relativ schnell. Es war wie eine Alarmierung, scherzen die beiden Männer. Montags erfuhren sie, dass Mittwochmittag die Fernsehleute kommen. In zwei Mal zwei Stunden hatten die alles im Kasten. Daraus wurden nun 45 Minuten, die am Donnerstag im Fernsehen zu sehen sind. Ob Seifert und Neidhardt es sich ansehen können, hängt von ihrem Piepser ab.

Nächster Tag, nächster Einsatz

Am 1. Dezember 2014 ging der Einsatz bis 2.31 Uhr, bis 3.30 Uhr sicherte die Feuerwehr das Chemiewerk. Auch am nächsten Tag kamen die Retter noch nicht zum Nachdenken, Luftholen. Da ging es weiter. Der Kanalbrand in Freital mit viel mehr Menschen, die evakuiert werden mussten. Obwohl es am Ende in Pirna glücklicherweise relativ wenig Verletzte gab, kann sich Christoph Neidhardt an keinen vergleichbaren Einsatz erinnern. Jeder ist eben auch wieder anders. Das Jahr nach dem 1. Dezember 2014 brachte viele solcher Einsätze …

MDR, Lebensretter, 4. Februar, 20.15 Uhr